What about Riesling?

Riesling

Le Riesling jaune de la Moselle, Zeichnung aus dem frühen 19. Jahrhundert.

In der vergangenen Woche haben wir zwei günstige Rieslinge aus dem Supermarkt probiert – war gar nicht so schlimm… Wer gerne Wein trinkt oder sich dem Wein gerne nähern möchte, kommt am Riesling nicht vorbei – zumindest in Deutschland. Riesling gilt als eine der aromareichsten Rebsorten überhaupt und verfügt über leidenschaftliche Anhänger*innen. Vor allem das heimische Obst kommt hier zur Geltung: Je nach Wein können Pfirsich-, Nektarinen-, Aprikosen-, Apfel- und Birnennoten um die Aromadominanz in Nase und am Gaumen konkurrieren. Dazu können sich auch ein Hauch von Zitrone oder Grapefruit sowie Honig (eher bei den süßen Varianten) und weitere Aromen gesellen. Eingerahmt werden die Fruchtnoten – im Idealfall – von einer als angenehm spritzig empfundenen Säure. Die meist klar herausstechende Apfelnote ist übrigens leicht zu erklären: Im Vergleich zu den meisten anderen Rebsorten, verfügen Riesling Trauben über einen überdurchschnittlich hohen Äpfelsäureanteil – Riesling ist im Allgemeinen sowieso recht säurebetont.

Aber Riesling ist nicht gleich Riesling: Neben den verbreiteten trockenen Rieslingen gibt es eine ganze Bandbreite weiterer Varianten. Viele in Deutschland produzierte Süßweine (bspw. Beerenausleesen, Eiswein etc.) basieren auf Riesling. Es lohnt sich also, unterschiedliche Riesling Weine zu probieren, um den Facettenreichtum dieser Rebsorte kennenzulernen. Gute Riesling Qualitäten zeichnen sich zudem durch eine besonders gute Lagerfähigkeit aus und sollen viele Jahrzehnte unbeschadet überstehen. Mit zunehmender Reife verändert sich übrigens das Aromaprofil: Die Fruchtaromen treten in den Hintergrund und machen Platz für mineralische Töne, wie es so schön heißt. Auf die sog. Mineralität könnte man eigentlich ausführlicher eingehen, da dies durchaus kontrovers diskutiert wird, aber bleiben wir mal beim eigentlichen Thema…

Riesling

Riesling Traube

Gut Ding will Weile haben

Riesling gehört zu den lange bzw. spät reifenden Rebsorten, die am besten in den nördlichen, kühleren Weinanbaugebieten klarkommen. Einen schönen Herbst braucht’s trotzdem, auch wenn sie vergleichsweise kälteunempfindlich ist. Steinige Böden bzw. Hänge, die die Wärme schön speichern können, gelten als ideale Lagen. Die lange Reifezeit, am besten in Verbindung mit einem begrenzten Ertrag, führt dazu, dass sich die Aromen besonders gut ausbilden können.

Am bekanntesten sind in diesem Zusammenhang die beiden Anbaugebiete Mosel (inkl. Saar und Ruwer) und Rheingau, aber auch in Rheinhessen und an der Nahe werden schöne Riesling Weine hergestellt. Und bevor wir einen auf den Deckel kriegen: auch aus den anderen Anbaugebieten sollen teils gute Rieslinge kommen…

Riesling: die häufigste Rebsorte in Deutschland

Rund 60 Prozent der weltweiten Riesling Rebflächen liegen in Deutschland, wo sie mit knapp 23.300 Hektar fast ein Viertel der Anbaufläche (22,4 Prozent – Stand 2014) einnehmen. Riesling ist die häufigste Rebsorte in Deutschland, die in unterschiedlichem Ausmaß in allen Weinanbaugebieten gepflanzt ist. Mit der in den vergangenen Jahren stark zugenommenen Rebfläche hat sie Müller-Thurgau als verbreitetste Rebsorte in Deutschland abgelöst. Im Rheingau sollen gar fast 80 Prozent der Weinberge mit Riesling Reben bestockt sein, an der Mosel und am Mittelrhein liegt der Riesling-Anteil bei über 60 Prozent.

Wenngleich in weitaus geringerem Ausmaß: Auch in Frankreich (v.a. Elsaß), Österreich, den USA und Australien sowie einigen anderen Ländern wird Riesling angebaut.

Riesling: Wein mit Geschichte

Der Ursprung des Rieslings ist nicht genau geklärt. Fest steht, dass die Rebsorte aus einer Kreuzung verschiedener älterer Rebsorten hervorgegangen ist (vermutet wird eine Kreuzung einer Wildrebe mit den Rebsorten Traminer und Heunisch) und zunächst im Rheintal angebaut wurde. Erstmals erwähnt wurde die Rebsorte vor knapp 600 Jahren, nämlich 1435 im Rheingau (dazu finden sich aber verschiedene, abweichende Informationen – einige Quellen sprechen von der ersten urkundlichen Erwähnung 1490 in Worms, andere von 1465 im Rheingau). Wie auch immer: Riesling gibt’s schon recht lange. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Riesling sein Zenit erreicht und war noch vor dem Bordeaux der begehrteste und teuerste Wein der damaligen Welt. Dann haben sich viele Winzer*innen gedacht “mehr produzieren, mehr Geld verdienen” und schwups war der Spitzenplatz verloren. Heute wächst das Ansehen des Riesling Weins wieder und ein großer Teil der Flaschen geht in den Export. Glücklicherweise sind heute aber viele gute Rieslinge noch bezahlbar.

Quelle: dw.de, wikipedia.de, deutscheweine.de

Bildernachweis in auftretender Reihenfolge:

Gemeinfrei, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Riesling#mediaviewer/File:Rieslingtraube.JPG

Tom Maack/