Lecker Wein vom Weingut für rund 3 Euro

Cabernet Mitos

Wie man unschwer erkennen kann, ein Cabernet Mitos.

Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Man darf nur nicht auf das Gerede ala ‘Man kriegt keinen guten Wein unter 5 oder 10 Euro’ hören. Papperlapapp! Das gilt vielleicht für tatsächliche oder selbsternannte Weinexpert*innen mit hochgezüchteten Geschmacksnerven. Aber als normaler Mensch (was auch immer das sein soll…aber Ihr wisst, was ich meine) möchte man ja nicht immer den Wein im Glas analysieren, sondern manchmal auch einfach nur trinken und daran möglichst Gefallen finden. Und zudem gibt’s Gelegenheiten genug, zu denen es nicht zwingend das ominöse Große Gewächs sein muss, das vielen ohnehin höchst selten begegnen wird, wenn überhaupt. Ein netter Abend und dazu einen netten Wein, Punkt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir haben – über Umwege – einen sehr sympathischen Rotwein gefunden, der für höchst attraktive 3,20 Euro den*die Besitzer*in wechselt. Ein trockener Cabernet Mitos, Jahrgang 2014, von der Weinmanufaktur Möbus in Siefersheim/Rheinhessen. Wer hier aufmerksam unsere Beiträge verfolgt, der*die dürfte der Name vielleicht noch bekannt vorkommen. Auf unserem Betriebsausflug zur RegioWein-Messe in Mainz haben wir einige Weine ebendieses Weinguts (das sich Weinmanufaktur nennt, weil es noch ein anderes Weingut mit ähnlichem Namen im kleinen Örtchen gibt) durch unsere durstigen Kehlen laufen lassen. Die Weine waren alle frisch abgefüllt, nicht schlecht (z.B. der Grauburgunder), haben uns teilweise aber auch nicht umgehauen. Einen Wein fanden wir dabei interessant: den Cabernet Mitos. Der war erstmal ganz lecker, dabei aber auch speziell und entwickelte dann leider eine Bitternote, die es irgendwie versaut hat. Aber Möbus meinte, das liege daran, dass der Wein noch recht jung sei – nach Ostern sei die Bitternote verschwunden. Als alte Forschernaturen wollten wir das natürlich zu gegebener Zeit überprüfen und haben uns dann ein Fläschchen mitgenommen – an das wir zugegebenermaßen keine großen Erwartungen geknüpft haben, erst recht nicht, seitdem uns die rheinhessische Winzerin Susanne Schick (sehr nettes Weingut!) darüber aufgeklärt hat, dass man einen Cabernet Mitos so jung doch nicht in den Verkauf bringen dürfe…das könne doch nichts werden. Ein Cabernet Mitos brauche seine Zeit…

Cabernet Mitos

Sieht man auch selten: Rotwein in der hellen Glasflasche…

So sehr wir Susanne und ihre Weine schätzen, in diesem Punkt hat sie geirrt (wobei sie freilich grundsätzlich Recht haben dürfte) und der gute Möbus Recht behalten. Nach dem erwartungsarmen und leidenschaftslosen Öffnen der Flasche (Korken) waren wir richtig baff, wie sich dieser Wein entwickelt hat: sehr beeriger Duft, der Lust auf mehr macht und v.a.: nix Bitteres mehr, nur noch ein leckeres, rundes, fast schon sämiges Tröpfchen, das an flüssig gerührte Johannisbeermarmelade erinnert, der man einen guten Schuss verpasst hat. (Seit dem Interview mit Axel Schmitt hat “marmeladig” irgendwie seine Unschuld verloren…aber hey: Marmelade ist doch lecker…man muss sie ja nicht jeden Tag zu sich nehmen, da machts die Abwechslung) Klar, hat ne leicht säuerliche Note, die aber ganz gut eingebunden ist und stimmig wirkt. (dazu gibt’s ne nachträgliche Anmerkung, siehe unten)

Dieser Cabernet Mitos ist sogar im Holzfass gereift (wenn auch nur kurze Zeit), was ihm offensichtlich gut getan hat, obwohl oder vielleicht gerade weil kaum holzige Aromen präsent sind. Trotz seiner 13,5 Umdrehungen macht dieser tiefdunkle Rotwein der Weinmanufaktur Möbus keinen schweren Eindruck – was man jetzt nicht mit geschmacklos verwechseln sollte! Hat jetzt auch nicht den Mordsabgang, schwächelt aber auch nicht auf halbem Wege… Ist jetzt nicht das ganz große Kino, aber wir würden sagen, das ist ein toller, mittelschwerer Alltagswein, den man nicht verstecken muss – auch wenn das Flaschendesign ruhig mal aufgefrischt werden könnte. Aber sei’s drum…bei 3,20 Euro stellt man solche Fragen nicht! Die Freude über diesen Cabernet Mitos ist umso größer, weil wir das überhaupt nicht erwartet haben, kein Stück. Solch ein intensiv fruchtiger, gehaltvoller Rotwein für drei Silberstücke ist schon bemerkenswert – v.a. wenn es sich nicht um einen Supermarktverschnitt, sondern einen Weinguts-Tropfen handelt.

Wenn Ihr Euch mal nach Rheinhessen bzw. nach Siefersheim verirren solltet: schaut mal bei der Weinmanufaktur Möbus rein. Und so wie wir den Winzer kennen gelernt haben, erzählt er sicher auch gerne was zu seinen Weinen… (bestellen kann man den Wein sicher auch, muss man halt anrufen…)

Mehr Infos zur Weinmanufaktur Möbus in Siefersheim gibt’s hier.

 

Nachtrag

Am besten die Flasche nach dem Öffnen noch am selben Tag trinken. Wir haben das nicht komplett getan und bereits ein Tag später sind deutliche Essig-Tendenzen aufgetreten, wie das häufiger der Fall ist bei günstigeren Rotweinen.