Wein Rituale: Albern oder sinnvoll?

Wein Rituale

Wein Rituale erhöhen den Erlebnisfaktor mächtig...

Wenn Profis und solche, die sich dafür halten, sich mit einem neuen Wein bekannt machen, werden Weingläser ins Licht gehalten, der Wein im Glas geschwenkt, mit schwer konzentrierter Miene die Nase tief ins Glas gesteckt - um dann schlürfend und schmatzend den mehr oder weniger edlen Tropfen zu kosten und damit der schwer kultivierten Situation einen belustigenden Bruch zu geben. Für Außenstehende wirkt das Gehabe und Getue bei einer Weinverkostung oft ziemlich albern.

Aber solche Wein Rituale bei einer Degustation (vulgo: Verkostung) haben auch ihren Sinn. Auch wenn es letztlich darauf ankommt, ob der Wein schmeckt oder nicht, helfen sie, alle Facetten eines Weines noch genauer wahrnehmen und bestimmen zu können.

Wein Rituale: Hol mehr aus Deinem Wein...

Mehr aus dem Wein holen? Yep. Und zwar hat das Ganze zwei Ebenen. Zunächst einmal erhöhen gemeinsame Rituale den Erlebniswert – mit der Folge, dass bestimmte Aktivitäten mehr Spaß machen oder bestimmte Sachen besser schmecken. Das gilt auch fürs Wein trinken.

Zum anderen funktionieren Rituale auch, wenn Du alleine zuhause ein Glas Wein genießen möchtest. Denn Rituale beeinflussen den Geschmack – und zwar positiv! Das gilt gleichermaßen für unsere Mahlzeiten wie auch für das Trinken. Womit wir beim Thema Wein Rituale wären.

Die Psychologin Kathleen Vohs von der University of Minnesota, nach eigenem Bekunden selbst eine passionierte Weintrinkerin, hat dies bspw. anhand der Schokolade nachgewiesen und erklärt, die Ergebnisse ließen sich auch auf Wein und andere Dinge, wie z. B. Karotten, übertragen. Für das Experiment bekamen Studierende jeweils einen Schokoriegel. Während die eine Gruppe einfach losmampfen konnte, musste die zweite Gruppe ein festgelegtes Ritual befolgen – danach gings ans Bewerten.

Und siehe da: Das ritualisierte Schokolade essen hatte offensichtlich einen positiven Einfluss auf den Geschmack, die Ritual-Teilnehmer*innen werteten den Genuss und den Geschmack höher. Bei weiteren Ritual-Experimenten wurden die Teilnehmer*innen anschließend zur Untersuchung in einen Kernspintomographen geschoben. Dort wurde festgestellt, dass ritualisierte Handlungen offensichtlich das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren.

Wein Rituale

Durch Wein Rituale wird jedes Zusammensein ein Fest!

Der Schraubverschluss ist schuld...

Auf die Idee zu diesem Experiment soll die Sozialpsychologin übrigens bei einem Abend mit Freunden gekommen sein. Als es daran ging, die Weinflasche zu öffnen, habe Kathleen Vohs mit Bedauern festgestellt, dass die ausgewählte Flasche Wein nicht wie üblich mit einem Korken verschlossen war, sondern mit einem Schraubverschluss. Ihr sei dann aufgefallen, dass ihr dieses ganze Vorbereitungs- und Öffnungsritual (für sie Bestandteil der Wein Rituale) sehr fehle: Das Abzuppeln der Folie, das Hantieren mit dem Korkenzieher und schließlich die Spannung beim Herausziehen...

Es ist zugleich lustig und lohnenswert, Wein Rituale einmal selbst durchzuspielen. Also, lasst Euch mal Zeit beim Wein trinken, versucht die Farbe zu deuten, den Geruch (das Bouquet) bewusst wahrzunehmen, mit dem Wein die Zunge zu umspielen und die Aromen zu bestimmen – es funktioniert! Wenn es Euch peinlich ist, Wein Rituale in der Öffentlichkeit zu zelebrieren, versuchts halt mal zu Hause bei einem guten Buch, wie man so schön sagt...oder noch besser: Vor dem Bildschirm bei einer entspannten Entdeckungstour durch unser kleines, feines Online Weinmagazin.

Quelle: psychologicalscience.org ; vohs.socialpsychology.org

Bildernachweis: Public Domain, Quelle: pixabay.com