REWE Biowein: Biorebe Merlot

BioRebe Merlot REWEGünstiger Bio-Rotwein im knallharten Geschmackstest

Wir haben uns ja irgendwann mal auf die Fahne geschrieben, v.a. günstige bzw. bezahlbare Weine zu testen. Was das genau heißt, ist freilich recht offen und legt jede*r für sich selbst fest. Natürlich wissen wir, dass guter, handwerklich produzierter Wein seinen Preis hat und häufig auch seinen Preis wert ist. Da aber viele Leute sich nicht regelmäßig Weine für 10 und mehr Euro kaufen können, wollen wir auch schauen, was so in den unteren Preissegmenten abgeht.

Dafür haben wir uns diesmal im REWE umgesehen. Der Edel-Discounter hat eine neue (zumindest ist sie uns zuvor noch nicht aufgefallen) Bio-Marke namens BioRebe installiert, die verschiedene Rot- und Weißweine für rund 4 Euro anbietet. Also gut, mal testen haben wir uns gedacht und uns für die BioRebe Merlot entschieden – genauer: BioRebe Merlot 2014 Pays d’Oc. Ein veganer, trockener Landwein (IGP) aus dem sonnigen Süden Frankreichs für 4,29 Euro/0,75 Liter. Das Etikett verspricht Weinliebhaber*innen “mit Umweltbewusstsein (…) ein ansprechendes Preis-Genuss-Verhältnis”…wollen wir doch mal sehen, ob das stimmt.

BioRebe Merlot aus dem REWE: ansprechendes Preis-Genuss-Verhältnis?

Biowein REWEWobei die Optik schon eine Herausforderung darstellt: Bekanntermaßen verhält es sich in der Regel so, dass je günstiger ein Biowein ist, desto größer und häufiger sind die Bio-Labels und -Schriftzüge vertreten. Beim BioRebe Merlot (wir haben natürlich mal nachgezählt) wird “Bio” stolze 6 Male hervorgehoben, “vegan” schafft immerhin 2 bildhafte Erwähnungen (die Bio- und Ökoerwähnungen in den kurzen Textbausteinen nicht mitgezählt) – auweia. Dieser Wein ist auf jeden Fall für Leute designt, bei denen Bio das oberste Kaufargument darstellt. Was ja nicht schlecht ist, wir stehen auch auf Bio, wenn der Geschmack aber nicht stimmt, nutzt das Ganze allerdings wenig.

Mit 13 Volumenprozent handelt es sich beim BioRebe Merlot um einen mittelschweren Vertreter seiner Art. Fruchtig und samtig-weich soll er sein, so die Beschreibung. Und rubinrot. Naja, wir sind keine Farbexperten, allerdings scheint uns dieser Rotwein doch etwas dunkler…egal, spielt für uns erstmal keine Rolle. Als wir noch etwas schüchtern unsere Nasen zum Glas führen, kommt uns ein dezent-fruchtiges, süßliches Aroma entgegen, eingebunden in eine weiche, alkoholische Wolke. Vergorene Erdbeeren triffts wohl am besten. Wobei eine der ersten Geruchsassoziationen tatsächlich die nach eingelegten grünen Oliven war. Das Bouquet ist nichts Besonderes, aber auch nicht abschreckend.

BioRebe REWE BioweinGenauso lässt sich der Geschmack beschreiben…allerdings nur der erste Schluck: wieder vergorene Erdbeeren, süßlich-herb, nicht sonderlich komplex. Wahrlich keine Geschmacksexplosion, kann man zu dem Preis allerdings auch nicht erwarten. Allerdings entwickelt dieser Bio-Rotwein mit jedem Schlückchen mehr und mehr Bitternoten (wir hatten ihn zwei Stunden zuvor geöffnet). Während vergorene Erdbeeren sicherlich noch Anhänger*innen finden können, sind wir uns bei den unreifen Johannisbeeren oder zerstossenen Traubenkernen, nach denen der BioRebe Merlot aus dem REWE zunehmend schmeckt, nicht mehr so sicher. Die Gerbstoffe treten bei diesem REWE Biowein doch sehr deutlich in den Vordergrund. Er ist mittelmäßig adstringierend, was mit einem bisschen guten Willen eine samtige Zunge gibt, aber weich-samtig als Geschmack kommt nicht hin. Eher wässrig – mit jedem Schluck entwickelt sich dieser französische Merlot zum klebrig-bitteren Fruchtwasser…nene, das wird nix mehr. Definitiv keine Kaufempfehlung. Wird Zeit, zur Neutralisierung einen Happen zu essen…und tatsächlich, das müssen wir fairerweise sagen, werden die Gerbstoffe dieses REWE Bioweins vom Essen etwas aufgefangen, wodurch er sich deutlich angenehmer präsentiert und das Süßliche in den Vordergrund tritt. Immer noch nicht wirklich lecker, aber wenigstens trinkbar… Also, wenn, dann zum Essen, ein Solo-Wein ist der BioRebe Merlot nicht.

Biowein REWE

Bio-Merlot neben Bio-Basilikum – also das Bio-Basilikum ist deutlich schmackhafter…

BioRebe Merlot: Fazit – und Alternativen…

Als leidenschaftliche Weindilettanten fällt es uns in diesem Fall leicht, ein Fazit zu ziehen: Finger weg! Außer Euch ist egal, wie der Wein schmeckt bzw. Ihr sucht einen günstigen Essensbegleiter. Dieser REWE Biowein riecht besser als er schmeckt und mit freundlichen Worten umschrieben ist er bestenfalls unspektakulär. Nach dieser Erfahrung werden wir nicht mehr zur BioReben-Kollektion greifen. Das heißt im Übrigen nicht, dass man in dieser Preisklasse keine angenehmen Bioweine findet: Der kürzlich besprochene Babouches Rouge aus dem Bioladen* kostet 5,49 Euro, allerdings für die Literflasche, und hat uns gut gefallen: sympathisch, einfach, fruchtig, lecker. Und wenn es ein Bio-Merlot sein soll: Da hatten wir kürzlich einen deutlich besseren im Glas, der direkt vom Weingut (Bio-Weingut Hemer – Interview mit kleiner Weinprobe folgt in Kürze) nur unwesentlich teurer, ein wirklich schöner Rotwein zum Essen und zudem auch noch nach zwei bis drei Tagen gut trinkbar war – was wir bei diesem REWE Biowein gar nicht erst probieren wollen.

 

>>>Mehr zum Thema Biowein findet Ihr hier (Biowein) und hier (weinrelevante Bio-Verbände) <<<

 

Alle Bilder: …tastes like Wine!

7 Kommentare

  • EC sagt:

    …hat sich doch auch mein erst kürzlich geäußerter Verdacht wieder bestätigt: je mehr Bio draufsteht, desto…

  • bremerseefahrer sagt:

    Also tut mir leid, aber für 4,29 Euro kann man keinen sauberen Biowein produzieren, auch nicht als Landwein, das sollte eigentlich jeder Weintrinker wissen. Und dann auch noch Geschmack, was wollt ihr denn noch Alles.

    • EC sagt:

      na ja, der ebenfalls angeführte Babouches kostet auf die 0,75 l umgerechnet ja noch weniger und schien den Testern durchaus geschmeckt zu haben. Dennoch liegt mein persönlicher Durchschnitt deutlich über diesen Werten. Vielleicht bin ich auch einfach zu anspruchsvoll…

      • sb sagt:

        …och, das ist doch einfach Geschmackssache. Sicher: Wenn man sich nicht mit Durchschnittsqualitäten begnügen will, ist es sinnvoll, einen Bogen um solche Weine zu machen. Aber zumindest ich – und viele Leute, die ich kenne – trinken in einer Runde auch gerne mal einen einfachen, fruchtigen Wein als dezente Abendbegleitung – da muss es nicht immer eine 15 Euro-Flasche sein. Es gibt schöne, gut trinkbare Weine für 5 Euro, auch wenn die dann nicht immer hochkomplex sind. Aber natürlich ist es so, dass wirklich interessante Weine nicht für diese Preise zu haben sind. Tolle Weine bevorzuge ich auch, aber muss das eben nicht immer haben.

        @bremerseefahrer: Natürlich gibt es ordentlich produzierte Bioweine für 4 bis 5 Euro – die Einstiegsweine sehr vieler Bio-Winzer*innen bewegen sich preislich auf diesem Niveau.

  • EC sagt:

    …klar ist das Geschmackssache und das ist auch gut so. Ich freue mich übrigens wirklich wie ein Schneekönig, wenn ich einen Wein spaßbringenden Wein für roundabout 5 Euronen finde. Leider passiert das äußerst selten. Günstigster wirklich guter Wein der letzten Wochen war einer für 7,99 EUR aus dem Eisacktal. Allerdings kein -offizieller- Bio-Wein. Und halbe Sache mache ich beim Wein nicht. Ganz oder gar nicht. Es kommt auch vor, daß ich in einem Restaurant nur Wasser trinke, wenn die Karte keinen ansprechenden Wein hergibt…

  • bremerseefahrer sagt:

    Also meine Erfahrung ist die: Alles unter 6 Euro kann man sich sparen, ein ordentlicher Biowein, wo auch Bio drin ist+ nicht nur drauf steht, kann ein Biowinzer nicht erzeugen, außer er will Pleite gehen.
    Und solch ein Biowein kann denn auch schon zum Essen gut schmecken.
    Und denkt bitte dran: Pestizide schmeckt man nicht!!
    Vertraut doch einem “alten” Weintrinker.

  • Nico sagt:

    Meine Erfahrungen mit dem Rewe-Biowein sind leider ähnlich… habe ihn dann einfach für eine Bolognese verwendet. 😉 Ich weiß, ich weiß, eigentlich soll man ja auch nur mit Wein kochen, den man auch so trinken würde – egal, geschmeckt hats trotzdem. 😉 Ich habe mir jetzt lieber mal ein bisschen Wissen über Merlot angelesen (wen es interessiert: http://meine-weinwelt.com/merlot/ ), damit ich beim nächsten mal nicht so sehr daneben greife. An sich ist Merlot nämlich meiner Meinung nach eine der tollsten Rebsorten!

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