Säure im Wein: Zähne in Gefahr?

Weinsäure ZahnschmelzIst insbesondere Weißwein schlecht für die Zähne?

Neben einem guten Glas Wein liegt uns freilich nichts mehr am Herzen als das Wohlbefinden unserer Mitmenschen. So sieht’s aus. Deshalb hier ein kleiner Tipp, wie Ihr euer strahlendes Lächeln bewahren könnt – das ist nämlich in Gefahr, wenn man den Erkenntnissen einer neuen Studie glauben darf.

Das Problem: Die Weinsäure verträgt sich nicht so gut mit unserem Zahnschmelz. Wobei nicht so gut vertragen scheinbar untertrieben ist: Wissenschaftler*innen der australischen University of Adelaide haben herausgefunden, dass die Weinsäure Zähne noch stärker und schneller in Mitleidenschaft zieht, als bisher angenommen. Eine Laborstudie hat gezeigt, dass schon 10 Minuten Wein-Tasting genügen, um den Zahnschmelz deutlich zu schädigen bzw. sog. Säureschäden hervorzurufen. Dieser Effekt stelle sich bereits nach wenigen Minuten ein. Dr. Sarbin Ranjitkar, der Co-Autor der Studie, erklärt: “Für professionelle Wein-Verkoster und Winzer, die zwischen 20 und 150 Weine am Tag probieren, sowie für Wein-Preisrichter, die während Weinshows bis zu 200 Weine kosten, stellt dies ein signifikantes Risiko für die Zahngesundheit dar.” Diese Gruppen sollten möglichst frühe, vorbeugende Maßnahmen treffen, am besten in Absprache mit Zahnärzt*innen.

Weinsäure vs. Zahnschmelz: Du kannst den Kampf beeinflussen…

Problematisch wird’s also v.a. beim täglichen bzw. umfangreichen Wein trinken/testen. Also alles halb so wild – sofern Du nicht Profi-Wein-Verkoster*in bist. Nun, wahrscheinlich reagieren die Menschen bzw. ihre Zähne auch unterschiedlich auf die Weinsäure. Wir zumindest kennen einige, die schon lange Zeit äußerst engagiert dem (Weiß)Wein trinken frönen und immer noch ihre Zähne im Mund haben. Geht also auch. Solltest Du dennoch angesichts der angelaufenen Weißwein-Saison gerne in Kenntnis über die angedeuteten Präventivmaßnahmen gesetzt werden wollen – hier sind sie:

Wein Säure ZähneWeinsäure-Zahnvorsorge

  • Calcium, Phosphat und Fluorid bzw. remineralisierende Produkte am Abend vor der Weinprobe einnehmen
  • Am Morgen vor der Weinprobe keine Zähne putzen
  • Wer sich mit ungeputzten Zähnen nicht aus dem Haus traut, sollte dann Kaugummi kauen, um die Speichelproduktion – ein natürlicher Zahnschutz – anzuregen

Weinsäure-Zahnnachsorge

  • Zähne nach dem Weißwein trinken nur mit Wasser abspülen
  • keine Zähne putzen direkt nach dem Weingenuss, da die Zähne bzw. der Zahnschmelz infolge der Säureattacken noch ziemlich weich sind
  • Vor dem Zubettgehen nur einen Klacks Zahnpasta auf die Finger und damit die Zähne grob reinigen

 

Die Studie wurde im Frühjahr im Australian Dental Journal veröffentlicht und kann hier kostenfrei eingesehen werden.

 

Abschließend noch kurz zu der anderen Eingangsfrage: Die verbreitete Ansicht ist es, dass gerade Weißwein schlecht für die Zähne ist. Zu dieser Frage hat die Studie allerdings keine Stellung bezogen. In der Präsentation der Studienergebnisse ist stets pauschal von Wein die Rede, der Säureschäden am Zahn hervorrufen kann. Eine andere, ältere Studie der Uni Mainz hat sich mögliche Unterschiede jedoch einmal angeschaut: Demnach greifen Weißwein und Rotwein gleichermaßen den Zahnschmelz an. Einen Unterschied gibt es jedoch hinsichtlich der “Tiefenwirkung”: So soll Weißwein mehr Calcium aus dem Zahn lösen als Rotwein – insofern kann die Frage, ob Weißwein schlechter für die Zähne ist als Rotwein, schon mit Ja beantwortet werden. Wer etwas beim Wein trinken isst, kann die Weinsäure ein wenig neutralisieren – besonders gut soll sich übrigens Käse eignen: Das im Käse enthaltene Fett wird beim Kauen im Mund verteilt und lege sich wie ein Schutzfilm auf die Zähne…

 

Quellen: zwp-online.info, adelaide.edu.au, edizin.de

Alle Bilder: Public Domain/pixabay.com