Malen mit Rotwein: „Lebendig und unbeschwert“

- Die Künstlerin Monika Kampczyk im Interview -

Malen mit Rotwein

 

Malt mit Rotwein: Monika Kampczyk in ihrem Atelier

Malt mit Rotwein: Monika Kampczyk in ihrem Atelier

Oh Schreck, oh Schreck, ein Rotweinfleck... Was andere in blankes Entsetzen stürzt, wenn ihr weißes Lieblingshemd mit dem edlen Rebensaft besudelt wird, ist für die Künstlerin Monika Kampczyk eine Quelle der Inspiration. Die frühere Kinderärztin hat sich – neben ihrem vielfältigen anderen künstlerischen Schaffen, dem sie in ihrem Atelier im sächsischen Aue nachgeht – dem Malen mit Rotwein verschrieben. Vinorelle nennt sie ihre phantasievollen, teils abstrakt-schemenhaften, teils konturenreich-expressiven Rotweinbilder – die uns sehr gut gefallen! Grund genug, Monika mal ein paar Fragen zu stellen...

 

 

...tastes like Wine!: Wie bist Du auf die Idee gekommen, mit Rotwein zu malen? Angeheitert nach einer Flasche Rotwein? Oder ist Dir mal ein Glas umgefallen...

Monika Kampczyk: Rotwein macht bekanntlich Rotweinflecke. Und ich dachte mir, auf Papier könnte aus einem Ärgernis vielleicht etwas Spannendes werden. Die ersten Versuche waren vielversprechend, beflügelten zunächst meine Fantasie und führten dann zu umfangreichen Testserien.

Welcher Rotwein verhält sich wie auf welchem Papier, wie erhalte ich klare Konturen, wie weichere, mit welchem Schwung muss ich wieviel Wein schütten, wie muss ich das Papier bewegen, damit interessante Formen entstehen.

 

Was zeichnet denn Rotwein als künstlerisches Medium aus?

Die enthaltenen Farbstoffe färben sehr intensiv. Wenn man nicht zu sparsam schüttet, bilden sich auf dem Papier „Berge“, wo der Wein nur kurz färbt, und „Täler“, wo er lange zu Trocknen braucht. So entstehen aus einem Guss sehr lebendige Strukturen, teilweise mit leichten Glitzereffekten durch Weinstein. Wenn man dagegen mit dem Pinsel arbeitet, gehen diese Effekte verloren, auch das anregend Zufällige. Pinsel verwende ich nur zur Ergänzung von Details oder um mit Aquarellfarben oder Tusche kleine Akzente zu setzen.

Rotweinfleck ist nicht gleich Rotweinfleck, wie diese "Getränkekarte" eindrücklich zeigt.

Rotweinfleck ist nicht gleich Rotweinfleck, wie diese "Getränkekarte" eindrücklich zeigt.

 

Gibt es Rebsorten bzw. Rotweinsorten, die Du beim Malen Deiner Vinorelle bevorzugst?

Überraschend war für mich, dass man von der Intensität im Glas nicht auf die auf dem Papier schließen kann. Ein sehr kräftig gefärbter Rotwein kann enttäuschen, ein eher unscheinbarer entlockt gelegentlich ein „Wow“.

Gar nicht gehen liebliche Weine – das Vinorell klebt dann -, gerade gehen noch halbtrockene. Am besten sind trockene Rotweine, was zum Glück auch meinem persönlichen Trinkgeschmack entspricht.

 

Verwendest Du guten oder günstigen Rotwein? Wenn Du guten verwendest: Tut Dir das nicht manchmal leid?

Ich verwende den, den ich trinke, meistens günstigen Guten. Ich habe mir angewöhnt, in jeder Flasche einen kleinen Rest zu lassen. So habe ich immer ausreichend Malmittel zur Verfügung! Und kann je nach dem, welchen Farbton ich gerade bevorzuge – die Palette reicht von Rotnuancen bis hin zu Braun-, Lila- und Grautönen - aus den Resten schöpfen bzw. schütten. Und da man mit ½ Glas schon weit kommt, tut es mir nicht leid, gelegentlich auch edlere Tropfen zu verschütten.

Vinorelle

 

Was möchtest Du mit Deinen Vinorellen ausdrücken? Hast Du da ein Leitmotiv?

Weniger die Wahrheit, die im Wein ja liegen soll, mehr das Unbeschwerte, Lebensfrohe, Erheiternde. Immer ist auch ein hintersinniges Augenzwinkern dabei. Die Überraschung des Zufalls und die kreative Freude bei der kompositorischen Vervollkommnung halten sich die Waage.

 

Trinkst Du selbst gerne Wein oder malst Du lieber damit? Was ist Dein Lieblingswein?

Ja, ich trinke sehr gern Wein, und verwende ihn fast genauso gern als Malmittel.

Lieblingswein? Kann ich nicht sagen! Vielleicht der, den ich gerade trinke, ein 2011er Fitou?

Malen mit Rotwein

 

Vielen Dank, Monika, für das aufschlussreiche Interview!

Hat sich Malen mit Rotwein zuvor noch irgendwie lustig angehört, zeigen Monika Kampczyk's Ausführungen und natürlich ihre Bilder, dass der Rotwein tatsächlich einen spannenden, künstlerischen Raum öffnet. Tucholsky hätte sicher seine Freude daran: die Vinorelle kann man bestimmt wunderbar streicheln - ob Monika das gefällt, ist wohl eine andere Frage...

Wer mehr über die Künstlerin und ihre Vinorelle erfahren möchte: Hier geht’s zur Webseite von Monika Kampczyk, auf der noch viele weitere Rotwein-Bilder zu sehen sind.

 

Alle Bilder: Monika Kampczyk