R² und Two Faces: Rheingau Riesling von Stefan Breuer

Rheingau RieslingHui: wir haben Wein zum Probieren geschickt bekommen…sehr schön, Firma dankt! Noch ist unser kleines Weinmagazin ja ein Hobbyprojekt, aber es ist schön zu sehen und zu erfahren, wie gut die Seite ankommt und wie schnell unsere Leser*innenschaft wächst (hat jetzt mit dem Wein nix zu tun, wollten wir aber nur mal erwähnen)! Wir sind zwar keine ausgebildeten Weinexperten, aber dafür ausgesprochene Weinliebhaber, was es womöglich erleichtert, unbefangener an das Thema Wein heranzutreten. Und wir treten gerne an das Thema heran…jetzt also an zwei Rieslinge aus dem schönen Rheingau, die uns freundlicherweise Winzer Stefan Breuer aus Eltville/Rauenthal geschickt hat. Eigentlich unnötig zu erwähnen, aber wir tun es trotzdem: selbstverständlich nehmen wir für uns das Recht in Anspruch, stets unsere eigene Meinung zu schreiben und einfach das gut und schlecht zu finden, was wir eben gut und schlecht finden. Weder an dieser noch an anderer Stelle werdet Ihr auf als Artikel getarnte Werbung stoßen – aber wenn uns etwas gefällt, dann empfehlen wir es auch gerne weiter. So, nun also zum Wein.

Stefan Breuer – R² – Riesling – Rheingau – Kabinett – 2014 – 10,5 Umdrehungen

R² – das bedeutet wohl Rheingau Riesling und macht uns als Rieslingfreunde natürlich neugierig. Riechen tut er schon mal ganz gut, auch wenn sich dieser Riesling diesbezüglich etwas schüchtern präsentiert: eher verhaltenes Bouquet, in der Nase ein bisschen Säure und ein bisschen Ananas – eine zurückhaltene Frische, die jedoch noch Hemmungen hat, sich vom Glas zu lösen… Also müssen wir nachhelfen, einen ersten Schluck nehmen und der Sache auf den Grund gehen. Tatsächlich spiegeln sich die ersten Eindrücke auch geschmacklich wider – auf positive Weise, wohlgemerkt: Der R²-Riesling von Stefan Breuer zeichnet sich durch eine – zumindest für Rheingauer Verhältnisse – dezente Säure aus und ist daher eher mediumspritzig. Auf der hinteren Zunge und am Gaumen kommt so etwas wie leicht angegorene Ananas zum Vorschein. Anfangs ist auch ein leichts Zitrusaroma vertreten, das mit jedem Schluck deutlicher wird und sich ausbreitet, jedoch ohne die Ananas als dominierende Frucht zu vertreiben. Ein unkonventioneller Rieslinggeschmack, der uns aber sehr gut gefällt. Der Wein ist im Mund präsent und verschwindet auch nicht nach dem Schlucken. Wirklich interessanter Wein: leicht, sommerlich, tropisch-fruchtig und als trockener Riesling lugt der R² penetrant Richtung Feinherb-Kategorie. Aufgrund der vergleichsweise zurückhaltenden Säure ist das nicht ein Wein, der aufgrund seiner Spritzigkeit als Durstlöscher an heißen Tagen Verwendung finden dürfte. Dafür aber ein toller Riesling, der wahrscheinlich auch für Leute trinkbar ist, die die Säure nicht so gerne haben oder abkönnen. Und wer gerne Sauvignon Blanc trinkt, dürfte an diesem Breuer-Riesling ebenfalls Freude haben. Wir hatten es und sind beide positiv angetan!

Two Faces – 2013 Riesling Schloßberg – Rheinhessen – QbA trocken – 13 Umdrehungen

Rheinhessen? Waren wir eben nicht noch im Rheingau? Stimmt, aber Stefan Breuer scheint als Winzer umtriebig zu sein und seine Weinberge nicht auf ein Anbaugebiet beschränken zu wollen. Zudem handelt es sich bei dem Two Faces Riesling um ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Winzer Klaus Singer-Fischer. Das wird schon an der Etikettengestaltung deutlich, bei der zwei silhouettierte Seitenprofile der Winzer im Mittelpunkt stehen. Was auch gleich erste Fragen aufwirft: Warum ist der eine Kopf so klein und der andere so groß? Warum gucken die in unterschiedliche Richtungen…existieren da etwa unterschiedliche Vorstellungen, was den Wein angeht? Wir wissen es nicht und probieren daher einfach mal.

Wie der R² zeichnet sich auch der Two Faces Riesling durch einen eher zurückhaltenden, mediumspritzigen Duft aus: ein bisschen Pfirsich, vielleicht etwas Honigmelone und dann noch etwas, das uns an nasse Steine erinnert…mineralisch könnte man wohl sagen. Springt einen nicht an, riecht aber schon ganz lecker.

Geschmacklich werden dann deutliche Unterschiede bemerkbar: Der Two Faces Riesling hat deutlich mehr Säure, Zitrusfrüchte dominieren und auch eine leicht spritige Note ist feststellbar, die aber gut eingefasst ist und zum Gesamtpaket passt. Spontan haben wir die Assoziation, dass es sich womöglich um den Riesling typischen Petrolton handeln könnte…aber hey, wir sind ja keine Experten und sind uns nicht so sicher. Whatever, dieser Riesling hat etwas Schweres, wodurch ihm trotz mehr Säure nicht mehr Spritzigkeit zukommt – auch eher ein Wein zum Genießen. Und das klappt ganz gut, denn der Two Faces Riesling ist u. E. komplexer als der R², der Geschmack breitet sich von hinten nach vorne aus und wechselnde Aromen umschwirren die Geschmacksknospen. Ein interessanter Wein, nichts für Leute, die einen einfachen, unbeschwerten und harmonischen Tropfen suchen. Aber dafür umso mehr für diejenigen, die an einem Wein auch etwas Forderndes schätzen.

Two Faces scheint uns übrigens auch ein passender Name zu sein: am Anfang kommt eine leichte Süße und Fruchtigkeit, der schnell eine anhaltende Schwere mit weiteren Aromen folgt, die den gesamten Mundraum belegt hält.

 

Rheingau Riesling Stefan Breuer

Über Geschmack lässt sich ja wunderbar streiten bzw. schreiben…aber hier sind wir uns beide einig, dass wir diese beiden Rieslinge auf jeden Fall nochmal trinken und auch bedenkenlos weiterempfehlen würden, so denn entsprechende Vorlieben existieren. Beides schöne, sehr unterschiedliche Weine – aber einer hat uns dann doch etwas “besser” geschmeckt, auch hier waren wir uns einig: der feinfruchtige Riesling R² verspricht in unseren Augen einfach mehr Trinkspaß! Ist übrigens auch der günstigere von beiden: Für den R² werden 8,95 abgerufen, der Two Faces schlägt dann schon mit 11,80 € zu Buche. Wer nicht auf unbeschwerten Spaß aus ist, sollte zu dem Two Faces Riesling greifen – auch ein toller Wein!

Wenn Ihr Interesse am Weingut Stefan Breuer habt: hier gibt’s mehr Infos!

 

 

 

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