Das YouWine-Interview Teil 2 – Vom Pecorino bis zum Tetrapack

Torsten und Ina vom neuen Online-Weinshop YouWine haben uns besucht und wir haben Wein getrunken und uns dabei die Sonne auf die Bäuche scheinen lassen. Zwischen den einzelnen Schlücken wurde auch ein wenig geredet...hier nun der zweite Teil.

>>> Hier gehts zum YouWine Interview Teil 1 <<<

Angelucci Leonate Pecorino d’Abruzzo IGP trocken 2013

Angelucci Leonate Pecorino d’Abruzzo IGP trocken 2013

Und endlich: Das YouWine-Mitbringsel wird eingeschenkt. Ein Pecorino des Weinguts Angelucci aus den Abruzzen/Italien. Pecorino ist in diesem Fall kein Schafskäse, sondern eine hierzulande noch recht unbekannte Rebsorte. Der Angelucci Leonate Pecorino riecht wirklich sehr interessant: eine leichte Ahnung von tropischen Früchten, mittelschwer, aber doch irgendwie füllig - wir sind gespannt. Und tatsächlich: der Leonate Pecorino hat von Angelucci wirklich eine bemerkenswerte Fruchtnote, viel intensiver, als es das Bouquet vermuten lässt. Keine Bombe, die sofort explodiert - der Pecorino macht sich langsam breit und entfaltet sein Aroma verzögert, dafür aber prächtig, wie wir finden. Er liegt recht schwer auf der Zunge und denkt auch gar nicht daran, nach dem Schlucken geschmacklich zu verschwinden. Die Fruchtaromen harmonieren zudem wunderbar mit der von uns als angenehm empfundenen, nicht auf überaus spritzig getrimmten und ebenfalls verzögert zum Vorschein kommenden Säure und eine leicht würzige Note am Gaumen tut ihr übriges, um uns von diesem italienischen Weißwein zu überzeugen. Ist was für Freund*innen des Sauvignon Blanc, wie wir finden, auch wenn er einen eigenen Charakter hat. Der Angelucci Leonate Pecorino hat trotz seiner 13 Volumenprozent Alkohol – dieser Wein hat sicher viel Sonne gesehen - einen schönen Trinkfluss...und nach gar nicht allzu langer Zeit ist die Flasche leer. 13,90 € kostet der Spaß übrigens.

Warum habt Ihr uns gerade diesen Wein mitgebracht?

Ina YouWine: "Pecorino ist eine autochtone Rebsorte aus den Abruzzen und aus Marken [auch ein italienisches Weinbaugebiet – Anm. TLW], die gerade im Kommen ist. Die ist noch recht unbekannt – wenn man etwas aus den Abruzzen kennt, ist das meist Montepulciano d'Abruzzo. Aber so langsam macht sich die Region auch einen Namen mit dem Pecorino."

Torsten YouWine: "Das ist ein schöner Wein, den man zu vielen Gelegenheiten trinken kann: auf der Terrasse, zum Essen, den kann man super kombinieren..."

Ina YouWine: "Wir hatten den auch schon zu Pecorino-Schafskäse, hat auch sehr gut gepasst."

Wie viele Weine habt Ihr eigentlich im Programm?

Torsten YouWine: "Im Moment sind es etwas über 100, wir haben aber noch nicht alle eingepflegt. Da kommen eigentlich jeden Tag welche dazu. Und dann gibt es noch unsere Weinpakete."

Habt Ihr alle Weine auf Lager oder wie funktioniert das?

Torsten YouWine: "Ja natürlich, wir haben alle Weine vorrätig und optimal gelagert."

Und noch ne blöde Frage: Läuft das auf Kommission oder müsst Ihr bspw. 200 Flaschen eines bestimmten Weines, der sich nicht verkauft, dann selbst trinken?

Ina YouWine: "Das meiste läuft nicht auf Kommission, aber das kommt auf den Lieferanten an."

Torsten YouWine: "Das ist natürlich immer das Risiko, das du als Händler hast, wenn du dir ein Lager anlegst. Aber das ist eben auch eine klassische Händlerfunktion, ein Lager zu haben, um gemischte Pakte und sowas anbieten zu können und auch die Logistik selbst in der Hand zu haben. Dass wir jede Bestellung schnell abwickeln können, ist uns sehr wichtig. Es gibt ja auch andere, wie Vicampo, die nur eine Plattform bieten und direkt von Winzern verschicken lassen. Aber das wollten wir nicht, weil das viele Winzer belastet, wie wir in Gesprächen herausgefunden haben. Die haben da relativ viel Arbeit mit: Kartons packen und andere Auflagen beachten und dann die Weine selbst ins System einpflegen. Wir sind klassische Händler und die Weingüter haben mit uns keine Probleme, das begrüßen auch viele."

Macht Ihr eigene Preise, müsst ihr bei Preissenkungen anderer immer mitgehen oder wie macht Ihr das?

Torsten YouWine: "Ja, das ist ein großes Thema. Wir versuchen, zu Ab-Hof-Preisen zu verkaufen. Aber es kommt immer ganz darauf an, wie die Weine distribuiert sind. Es gibt Weingüter, die achten darauf, dass jeder Weinhändler ihre Weine ein paar Cent teurer anbietet als Ab-Hof. Und wenn der Preis eines Weines von irgendeinem Anbieter schon kaputtgemacht wurde, dann nehmen wir solch einen Wein von vorneherein nicht auf – den können die dann alleine verkaufen."

Ina YouWine: "Sowas ist ja auch nicht nachhaltig. Dann kommt der nächste und unterbietet dich wieder und dann musst du wieder nachziehen...und am Ende bleibt nichts mehr übrig. Dann haben auch die Winzer keine Lust mehr, sich anzustrengen."

YouWine

Torsten und Ina von YouWine

Wo sagt Ihr, dass man unter normalen Umständen preislich bei einem Wein beginnen kann, also ein vernünftiger, für das Weingut wirtschaftlicher Preis?

Ina YouWine: "Hm, du musst den Korken berechnen, die Flasche, das Etikett....und natürlich deine Arbeitszeit, die Angestellten und was sonst noch notwendig ist, wie Marketing. Das ist nun je nach Region unterschiedlich, aber die Weinwirtschaftsschule Oppenheim sagt bspw., dass du mindestens 3,99 Euro pro Flasche brauchst, um alle Kosten abzudecken. Also, wenn du "normal" produzierst, mit Vollernter und Co. Wenn du jetzt viel Arbeit reinsteckst oder biologisch arbeiten willst, dann steigen die Preise natürlich."

Torsten YouWine: "Stimmt. Das ist einfach stark abhängig davon, wie du produzierst. Wenn du in großem Maßstab industriell arbeitest, kannst du die Preise stark drücken. Deswegen gibts ja auch die ganzen 1,99 Euro Weine beim Discounter – die wir auch schon getrunken haben ohne zu erblinden. Die sind sauber gemacht und können gute Weine für eine Weinschorle sein. Aber das ist eben die Frage: willst du traditionelles Winzerhandwerk oder industriell hergestellten Wein? Das sind zwei Paar Schuhe..."

Ina YouWine: "Das ist schwierig zu kommunizieren. Man kennt ja vielleicht die einfachen Fragen aus der Verwandschaft oder dem Freundeskreis: Was ist denn ein guter Wein? Oder: Wann ist ein Wein gut? Das kann man schwer beantworten..."

Torsten YouWine: "Oder die Frage: Warum ist denn der Wein so teuer? Ja, gut, da kannst du Romane drüber schreiben, die Frage kannst du nicht wirklich beantworten."

Ina YouWine: "Natürlich muss ein Opus One [einer der teuersten Weine der Welt aus Kalifornien; Anm. TLW] nicht so viel kosten wie er kostet – da bezahlst du das Prestige, die Marke. Aber wenn ich einem Moselwinzer für die Steillagenbewirtschaftung per Hand 13 Euro die Flasche gebe, dann weiß ich auch warum."

Es gibt ja mittlerweile noch ein paar andere "jüngere" Anbieter, wie Geile Weine oder Tvino. Ist das Eure direkte Konkurrenz?

Ina YouWine: "Konkurrenz auf jeden Fall, kann man schon sagen. Aber Geile Weine spricht eine ganz bestimmte Zielgruppe an, Tvino auch. Wir sprechen nochmal eine andere Zielgruppe an: Erstens sind wir altersmäßig ein bisschen breiter aufgestellt als Geile Weine, zweitens haben wir das Genussthema mit drin."

Ach, wir dachten, Ihr zielt auch auf eine jüngere Zielgruppe...

Torsten YouWine: "Ja, schon auf eine jüngere Zielgruppe, die ist bei uns aber ein bisschen breiter gefasst, wir wollen auch 30-, 40-, 50-Jährige ansprechen, die Kulinariker, die Zeit und Lust haben, sich mehr mit Essen und Wein zu beschäftigen...und natürlich auch das Geld haben."

Ina YouWine: "Dafür wollen wir im Web auch der Treffpunkt werden: Wenn du Ideen und Beschreibungen brauchst. Geile Weine spricht eher junge Leute an, die sich wahrscheinlich leicht fühlen, nichts Kompliziertes suchen und eher visuell einkaufen – da wäre das Etikett des Leonate vielleicht schon zu klassisch. Aber natürlich gibt es auch Überschneidungen im Sortiment."

Okay. Sprechen wir mal ein anderes Thema an: Biowein. Welchen Stellenwert hat der Bioweinbau für Euch – beruflich und auch privat, falls sich das unterscheidet?

Torsten YouWine: "Wir sind Menschen, die umweltbewusst leben, das ist uns schon wichtig. Und das wollen wir auch in der Firma haben. Das andere ist die wirtschaftliche Nachhaltigkeit: Natürlich für uns, aber wir wollen auch faire Preise für unsere Kunden und auch für das Weingut - uns ist schon wichtig, dass Winzer, die nachhaltig produzieren, auch entsprechende Preise bekommen, damit sie das auch weiterhin tun können. Ich sehe das Bio-Thema ein bisschen entspannt und nicht dogmatisch. Es ist wichtig und gut, aber viele setzen das ja auch als Marketing-Instrument ein. Für mich persönlich ist das wichtig, dass das aus einem entsprechenden Selbstverständnis heraus geschieht. Manche werben auch gar nicht groß damit. Naja, und dann wird im Bioweinbau auch mit Kupfer gespritzt – ohne irgendwelche Mittel geht es nicht -, das ist schon ein komplexes Thema..."

YouWine

Ina YouWine: "...das ist eine Grundsatzdiskussion. Ist das noch Bio, wenn ich dafür fünf mal häufiger mit dem Traktor rausfahren muss? Das CO2 geht ja auch irgendwo hin...das ist eine große Diskussion in der Weinbranche und zwischen den Winzern – was ist eigentlich Bio? Es kommt drauf an, ob man das Bio wirklich lebt. Man kann auch als konventioneller Winzer sehr nachhaltig arbeiten. Bei uns zuhause bin ich früher oft mit der Sichel in den Weinberg, um den Traktoreinsatz zu sparen. Dadurch, dass wir die Weingüter, die wir im YouWine-Programm haben, ziemlich gut kennen, können wir auch hinter den Produkten stehen. Aber wie steht Ihr denn eigentlich zu Bio?"

Huch, das klassische Interviewformat wird aufgebrochen...darauf waren wir nicht vorbereitet. Aber gut: Wir sind kein Biowein-Magazin, wie man sieht. Aber wir finden das richtig und gut, nachhaltig zu arbeiten bzw. verantwortungsvoll mit den natürlichen Ressourcen umzugehen. Unseres Erachtens sollte man nicht mit dem erhobenen Zeigefinger herumlaufen, sondern solche Themenbereiche anders vermitteln. Also, wir sind nicht dogmatisch, gerade auch beim Wein nicht. Wie Ihr eben auch schon gesagt habt wissen wir auch, dass viele Weingüter, die nicht Bio sind, sich ihre Gedanken haben und nicht kopflos mit Gift um sich werfen. Andererseits werden in der konventionellen Landwirtschaft so viele giftige oder zumindest bedenkliche Stoffe in großen Mengen eingesetzt, das ist den meisten Menschen gar nicht bewußt oder sie wollen es nicht wissen. Naja, und irgendwie ist es auch ein wenig albern, auf Bio-Lebensmittel zu achten, wenn man weiterhin die Klamotten bei H&M kauft und ein neues SUV vor der Tür stehen hat. Da hat dann Bio nur noch mit dem eigenen Wohlfühlen und der eigenen Gesundheit zu tun und keinen Nachhaltigkeitsaspekt mehr. Aber das stellt jetzt natürlich nicht die Sinnhaftigkeit von ökologischer Landwirtschaft infrage...

Da könnte man jetzt lange drüber reden, ist vielleicht nochmal ein eigenes Thema wert. Zudem: Vor lauter Tiefgang und angesichts der fortgeschrittenen Zeit wollen wir am Ende natürlich auch den Feuilletonaspekt nicht vergessen...erzählt doch abschließend mal eine lustige Weingeschichte aus Eurem Weinalltag!

Torsten YouWine: "Hmm, das ist jetzt vielleicht nicht wahsinnig witzig, aber doch schon bemerkenswert: Während des Studiums haben wir im Rahmen von internationale Produktprofile regelmäßig Blindverkostungen gemacht. Das war immer nach Themen geordnet, jede Gruppe musste ein Thema bearbeiten und ich war in der Gruppe 'Rotwein-Cuvées'. Da ging es darum, die Weine sensorisch zu beschreiben und in den Markt einzuordnen, wie teuer könnten die Weine sein, wo kommen die her usw. Das ging dann von günstigen Weinen bis hin zu teuren. Wir haben uns dann in der Gruppe den Spaß gemacht, einen 99 Cent-Tetrapack-Rotwein zu kaufen, in eine Flasche umzufüllen und verkosten zu lassen. Das war schon witzig, die Kommentare reichten von "handwerklich gut gemacht", "ein bisschen grünes Tannin" usw. - im Endefekt kam heraus, dass kein Mensch den als Tetrapack-Wein eingeschätzt hat, sondern meist als normalen 5 bis 6 Euro-Wein. Die waren total von der Rolle, als wir das offenbart haben. Klar wurde der nicht als hochwertiger Wein eingeordnet, aber durchaus als trinkbar. Das war schon bemerkenswert, weil man als Weinfreak ja auch schnell abheben kann und alles Billige abfertigt. Wenn du den Tetrapack siehst, weißt du schon, dass er dir nicht schmeckt...wenn du den Wein aber blind aus einer neutralen Flasche probierst, sieht das schon anders aus."

Top! Schön, dass sich die YouWine-Macher*innen Zeit genommen haben und hiermit viel Glück und Erfolg für die Zukunft!

Wer mal in den YouWine-Shop reinschauen möchte: hier gehts lang...

Alle Bilder: ....tastes like Wine!

1 Kommentar

  • Ein erfrischendes Interview, das Lesen Teile 1 u. 2 haben Spaß gemacht, auch die interessanten Äußerungen der sympathischen Shopbetreiber. In dem Punkt Preise kann ich nur beipflichten und noch eine kleine Zugabe: die Winzer haben Hofpreise, schön und gut. Wer’s nicht abholen will, läßt sich die Weine vom Winzer schicken, auch gut. Im Versandhandel kann man als Händler dann auch etwas über den Hofpreisen liegen. Jetzt gibt es aber Winzer, die betreiben außer ihrem Hofgeschäft noch einen Online-Shop. Da können die nicht erwarten, dass ein Onlinehändler etwas höhere Preise setzen kann – er fällt ja bei den Suchmaschinen mit höheren Preisen sozusagen nach hinten. Die Versandkosten sind ja alle ähnlich. Die Krönung, die ich selbst erlebt habe, ist, dass ein Winzer mit seinem Onlineshop die eigenen Hofpreise unterbietet. Eine geniale Strategie.

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