Weinfehler erkennen: 12 wichtige Qualitätsmängel

Weinfehler erkennenWeinfehler erkennen? Früher dachten wir immer, ein Weinfehler besteht darin, dass gerade kein Wein verfügbar ist. Aber weit gefehlt: Weinfehler, je nach Art auch Fehltöne im Wein genannt, sind unliebsame Geschmacksverirrungen bzw. -entwicklungen – teils begleitet von farblichen Untypizitäten, die auf Verarbeitungsmängel, Alterungserscheinungen oder auch den guten alten Korken zurückzuführen sind.

In den meisten Fällen ist es recht einfach, Weinfehler zu erkennen: der Wein sieht komisch aus, riecht merkwürdig und oder schmeckt einfach mies. Dann heißt es: wegkippen und hoffen, dass die nächste Weinflasche fit ist. Tatsächlich treten Weinfehler recht selten auf, wir zumindest hatten in den letzten Jahren diesbezüglich kaum Grund zur Beanstandung – und wenn, dann war es nicht auf einen Weinfehler zurückzuführen. Das hat, nicht nur, aber auch, mit dem allmählichen Verschwinden des traditionellen Korkens zu tun, der für einen gefürchteten und vergleichsweise weit verbreiteten Fehlton im Wein verantwortlich war (was nach Angaben der Kork-Industrie, aber auch des Deutschen Weininstituts heute nicht mehr in diesem Ausmaß der Fall sein soll – hier gibts mehr Infos zum Thema Korken).

Weinfehler erkennen leicht gemacht…

Vorweg: Gedanken um Eure Gesundheit müsst ihr Euch nicht machen. Liegt ein gravierender Weinfehler vor, der womöglich sogar gesundheitliche Auswirkungen hätte, werdet Ihr das sicher bemerken und den Wein nicht freiwillig trinken. Bei kleinen, geschmacklich subtilen Fehlerchen besteht in der Regel kein Grund zur Sorge, wenn Ihr von dem betroffenen Wein eins, zwei Gläser nehmt...

Für einige dürfte es von Interesse sein, welcher Weinfehler genau vorliegt und warum er aufgetreten ist. Das Lifestylemagazin Focus hat nun genau dazu eine kompakte Übersicht verfasst. Nun sind wir nicht gerade Fans des konservativen Nachrichtenblatts, aber dieses Thema wurde dort schön knapp und übersichtlich behandelt – Grund genug, ein wenig zu klauen (aber wie wir gesehen haben, hat der Focus seinerzeits auch kräftig bei Wikipedia abgeschrieben...haha) und die Essentials hier nochmal zusammenzufassen.

Weinfehler erkennen: die 12 verbreitetsten Weinfehler

Essig

Weinfehler EssigtonMark Twain hat einmal gesagt: “Die Deutschen lieben Rheinwein. Er wird in schlanke Flaschen gefüllt und für ein gutes Getränk gehalten. Von Essig unterscheidet er sich durch das Etikett.” Joa, das ist nun schon ein paar Jahre her und heute kann man recht gefahrlos und häufig sogar lustvoll Wein trinken, dessen Reben an den Rheinhängen gedeihen (abgesehen davon lässt dieses Weinzitat sicher auch eine geschmackliche Vorliebe bzw. Abneigung erkennen). Dennoch gehört der Essigton oder auch Essigstich zu den Weinfehlern. Erkennt man einfach daran, dass der Wein nach Essig riecht oder schmeckt. Ganz billige Weine tun das bereits eins, zwei Tage nach dem Öffnen. Das kann aber schon vorher passieren, wenn der Alkohol durch Bakterien zu Essig umgewandelt wurde.

Trübung

Weinfehler TrübungKennt Ihr sicher: Ihr nehmt eine Weinflasche in die Hand und der Bodensatz wirbelt auf (> Depot). Bei älterem Rotwein sind diese sog. Trubstoffe ganz normal und unbedenklich, wer die nicht im Glas haben will, kann den Wein dekantieren. Auch bei Weißwein bilden sich häufig Kristalle und der sog. Weinstein, die dann in der Flasche herumschwirren – auch kein Problem bzw. kein Anzeichen einer Qualitätsminderung. Anders verhält es sich jedoch bei dicken Flocken oder gar Schlieren, die sich durch den Wein ziehen – hier stimmt etwas nicht und Ihr solltet – so weh das tun mag – dem guten Rebensaft den Weg zur Kanalisation weisen.

Muff- und Schimmeltöne

Wein SchimmelMuffiger Wein, der womöglich auch noch nach Schimmel riecht oder schmeckt, ist ebenfalls keine feine Sache. Früher sind solche Mufftöne häufiger aufgetreten, wenn die*der Winzer*in das Weinfass nicht ordentlich genug geputzt hat... Heute sind solche unappetitlichen Aromen, die an nasse Pappe erinnern können, meist auf einen schlechten Korken zurückzuführen. Das Fiese ist: Oft gewinnen die Mufftöne nur langsam nach dem Öffnen der Flasche an Intensität.

Schwefel und fieser Schwefel (Böckser)

Schwefel WeinIm Wein finden sich verschiedene Schwefelverbindungen (mehr Details zu Schwefel und Wein findet Ihr hier). Mit etwas Pech kann bei frisch abgefülltem Wein freies Schwefeldioxid auftreten – was man leicht an einem unangenehmen, manchmal sogar stechenden Schwefelgeruch erkennen kann. Sowas trinkt man i.d.R. nicht freiweillig, auch wenn sich nach dem Öffnen der Flasche dieser Geruch langsam verflüchtigt. Noch unangenehmer ist ein sog. Böckser, der in unterschiedlichen, einfallsreich-abstoßenden Varianten auftreten kann: faule Eier, stinkender Ziegenbock, verbranntes Gummi usw. Will man auch nicht trinken. Ein Böckser kann sich bilden, wenn während der Gärung Schwefelwasserstoff (der nach faulen Eiern riecht) entsteht. Wenn das nicht bemerkt und der Wein schön gelagert wird, dann kann die ganze Sache zu komplexeren Schwefelverbindungen reagieren mit den erwähnten, unterschiedlichen Geruchsausprägungen.

Lösungsmittel

Wein LösungsmittelDann doch lieber Lösungsmittel...nein, die möchte man eigentlich auch nicht im Wein haben. Klebstoffgeruch kann manchmal bei jungen, süßen Weinen auftreten. Ist das Lösungsmittelaroma dezent, ist es einfach Geschmackssache, ob der Wein mundet oder nicht. Von einem richtigen Weinfehler wird erst gesprochen, wenn sich der Klebstoff-Ton deutlich in den Vordergrund stellt.

Ammoniak/”Mäuseln”

Wein MäuselnWenn der Wein so riecht, als hätten die Mäuse aus der Speisekammer reingepinkelt, solltet Ihr auch die Finger davon lassen. Dieser unappetitliche Ammoniak- oder Mäuseurin-Ton (daher auch die Bezeichnung Mäuseln) kann entstehen, wenn ein Wein zu wenig Säure aufweist und nicht genügend geschwefelt wurde – allerdings gehört das Mäuseln zu den eher seltenen Weinfehlern.

Butter-/Molketon

Wein ButternoteNicht ganz so unangenehm klingt der Name dieses Weinfehlers – der ähnlich wie beim Lösungsmittel-Ton erst ab einem bestimmten Level als Fehlton eingestuft wird. Verantwortlich für das Butteraroma sind Milchsäurebakterien, die in einem Stoffwechselvorgang Diacetyl bilden, das eben Bestandteil des natürlichen Butteraroms ist. Diacetyl ist in sehr kleinen Mengen häufig im Wein anzutreffen, wirkt dabei sogar geschmacksunterstützend und sorgt für leicht nussige oder karamellige Aromen. Ab einer bestimmten Konzentration (über 5 mg/l) erhält das Weinaroma jedoch eine deutlich unangenehme Note.

Untypischer Alterston/UTA

Wein Untypischer AlterstonWenn Wein altert, verändern sich bekanntermaßen seine Farbe und sein Geschmack – bei guten Weinen nicht zum Negativen. Aber es gibt auch untypische Entwicklungen, die seit vergleichsweise kurzer Zeit mit dem UTA beschrieben werden. Ein Wein, der einen untypischen Alterston aufweist, zeigt sich stumpf und dumpf im Geschmack, häufig in Verbindung mt einem kräftigen Petrolton. Das Aroma von Weißweinen soll auch an Erbrochenes erinnern können. Lecker. Für die Ausbildung des UTA werden Witterungseinflüsse verantwortlich gemacht: heiße, trockene Jahre führen bei der Rebe während der Reifeperiode zu Stress, was sich UTA-begünstigend auswirken soll. Dieser Weinfehler hat übrigens eine ganze Reihe von Alternativbezeichnungen und Synonymen: Mottenkugel- oder Naphthalin-Note, Akazien-, Seifen-, Waschmittelton, Stickstoffböckser und schmutzig-nasser Wäscheton (die letzte Bezeichnung gefällt uns am besten...).

Petrolton

Wein PetroltonAuch der bereits erwähnte Petrolton gehört – manchmal – zu den Weinfehlern. In manchen, v.a. reiferen Weißweinen, bspw. Riesling, bildet der Petrolton, der an Petroleum oder Kerosin erinnert, eine typische, reizvolle Geschmackskomponente. Bei jungen Weinen hingegen sollte er eigentlich nicht auftreten. Allerdings besteht eine gewisse Verwechslungsgefahr mit mineralischen Aromen, sodass der Petrolton als Weinfehler schwer einzugrenzen ist. Der Petrolton basiert auf einer Substanz namens Trimethyl-Dihydronaphtalin (TDN).

Geranienton

Wein Geranienton...hört sich auch nicht so schlimm an, erinnert aber in unangenehmer Weise an den Geruch der beliebten Balkonpflanze – Schuld ist die Substanz Geraniol, die durch den bakterienbedingten (Essig- und Milchsäurebakterien) Abbau von Sorbinsäure entsteht. Der Geranienton kann daher nur bei Weinen entstehen, die mit Sorbinsäure als Konservierungsmittel stabilisiert wurden, das von manchen Winzer*innen präventiv gegen Hefen- und Schimmelpilze eingesetzt wird.

Brettanomyces/”Brett”

Wein Brett-FehltonIhr habt einen Wein vor Euch, der Assoziationen von Pferdeschweiß oder nassem Hund weckt? Dann handelt es sich ziemlich sicher um den sog. Brett-Fehlton. Seinen Namen hat dieser Weinfehler von dem Hefepilz Brettanomyces, der deutliche animalische Alterungsnoten hervorrufen kann, die in dieser Ausprägung nichts im Wein verloren haben. Die sensorische Wahrnehmung kann je nach Wein sowie individuell recht unterschiedlich ausfallen und reicht von süßlich scharfen Aromen bis hin zu ledrigen, rauchigen, teerähnlichen, säuerlichen oder medizinalen und pharmazieähnlichen Noten.

Korkschmecker

Wein KorkschmeckerNun schlussendlich einer der verbreitetsten und gefürchtetsten Weinfehler: der Korkton, auch Korkschmecker genannt. Diesen Weinfehler erkennen ist nicht schwer: der Wein schmeckt teils deutlich nach muffigem Kork. Manchmal gibts aber auch subtile Korkfehler, die den Weingeschmack verfälschen, v.a. dumpfer machen und nicht so leicht zu erkennen sind. Oft verstärkt sich der unangenehme Korkton allmählich im Kontakt mit der Luft. Früher wurde der durch das TCA (2,4,6-Trichloranisol) verursachte Fehlton v.a. durch fehlerhafte Korken bzw. durch bestimmte Faktoren in der Korkproduktion verursacht. Heute soll die überwiegende Zahl der Korkschmecker auf andere Faktoren zurückzuführen sein, auch ein Wein mit Schraubverschluss kann diesen Fehlton aufweisen. Eine ausführlichere Beschreibung der TCA-Problematik findet Ihr hier in unserem Artikel über Naturkorken.

Daneben gibt's noch ein paar mehr Weinfehler, aber die 12 skizzierten gehören zu den häufigsten und wenn Ihr die kennt, ist Weinfehler erkennen i.d.R. kein Problem. 

Habt Ihr dazu noch Anmerkungen oder Ergänzungen? Dann gerne her damit...

 

Quellen: focus.de, wikipedia.de

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