Elektroautos vs. Wein

Elektroautos WAVE

Der Stilfserjochpass in Südtirol

Preisfrage: Was haben Elektroautos und Wein gemeinsam?

Aber von vorn… Als freier Redakteur habe ich in der vergangenen Woche für das Branchenportal eMobilitätOnline.de zwei Tage an der WAVE Trophy teilgenommen, der größten Elektroauto-Rallye der Welt. Was das mit Wein zu tun hat? Nix (sorry, gibt keinen Preis, wenn Du die Frage eingangs richtig beantwortet hast). Aber eine spannende Sache, die vielleicht trotzdem bei einigen unserer geschätzten Leser*innen auf Interesse stößt. Und außerdem kann ich hier ja schreiben, was ich will, also nutze ich einmal die Gelegenheit, ein anderes interessantes Thema anzuschneiden.

Elektromobilität und vor allem Elektroautos gelten als aussichtsreiche alternative Mobilitätsformen der Zukunft und werden aktuell ebenso stark gehypet wie kritisch diskutiert. Über die Anlaufschwierigkeiten muss ich hier wahrscheinlich nicht viel erzählen, schließlich ist es bekannt, dass Elektroautos v.a. aufgrund ihrer hohen Anschaffungspreise und ihrer aktuell noch begrenzten Reichweite nur sehr schleppend Absatz finden. Zum Jahreswechsel waren in Deutschland knapp 19.000 reine Elektroautos zugelassen, rechnet man Plug-in-Hybride (Hybridfahrzeuge mit größerer Batteriekapazität und externer Lademöglichkeit) hinzu, erhöht sich die Zahl noch um ein paar tausend weitere Fahrzeuge. Bei einem Fahrzeugbestand von rund 44,4 Millionen PKW’s zu diesem Zeitpunkt ist das alles noch, sagen wir mal: recht überschaubar. Während die hohen Kaufpreise (die sich v.a. auf die noch sehr teuren Akkupacks zurückführen lassen) tatsächlich für viele Menschen eine Hürde darstellen, verhält es sich mit der durchschnittlich zur Verfügung stehenden Reichweite aktueller Elektroautos nicht ganz so eindeutig. Klar, wer viel beruflich unterwegs ist und dabei lange Strecken zurücklegen muss, kann – wenn überhaupt – höchstens auf einen teuren Tesla zurückgreifen. Aber es gibt zahlreiche Untersuchungen, die aufzeigen, dass die durchschnittliche Tagesfahrleistung von PKWs in Deutschland bei rund 40 Kilometer liegt (davon, dass die meisten Fahrzeuge eigentlich die meiste Zeit “Standzeuge” sind und viele weitere Mobilitäts- und Sharingvarianten angedacht werden könnten, wollen wir in diesem Artikel mal nicht sprechen) – also kein Problem für ein Elektroauto. Und dass Elektroautos auch lange Strecken schaffen und alltagstauglich sind – jetzt kommen wir endlich zum Thema -, ist eines der zentralen Anliegen der WAVE Trophy. Bei dieser Elektroauto-Rallye stehen keine schnellen Rundenzeiten o.ä. im Vordergrund, vielmehr handelt es sich um eine große Elektromobilitäts-Promotour, die öffentlichkeitswirksam beweisen will, dass E-Autos und andere Emobile funktionieren und auch Spaß machen.

Und es macht wirklich Spaß, ein Elektroauto zu fahren (das im Übrigen allenortens auf reges Interesse stößt, die Promogeschichte funktioniert also). Rund 90 Teams waren bei der diesjährigen WAVE am Start: vom E-Bike über einen umgerüsteten Elektro-Trabi bis hin zu den aktuellen Serien-Elektrofahrzeugen der großen Automobilhersteller (mittlerweile gibt’s ja schon so etwas wie eine kleine Auswahl). In 8 Tagen wurden rund 2.500 Kilometer zurückgelegt – vom Start im sächsischen Plauen bis zum Ziel in St. Gallen/Schweiz. Ich hatte das Glück, die schönsten Etappen der Tour mitzufahren: durch Graubünden und Südtirol, wo der höchste Bergpass Italiens (Stilfserjochpass/2.757m) erklommen bzw. erfahren werden musste, bis zum Ziel in St. Gallen.

Berge waren also angesagt. Was mit einem Elektroauto tatsächlich eine kleine bis große Herausforderung darstellt. Ebenso wie bei hohen Geschwindigkeiten reduziert sich bei steilen Anstiegen die Akkukapazität drastisch. Und die Berge waren steil, schmale Serpentinen, die auch unter gewohnten Umständen nicht sonderlich schnell befahren werden können. Unterwegs war ich, meist als Beifahrer, teils aber auch hinter dem Steuer, mit einem umgerüsteten Porsche 911. Der Besitzer hatte das Fahrzeug mit Motorschaden vergleichsweise günstig erworben und kurzerhand einen Elektroantrieb eingebaut: 70 kW Elektromotor, 30 kWh Lithium-Ionen-Akku, Lader usw. – Umbaukosten: rund 20.000 Euro.

Hinsichtlich der Leistungsdaten bewegt sich der E-Porsche somit im guten oberen Mittelfeld dessen, was heute serienmäßig angeboten wird. Auf meist ebener Strecke lässt sich so mit voller Batterie rund 200 Kilometer zurücklegen, wenn die mögliche Spitzengeschwindigkeit des Elektroumbaus von aktuell bis zu 190 km/h nicht ausgereizt wird. An 200 Kilometer Reichweite war in den Alpen natürlich nicht zu denken, entsprechend betrugen die Etappenlängen auf solchen Strecken zwischen 40 und 100 Kilometern, die meist bei gemächlichem Tempo zurückgelegt wurden. Aber es gab auch einige Eigenumbauten und Serien-Elektroautos (v.a. die Teslas), die sich dank ihrer großzügig dimensionierten Akkus entspannt durch die Bergwelt kutschieren ließen (übrigens wurde auf der WAVE, freilich nicht in den Alpen, der aktuelle Reichweiten-Weltrekord aufgestellt: 826 Kilometer ohne Ladestopp, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 76 km/h – ein umgebauter Madzda 5 mit 108 kWh Akku eines slowenischen Teams). Nach jeder Etappe war dann gemütliches Laden und Kaffeetrinken angesagt. Eine entschleunigte Art der Fortbewegung, aber sie funktioniert.

Das Schöne am Bergauffahren mit einem Elektroauto ist: bergab muss man sich keine Gedanken mehr über den Energieverbrauch machen! Mit lockerem Gaspedal kann nun auch sportlichen Ambitionen nachgegangen werden (selbstverständlich in verantwortungsbewußtem Rahmen, was denkt ihr denn) und der Akku füllt sich langsam wieder. Verantwortlich dafür ist die sog. Rekuperation, die die Bremsenergie umwandelt und wieder in die Batterie einspeist. In unserem Falle waren es nach der rund 30 Kilometer langen Abfahrt vom Stilfserjoch ganze 15 Prozent mehr auf der Akkukapazitätsanzeige! Klar kompensiert das nicht den vorhergegangenen Verbrauch, aber es ist schon ein wenig beeindruckend und führt zu deutlich mehr Fahrspaß. Ebenso beeindruckend ist, wenn, wie in unserem Fall, die Rekuperation derart mit dem Gaspedal verbunden und eingestellt ist, dass faktisch nicht gebremst werden muss – auf der kompletten Auf- und Abfahrt nicht einmal, ließ sich alles wunderbar mit dem Gaspedal regulieren und die “Motorbremse” leistete gute Arbeit . Ziemlich cool.

Tja, da ist im Anschluss der Umstieg auf den “normalen” Verbrenner irgendwie merkwürdig: man muss schalten, bremsen und macht Krach. Falls Ihr noch nie ein Elektroauto gefahren seid: es ist schon abgefahren, dass diese Fahrzeuge beim Starten und Anfahren wirklich nicht den kleinsten Laut von sich geben – weder im Auto, noch draussen. Es lässt sich sicher viel über Sinn und Unsinn der Elektromobilität streiten und an dieser Stelle soll kein weiteres Fass aufgemacht werden. Dennoch finde ich persönlich, dass es trotz einiger kritischer Punkte durchaus gewichtige Argumente für diesen alternativen, lautlosen und lokal emissionsfreien Antrieb gibt, der im Übrigen nicht nur in Elektroautos, sondern bspw. auch in Rollern und v.a. in ÖPNV-Bussen eingesetzt werden kann.

Sind Elektroautos jetzt die Zukunft? Die Politik beantwortet die Frage halbherzig mit ja: Nach dem Willen der Bundesregierung sollen bis 2020 eine Million Elektroautos (inkl. Plug-ins) in Deutschland unterwegs sein (den aktuellen Bestand habe ich ja oben erwähnt). Die meisten der sog. Expert*innen sind sich einig, dass dies nicht ohne direkte Fördermaßnahmen zu erreichen ist – was die Regierung bisher ablehnt. Und dann gibt’s ja auch noch die Brennstoffzellenautos, die auch unter dem Label Elektromobilität laufen – the next big thing, das allerdings zahlenmäßig und infrastrukturell aktuell eine noch viel unbedeutendere Rolle spielt. Bleibt also spannend. Und sollte eigentlich gar nicht Thema sein…eigentlich wollte ich nur erzählen: Elektroauto fahren macht Spaß – probierts mal aus!

 

Und hier noch ein Verweis auf eine Kooperationspartnerin: Wenn Du aktuell mit dem Gedanken spielst, ein Auto zu kaufen, kannst Du einen Blick auf die Seite www.autokaufonline.com werfen, die Tipps und Tricks zum Autokauf liefert.

Alle Bilder: …tastes like Wine!