Weinbau, Klimawandel, Alkohol: Welt-Weinkongress in Mainz

WeinbergNoch bis morgen tagt der 38. Weltkongress für Rebe und Wein, so der offizielle Titel, in Mainz. Der jährlich an unterschiedlichen Orten in der Welt stattfindende Fachkongress gilt als eine der international wichtigsten wissenschaftlichen Tagungen zum Thema Wein – das bekanntlich ein breites inhaltliches Spektrum bietet. Aber auch in diesem Jahr gibt es ein Schwerpunktthema: “Fortschritt und Verantwortung”. Wir picken hier mal zwei Themen heraus, die womöglich von Interesse sind…

Internationale Weinproduktion

Im vergangenen Jahr war ein Rückgang der internationalen Weinproduktion um sieben Prozent zu verzeichnen. Entgegen des Trends steigerte sich die Weinproduktion in Deutschland 2014 um neun Prozent auf 9,2 Millionen Hektoliter. In puncto Ertrag liegt Deutschland weltweit übrigens an zehnter Stelle, beim Weinkonsum hingegen mit rund 20 Millionen Hektolitern an vierter – nur in den USA, Frankreich und Italien wird mehr vom köstlichen Rebensaft getrunken.

Auf dem internationalen Weinkongress in Mainz beraten die Expert*innen auch über bestehende und neue Standards in der Weinherstellung sowie Weinkennzeichnung. Insbesondere der Einsatz von Gentechnik, die Verwendung von in der EU bisher meist verbotenen Aromastoffen sowie Verfahren für alkoholreduzierte Weine stehen auf der Agenda. Ob es eine Tendenz gibt, Aromastoffe auch in Europa zuzulassen, können wir nicht beurteilen – die öffentlichen Statements bekräftigten zumindest das Bekenntnis zur Qualität (aber das muss ja nichts heißen). Was gentechnisch veränderte Rebsorten angeht, mit denen bspw. in den USA, Australien und Frankreich experimentiert werden, plädierte die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Ulrike Höfken (Grüne) gegen die Verwendung solcher Rebsorten und verwies auf die Erfolge bei der biologischen Schädlingsbekämpfung – bspw. in Form von Lockstoffen – im Weinbau sowie bei der traditionellen Kreuzzungszüchtung, die ebenfalls imstande sei, schädlings- und hitzeresistente Reben hervorzubringen. Womit wir beim nächsten Thema sind…

Klimawandel und Weinbau

Ein großes Thema für den Weinbau und somit auf dem Weltkongress für Rebe und Wein ist die Klimaerwärmung. Die stetige Erwärmung ist v.a. aus zwei Gründen problematisch: Zum einen nimmt dadurch der Zuckergehalt in den Weintrauben zu, was einen erhöhten Alkoholgehalt zur Folge hat – was auch in Deutschland, v. a. aber in Südeuropa bereits zu einer Tatsache geworden ist. Zum anderen sind viele Winzer*innen mit dem sich wandelnden Klima mit neuen Schädlingen im Weinberg konfrontiert, wie z. B. der Kirschessigfliege, der Rebzikade und dem Eichenprozessionsspinner.

Wie der steigende Alkoholgehalt in den Griff bekommen werden kann, wird aktuell auf dem Weinkongress diskutiert. Möglich sei bspw. das Ausfiltern von Zucker vor der Fermentierung oder eine im Anschluss an die Weinherstellung erfolgende Alkoholreduktion. An einer dritten Variante wird im Labor getüftelt: Geisenheimer Mikrobiolog*innen forschen an einem Hefepilz, der weniger Alkohol aus dem Zucker produziert als gewohnt – der Alkoholgehalt könne auf diese Weise ohne Geschmackseinbußen um bis zu 2,5 Prozent gesenkt werden, heißt es.

Weintrauben

Die Folgen der zunehmenden Erwärmung sind an manchen Orten schon heute zu spüren: So machte der Präsident des Badischen Weinbau-Verbandes Kilian Schneider vor wenigen Tagen darauf aufmerksam, dass aktuell erhöhte Sonnenbrandgefahr für die Weintrauben in einige Südlagen bestehe – Temperaturen von über 40 Grad seien keine Seltenheit. Sonnenbedingte Schäden an Weintrauben seien zwar kein ganz neues Phänomen, allerdings sei die Gefährdung in diesem Jahr besonders stark. …andererseits ermöglicht die Klimaerwärmung nördlich gelegenen Weinbaugebieten eine höhere Variationsbreite an verwendbaren Rebsorten.

Last but not least: Im Rahmen des 38. Weltkongress für Rebe und Wein tagt auch die Generalversammlung der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) – die morgen eine neue Präsidentin wählt: einzige Kandidatin ist Monika Christmann, Leiterin des Instituts für Önologie an der Hochschule Geisenheim im Rheingau. Man darf also gespannt sein…

 

Quellen: oiv2015.de, stern.de, swr.de, greenpeace-magazin.de, welt.de

Bildernachweis:  pixabay.com

3 Kommentare

  • EC sagt:

    Die hätten mal Christian Tschida aus Illmitz am Neusiedler See als Redner zu dem Kongress einladen sollen. Der hätte da erzählen können, wie man die Reben mit rein natürlichen Mitteln dazu bringt, weniger Zucker (und damit in der Folge weniger Alkohol) und dafür mehr Aromastoffe zu entwickeln. Hat nur einen Haken: macht mehr Arbeit. Wen’s interessiert:
    https://ec1962.wordpress.com/2015/03/28/hochamt/

    • sb sagt:

      …sehr interessant, habe es eben nochmal durchgelesen. Da würden mich die genauen Funktionsweisen interessieren…vielleicht frag ich mal nach. Danke für den Hinweis.

  • EC sagt:

    …ist halt kein billiges Vergnügen, unter 10 Euronen gibt’s bei Tschida gar nix. Geht mit den verschiedenen “Himmel auf Erden” bei ca. 18 EUR los. Aber es lohnt sich. Finde ich…

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