Warum schmeckt der Wein mineralisch? Tut er das überhaupt?

Wein mineralisch

In diesem Weinberg liegen ziemlich viele Steine rum – beste Voraussetzungen für einen mineralischen Wein?

Häufig hört man, dass einem Wein, meist einem Weißwein, ein mineralischer Ton nachgesagt wird – was durchaus positiv erachtet wird. Darunter werden dann Gerüche und Geschmäcke nach Erde, Salz, Stein, Kreide usw. gefasst. Bei guten Rieslingen bspw. ist die Angabe der Mineralik besonders beliebt.

Bei einem Mineral handelt es sich, wie uns das allwissende Wikipedia lehrt, um “ein Element oder eine chemische Verbindung, die im Allgemeinen kristallin und durch geologische Prozesse gebildet worden ist”. Wenn Wein mineralisch schmeckt, muss oder sollte er diese Aromanoten also aus dem Boden des Weinbergs aufgenommen haben – womit wir auch schon gleich beim berühmten “Terroir” sind. Terroir bezeichnet in der Weinsprache die speziellen Eigenschaften und Eigenheiten des Bodens, auf dem die Rebstöcke gedeihen und die den Trauben und dem später daraus gewonnenen Wein eine spezifische Charakteristik verleihen sollen (streng genommen umfasst Terroir noch weitere Faktoren, wie das jeweilige Klima). Ist das jetzt ein gewiefter Marketing-Trick der Winzer*innen und Weinbauverbände oder ist da tatsächlich etwas dran? Tja, darüber streiten sich die Geister…

Wenn ein Wein mineralisch schmeckt, enthält er ebensowenig gelöste Steine, wie ein Wein mit Apfelaroma Äpfel

Die meisten Böden enthalten Mineralien bzw. Mineralstoffe, steinige Böden, bspw. eine Steillage mit reichlich Schiefer, sogar besonders viele. Also lösen die Reben die Mineralstoffe aus dem Boden und “lagern” sie in den Trauben ein, sodass der Wein mineralisch schmeckt? Ganz so einfach ist es wohl nicht: Geologen bestreiten, dass man die Mineralik des Bodens im Wein schmecken könne, da Gesteine Mineralstoffe nicht in den dafür notwendigen Größenordnungen abgeben und die im Wein enthaltenen Mineralien unter der menschlichen Wahrnehmungsschwelle liegen (siehe bspw. hier). Die Geologen bestreiten keineswegs, dass es die als mineralisch klassifizierten Aromen, wie Erde, Stein usw., im Wein gibt – nur stellen sie den direkten Zusammenhang mit dem Boden in Frage. Demzufolge hat die sog. Mineralik im Wein nichts mit den Mineralien im Boden zu tun.

Viele Winzer*innen halten freilich dagegen und es gab auch schon sensorische Tests von unter gleichen Bedingungen angebauten Weinen verschiedener Lagen, die den Einfluss des Bodens bzw. Standorts im Wein nachgewiesen haben wollen (siehe bspw. hier). Wobei auch diese Tests nicht 1:1 den jeweiligen Bodentyp geschmacklich im Wein gefunden haben, aber immerhin lagenbedingte Unterschiede festgestellt haben.

Ich will, dass mein Wein mineralisch schmeckt…

Der Begriff Mineralität oder Mineralik strahlt etwas Wertiges und fast schon Romantisches aus: beständig und erdverbunden, die qualitätsvolle Vereinigung von Natur und Kultur. Und entsprechend gerne möchte man sich damit schmücken, entsprechend gerne möchte man solch einen Wein trinken. Viele Weingüter und Verbände machen auch gar keinen Hehl daraus, dass sie den Terroir-Begriff als werbewirksames Alleinstellungsmerkmal nutzen wollen und sollen. Ob der Wein mineralisch schmeckt oder nicht, das jeweilige Mikroklima und der Standort spielen sicher eine Rolle für den Weinbau. Und vielleicht ist ja an der Mineralik auch was dran…was auch immer.

Quellen: nzz.de, wikipedia.de, gsa.confex.com, dlr-rnh.rlp.de

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