Der angekündigte Tod des Online-Weinhandels…

Amazon Wein

Amazon-Versandzentrum in Leipzig.

Die meisten Leute kaufen ihren Wein im Discounter oder Supermarkt, aber der Online-Weinhandel wird immer beliebter. Unzählige große und v.a. kleinere Wein-Shops finden sich mittlerweile in den unendlichen Weiten des Internets. Trotzdem sagen Expert*innen, dass rund 90 Prozent der reinen Online-Weinhändler*innen die kommenden Jahre nicht überleben werden – in wirtschaftlicher Hinsicht versteht sich. Wie kann das sein?

Tja, es soll wohl so laufen wie so oft: Wenige große Marken und Vertriebe machen sich breit und verdrängen die kleinen. Ein Blick in die Innenstädte und Fußgängerzonen dürfte genügen, um diesen Trend bestätigt zu sehen. Speziell auf den Online-Weinhandel bezogen wird v.a. das steigende Engagement von Amazon als ausschlaggebend erachtet. Kennt man ja: Alle schimpfen über Google, Amazon und Co, aber trotzdem nutzt es so gut wie jede*r.

Online-Weinhandel wird sich auf wenige Unternehmen konzentrieren

Die 90 Prozent-Ankündigung stammt übrigens von Dr. Kai Hudetz, Direktor am Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln, die in ihrer Tendenz auch von anderen getelt wird, z.B. von Nikolas von Haugwitz, Vorstandsmitglied von Hawesko, einem der größten Weinhändler Europas (zu dem bspw. hawesko.de, Jacques’ Wein-Depot, tvino.de und Wein und Vinos gehören). Seine Prognose, nach der 70 bis 80 Prozent der reinen Online-Weinhändler*innen vom Markt verschwinden werden, gibt zumindest ein paar mehr Shops eine Überlebenschance, bleibt aber in der Grundaussage gleich..

Achso, Amazon…was haben die mit Wein zu tun? Nichts im Speziellen, aber die verkaufen eben fast alles. Und künftig auch verstärkt Lebensmittel (und damit auch Wein) mit ihrem neuen (noch nicht gestarteten) Lieferdienst Amazon Fresh. Darüber will der Versandhändler in Großstäden seine Kund*innen noch am selben Tag der Bestellung beliefern – perspektivisch werde sogar die Lieferung innerhalb einer Stunde angestrebt. Da kann natürlich kein kleiner Online-Weinshop mithalten. Zwar bestehe noch der “Ausweg”, das Wein-Sortiment ebenfalls über Amazon zu vertreiben, was durchaus erfolgreich sein könne. Dennoch sei das gefährlich, weil der Konzern seine Monopolstellung wahrscheinlich dafür nutze, die ohnehin schon zweistelligen Verkaufsbeteiligungen mit der Zeit zu erhöhen.

Auch der stationäre Weinhandel bekommt weiter Druck von Aldi, Lidl, Rewe und Edeka

Zur Veranschaulichung der Marktposition: 2013 hat Amazon einen weltweiten Umsatz von über 75 Milliarden Dollar gemacht – wovon alleine 10,5 Mrd. Dollar auf Deutschland entfallen sind, dem wichtigsten Markt nach den USA für Amazon. Nur wenige Firmen haben ausreichend Geld, um in Technologien und Strategien zu investieren, die ihre Reichweite im Internet deutlich erhöhen.

Wer sind nun die 10 bis 20 Prozent, die, sollte sich die Prophezeiung erfüllen, in wenigen Jahren übrig bleiben? Neben den paar großen Weinhandels-Gesellschaften werden v.a. (kleineren) Spezialanbietern die größten Chancen eingeräumt. Zudem sollte sich kleine und mittlere Online-Weinhandel verstärkt auf seine Stammkundschaft besinnen und durch einen besseren Service punkten. Zuschlechterletzt soll der klassische Weinhandel vor Ort nicht von dieser Entwicklung profitieren: Hier sollen rund 70 Prozent dem härter werdenden Wetbewerb erliegen, sofern es nicht gelinge, neue Konzepte zu entwickeln. Rosige Aussichten also für Aldi, Lidl und Co, die ihr Weinsortiment stetig ausbauen…

Quelle: handelsblatt.com

Bild: Medien-gbr/CC BY-SA 3.0 , Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Amazon.com#/media/File:Amazon.de_Versandhaus_Leipzig.jpg