Hot: Wein und Weinbau in Australien

Weinbau Australien

Wegweiser eines Weinguts im australischen Hunter Valley

Australien ist ein schönes Land. Und ziiiemlich weit weg (was sicher zu der Faszination beiträgt, die von Australien ausgeht). Aber der Kontinent hat mehr zu bieten als boxende Kängurus und verschlafene Koalabären: Wein gibt’s da auch und zwar jede Menge. Nachdem wir an dieser Stelle nun schon zwei australische Shiraz hochprofessionell verkostet haben, wird es Zeit, die Weinbrille aufzusetzen und uns mit geschärftem Blick einmal genauer der Weinlandschaft Down Unders zu widmen.

Wer sich mit richtigen Weinliebhaber*innen unterhält, wird häufig hören, dass sie Weine aus „Übersee“ eher schmähen – teils aus geschmacklichen Gründen, teils begründet mit einer fehlenden Notwendigkeit, denn schließlich gedeihen in Europas Weinregionen unzählige Rebsorten, aus denen wunderbare Weine hergestellt werden – australischem Wein soll die Eigenständigkeit fehlen. Da ist es schon auch ein bisschen verrückt und auch nicht gerade ökologisch, Wein um die halbe Welt zu schicken. Andererseits haben australische Weine auch eine große Fangemeinde, die sich v.a. unter jenen Weintrinker*innen rekrutiert, deren Geschmack besonders die mächtigen, schweren Tropfen treffen. Dies soll uns hier aber nicht weiter interessieren und wir werden versuchen, einen vorurteilsfreien Blick auf Wein und Weinanbau in Australien zu werfen.

Weinbau in Australien: funktioniert nicht überall…

AustralienAustralien ist riesig: Auf die kaum vorstellbare Fläche von knapp 7,7 Millionen Quadratkilometer verteilen sich gerade mal 23 Millionen Menschen (zum Vergleich: Deutschland kommt auf rund 350.000 km² bei 81 Mio. Einwohner*innen). Viel Platz, um Wein anzubauen, könnte man meinen, aber dem ist nicht so. Große Teile des Kontinents, besonders die zentralen und westlichen Regionen, sind Wüste und wüstenähnliche Landschaften – das sog. Outback. Hier wohnen keine oder nur kaum Menschen und für Landwirtschaft oder gar Weinbau ist es viel zu heiß und trocken – einige Küstengebiete und höhere gelegene Regionen ausgenommen.

Im tropischen Norden herrschen ebenfalls Bedingungen, die die Hege und Pflege eines Weinbergs zu einer eher unproduktiven und deprimierenden Angelegenheit machen würden. Das Northern Territory ist auch das einzige der vier großen Territorien Australiens, in dem überhaupt kein Wein angebaut wird bzw. werden kann. Die Gebiete, in denen Weinbau in Australien möglich ist, sind also vergleichsweise begrenzt.

Schon besser bis richtig gut dagegen funktioniert der Weinbau in Australien im Süden und Südosten, der sich durch ein eher gemäßigtes Klima auszeichnet. Hier fühlen sich nicht nur die Menschen wohler, sondern auch der Wein, auch wenn bisweilen kräftig gewässert werden muss.

Wein Australien

Weinbau in Australien: Die australischen Weinregionen

Auch wenn in drei der vier australischen Territorien Wein angebaut wird, stammt das Gros der Produktion aus genannten Gründen aus dem Süden und Südosten. Schon seit dem 18. Jahrhundert werden hier Weinberge angelegt. Eine der ältesten und international am bekanntesten australischen Weinregionen ist das im Süden gelegene Barossa Valley (der größte Weinproduzent ist hier übrigens Wolf Blass, der zum Marktriesen Treasury Wine Estates gehört und dessen Shiraz wir auch mal probiert haben). Während bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts die Weinproduktion hauptsächlich den heimischen Markt bediente, hat sich australischer Wein in den letzten Jahrzehnten – und in schwankendem Ausmaß – zum Exportschlager entwickelt.

Wein Australien

Barossa Valley

Weinbau in Australien: Shiraz und Chardonnay sind die beliebtesten Rebsorten

Auf rund 180.000 Hektar Fläche wird in Australien Wein angebaut – zum Vergleich: Deutschland kommt auf 102.000 ha, Spanien auf über eine Million ha. Rund 140 Rebsorten sollen in Australien angebaut werden, allerdings kommt nur zwei bis drei Dutzend eine wirkliche Bedeutung zu. Die im australischen Weinbau wichtigsten Rebsorten sind Shiraz, Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Merlot und Sauvignon Blanc. Die verbreitetsten roten Rebsorten sind (in dieser Reihenfolge): Shiraz, Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinot Noir (Spätburgunder) – die wichtigsten weißen Rebsorten: Chardonnay, Sauvignon Blanc, Sémillon, Muscat Gordo Blanco, Colombard, Pinot Gris (Grauburgunder) und – wer hätte das gedacht – Riesling. Mit fast 60 Prozent sind im Weinbau in Australien vorwiegend rote Rebsorten vertreten, weiße Rebsorten kommen auf etwa 40 Prozent.

Weinbau Australien

Hunter Valley

2014 lag Australien mit einer Weinproduktion von rund 12,5 Millionen Hektoliter weltweit an sechster Stelle – die produzierte Weinmenge hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugelegt, was nicht bei allen großen Weinbau-Ländern der Fall war. Die im vergangenen Jahr exportierte Weinmenge belief sich auf rund 700 Millionen Liter, womit der Weinexport aus Australien erstmals seit 2007 wieder zulegte.

Weinbau Australien

Weinberg im Hunter valley

2.500 Weingüter soll es in Australien geben (Stand: 2013), bei den meisten handelt es sich um kleinere Betriebe. Wenn wir allerdings hier in Deutschland bspw. einen australischen Shiraz aus dem Supermarktregal ziehen, stammt der mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem der größeren Weingüter, die den dortigen Markt dominieren: Allein die fünf größten Weinproduzenten (Accolade Wines, Australian Vintage, Casella Wines, Premium Wine Brands und Treasury Wine Estates) sollen 50 Prozent des australischen Weinmarktes ausmachen. Schaue man sich die 20 größten Hersteller an, komme man gar auf einen Wert von 75 Prozent, so die NZZ mit Verweis auf das australische Informationsportal Winebiz (Stand: 2013).

Und um es erwähnt zu haben: Auch im Australien zugehörigen Tasmanien wird Wein angebaut.

Weinberg Australien

Teilweise verrückte Zustände

Während sich die höherpreisigen australischen Tropfen im eigenen Land mittlerweile einer stärkeren Nachfrage erfreuen, befinden sich die Preise für Massenweine im Sturzflug – es sei schon fast normal, dass Wein im Supermarkt günstiger zu haben sei als eine Flasche Wasser, berichtete Anfang des Jahres die BBC (hier geht’s zum entsprechenden …tlW-Artikel). Ob diese Weine schmecken oder Ihr Euch besser das teure Wasser kaufen solltet? Wir wissen es nicht…

 

Quellen: wikipedia.de/.org, yoopress.com, nzz.ch

Bildernachweise in auftretender Reihenfolge:

eGuide Travel/CC BY 2.0 , Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Hunter_Valley_wine#/media/File:Hunter_Valley_cellar_door.jpg

75law/CC BY 2.0 , Quelle: https://www.flickr.com/photos/[email protected]/3551598776/

Froggydarb/CC BY-SA 3.0 , Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Weinbau_in_Australien#/media/File:Australian_wine_zones2.png

Louis Roving/CC BY 2.0 , Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Barossa_Valley_(wine)#/media/File:Barossa_Valley_South_Australia.jpg

Mfunnell/CC BY-SA 3.0 , Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Weinbau_in_Australien#/media/File:Hunter_panorama-1b-web-l.jpg

F Delventhal/CC BY 2.0 , Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Hunter_Valley_wine#/media/File:Hunter_Valley_Means_Vineyards.jpg

 

 

3 Kommentare

  • EC sagt:

    Schöner Artikel! Australische Weine sind schon auch was Feines und es gibt nicht nur die Blockbuster, für die der Kontinent hier bekannt ist. Einer der besten Rieslinge, die ich jemals getrunken war ein Seppelt Drumborg Riesling.
    Aber hier konzentriere ich mich lieber auf die Weine in der erreichbaren Umgebung, das ist in meinem Fall D, A, I. Da gibt es so viele eigenständige und schöne Sachen, da wird mein Leben nicht ausreichen, die alle zu probieren. Und um mich nicht zu sehr zu verzetteln, beschränke ich mich hier eben im Wesentlichen auf die genannten Länder. Was aber nicht heißt, daß ich eine geschenkte Flasche z.B. des o.g. Rieslings verschmähen würde.
    Wenn ich aber mal wieder Sydney bin, dann wird dort wieder die Weinkarte rauf und runter probiert. Die besten Sachen behalten die Aussies nämlich eh‘ für sich bzw. es ist gar nicht so einfach, die hier zu bekommen.

  • sb sagt:

    Hehe, wer verschmäht schon eine geschenkte Flasche 🙂
    Einen australischen Riesling habe ich noch nie getunken…gibt es da signifikante geschmackliche Unterschiede?
    Ja, direkt vor Ort zu sein und dort Weine zu probieren, ist natürlich die beste Variante.
    Und – ein wahres Wort: Das Leben ist wirklich viel zu kurz, um alle Schätze zu erkunden…

  • EC sagt:

    Zumindest der Seppelt Riesling hat mich damals aufgrund des sehr intensiven Aromas nach Orangenzesten beeindruckt. Insgesamt war er auf der Aromaseite recht gehaltvoll, deutliche Mineralik, dabei unglaublich geschmeidig und elegant mit einer einzigartigen Säurestruktur. Wie typisch er nun für australische Rieslinge ist bzw. war, weiß ich allerdings nicht, war mein einziger Versuch. Zumal Riesling ja mit dem Terroir sehr wandlungsfähig ist. Aber es war auf jeden Fall keine Wuchtbrumme, was viele ja mit australischem Wein gleichsetzen.

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