…tastes like Wine on Tour: RegioWein in Mainz

RegioWein MainzWer will schon nach Düsseldorf, wenn in Mainz die RegioWein-Messe ihre Pforten öffnet? Eben. Für 9 Euro frei sau…ähm regionale Weine verkosten nach Lust und Laune. Ein paar Dutzend Weingüter aus Rheinland-Pfalz sowie dem Rheingau präsentieren auf der RegioWein, die erstmals im Rahmen der Rheinland-Pfalz Ausstellung stattfindet, ihre Weine (Nachtrag: Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass auf der RegioWein alle 6 rheinland-pfälzischen Anbaugebiete verteten waren und auch künftig sein werden: Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Rheinhessen und Pfalz – hiermit ergänzt). Eine sog. “Endverbrauchermesse”. Da wir zwei Karten bekommen haben und Mainz nicht fern ist, machen wir uns also auf den Weg…

Die Rheinland-Pfalz Ausstellung ist ein großer Flohmarkt, auf dem gewerbliche Händler*innen viele Dinge präsentieren, die sich in absehbarer Zeit sicher wieder auf privaten Flohmärkten finden lassen. Das Außengelände wird von Kirmesständen mit gebrannten Mandeln und Ähnlichem sowie schlechtem Wetter (zumindest an unserem Besuchstag) und entsprechender Stimmung beherrscht, also nix wie rein in die lauten Markthallen, wo sich das mäßig gelaunte, aber kaufbegierige Publikum durch die Gassen quetscht. Vorbei an fesch bestickten Tischdecken, ziemlich rückenschonenden Matratzen, energiesparenden Kochtöpfen und edlen Mülltonnenverkleidungen bis zum Ziel unseres Ausfluges: der Wein-Ausstellung. Ziemlich kleiner Bereich, aber deutlich gemütlicher und angenehmer als der Rest.

Gleich zu Beginn die Ausleih-Station für Gläser. Super, eigene Gläser, an denen wir uns festhalten können. Bevor wir den ersten Weinstand ansteuern, ist ein kleiner Rundgang fällig. Die meisten Winzer*innen sitzen in kleinen Büdchen, hat was von Weihnachtsmarkt, fehlt nur die festliche Musik und Beleuchtung. Aber für Feststimmung ist ja anderweitig gesorgt. Solche Messen haben etwas von einem Basar: sobald Du es wagst, Blickkontakt aufzunehmen, hast Du verloren. Zumindest Zeit, denn dann wirst Du mit einem Netz aus hypnotisierenden Worten langsam an den Stand gezogen und solange neugierig gemacht, bist Du aufhörst zu zappeln und nur noch bereitwillig nickst. Ja, einschenken bitte!

Weingüter: Von bodenständig bis exklusiv

Weinmanufaktur MöbusDas erste Weingut, das unsere Aufmerksamkeit erregt (weil niemand davor steht), ist auch gleich sehr nett: die Weinmanufaktur Möbus aus dem rheinhessischen Siefersheim. Hier steht noch ein Winzer vom alten Schlag, der alles selbst macht, nebenbei auch eine Rebschule betreibt und auskunftsfreudig über seine Arbeit berichtet. Sein Hauptaugenmerk liege auf der Arbeit im Weinberg, dann sei es im Keller ganz einfach, erklärt er und erzählt ausführlich, wie er seine Reben kultiviert. Der kräftige, aber unaufdringliche Grauburgunder (3,10 €) hat uns gut gefallen. Daneben hat er auch einen reinen, im Holzfass ausgebauten Cabernet Mitos im Programm (für 3,20 €) – eine Rebsorte, die ansonsten hauptsächlich aufgrund ihrer Farbintensität als Verschnittrotwein herhalten muss, um anderen Weinen mehr Farbkraft zu verleihen. Laut Möbus eine unkomplizierte Rebsorte mit mittleren Erträgen, aber durchweg tollen Qualitäten. Vollmundig, speziell, ganz lecker, aber im Abgang etwas bitter – aber wir müssten uns keine Sorgen machen: Ostern sei die Bitternote verschwunden. Ok. Bemerkenswert sind die Preise der Weinmanufaktur: Alle von uns probierten Weine bewegen sich zwischen 3 und 4 Euro und waren durchaus ordentlich. Keine richtigen Highlights, aber es handelte sich auch um den frisch abgefüllten Jahrgang, der nach Aussage vom Chef in einigen Wochen erst seine volle Trinkreife erlangt.

Um die Ecke präsentiert sich die Hochschule Geisenheim aus dem nahen Hessen auf einem großen Stand. Neben Postkarten mit alten Kalauern wie “Lieber Wein lesen, als gar keine Lektüre” wurden hier auch neue Weine der hochschuleigenen Weinberge vorgestellt. Darunter auch ein exzellenter Rotwein aus einer hierzulande nahezu unbekannten Rebsorte, deren Namen wir gleich wieder vergessen haben – es ging alles so furchtbar schnell… Ist aber auch egal, da dieser leckere Rotwein mit fast 15 Euro leider nicht zu unserer Zielgruppe zählt. Bzw. nicht egal: denn die freundliche Sommelière am Stand wußte einiges Interessantes zu berichten und nach späterer Rückfrage hat sie uns weitere Informationen in Aussicht gestellt – wir bleiben am Ball und werden dazu in Zukunft mal schreiben.

Duftbomben, ein beleidigter Edel-Winzer und ein mutiger Jungspund

Hochschule GeisenheimZudem hatte die Weinhochschule einen zweiten, kleinen Stand aufgebaut, auf dem einige Gläser mit weintypischen Aromen (bspw. Pfirsich für Riesling, Zitrus für Silvaner) aufgereiht sind – die sich beim Erschnuppern als hochgradig parfümierte Duftbomben herausstellen. Hatte eher was von Zitrusreiniger als von Silvaner. Ob das denn nicht unwissenschaftlich sei, wollten wir wissen. Es sollten lediglich die Primäraromen von den verbreitetsten Sorten dargestellt werden, um den Leuten einen Leitfaden zu bieten – und wie sollte man es denn sonst machen? Da wir darauf keine gescheite Antwort wußten, gaben wir den wissenschaftlichen Nachwuchskräften recht und zogen weiter.

Der nächste Blickkontakt führte uns zum Weingut Strub aus Guntersblum. Lustigerweise hat sich Herr Strub augenblicklich für das strahlende Lächeln auf dem Werbeplakat entschuldigt, auf dem er und seine Frau abgebildet sind. Interessant zu erfahren, welche Reaktionen man so auslöst. Aber sehr schön, sowas gefällt uns! Wir fänden es sehr wünschenswert, wenn sich viel mehr Menschen und Firmen für ihre Werbung entschuldigten… Ob man als Winzer in Rheinhessen nichts zu lachen habe, wollen wir wissen. Nein, meint er und lacht laut los. Und er lacht zurecht, denn die präsentierten Weine (Spätburgunder und Riesling) sind durchaus vorzeigbar. Weingut Strub

Während der Rotwein ganz gut und überraschend kräftig im Geschmack für seine 12,5 Umdrehungen war, ist v.a. der Riesling Spätlese trocken sehr positiv aufgefallen: Voll, rund und fruchtig, dabei ziemlich säurearm – wobei sie dann doch verzögert als reizvoll-subtils Bizzeln an der Zunge zum Vorschein kam. Für um die 5 Euro ein toller Tropfen. Ansonsten hatte das Weingut noch eine nette Idee: Pedalo, ein alkoholreduzierter Secco als Alternative zum klassischen Radler. Läuft wohl gut, bzw. fährt…

Eine interessante Begegnung hatten wir am nächsten Stand: das Nahe-Weingut Schlossmühle Dr. Höfer. Auf die Frage, ob seine Weine denn gut seien, echauffierte sich der gute Mann, sprach von einem Affront und verließ den Platz des Geschehens. Davon gänzlich unbeeindruckt lud uns das freundliche Personal vor die nun leere Theke, um uns das feine Sortiment zu präsentieren. Na denn, irgendwie musste sich der Auftritt ja lohnen und wir probierten. Allerdings bekam die eigentlich als (zugegebenermaßen mäßig witzige) humoristische Einlage gemeinte Frage nachträglich noch ihre Berechtigung: die vergleichweise teuren Weine waren zwar alle nicht schlecht, besaßen ihre eigene Feinheit, aber ihnen fehlte die geschmackliche Spitze. Nichts für uns, erst recht nicht zu den Preisen.

Lunes

Lunes hats mal wieder nicht kapiert…

Dafür wurden wir direkt gegenüber fündig: Ein junger Winzer aus Bad Kreuznach (Weingut Gemünden), der sich mit einer eigenen Kollektion auf den Markt wagt. Seine Eltern, die bisher das Weingut führten, hatten keine “eigenen” Weine produziert, sondern an eine regionale Genossenschaft geliefert. Seit erst zwei Jahren versucht sich der gelernte Weinbautechniker nun als Winzer und die Ergebnisse sind mehr als vorzeigbar. Sowohl die Rieslinge als auch der Silvaner, die wir an dem Stand probierten, gehörten zu unseren persönlichen Favoriten des Tages. Frisch und spritzig, sehr lecker und mit etwas über 6 Euro bezahlbar. Da macht sich jemand Mühe und freut sich aufrichtig, dass es den Leuten schmeckt. Schön.

Weitere Weinstände, weitere mehr oder weniger gute Weine. Aber wir beschränken uns hier mal auf die genannten. Weinselig und gut beladen sind wir nach Hause gefahren – und haben auf dem Rückweg ein schönes kaltes Bier getrunken.

Übrigens: Viele der Winzer*innen, die wir gesprochen haben, nutzen die RegioWein, um erstmals Messeerfahrung zu sammeln – im Gegensatz zur ProWein, wo schnell einige Tausend Euro als Standgebühr fällig werden, ist man hier in Mainz mit wenigen Hundert Euro dabei.

Hier die Kontaktdaten der im Text auftauchenden Weingüter:

Weinmanufaktur Möbus

Weingut der Hochschule Geisenheim University

Weingut Heiko Strub

Weingut Schlossmühle Dr. Höfer

Weingut Gemünden

 

Alle Bilder: …tastes like Wine!

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