Biowein: Gibt es den großen Unterschied? (mit Video)

Bio Wein Unterschied

Die Biene kennt den Unterschied bestimmt...

Biowein: Top-Thema! Und ...tastes like Wine! ist ihm auf den Fersen, stellt unangenehme Fragen und gibt verwirrende Antworten. Ist Biowein gesünder? Werden die Trauben nur von Hand gepflückt? Warum ist ökologisch erzeugter Wein teurer? Schmeckt Biowein besser? Aber lest selbst...

Biowein: Der Unterschied im Weinberg

Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen Bio- und konventionell produziertem Wein? Na, was den Weinberg angeht, dürfte das auf der Hand liegen: im Bio-Weinbau wird auf chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel verzichtet (im Text ist ganz pauschal vom Bio-Weinbau die Rede – über die Unterschiede zwischen der EG-Öko-Verordnung und den großen, strengeren Bio-Verbänden haben wir uns hier ausgelassen). Da freut sich die Natur, denn solche Mittel können sowohl die Rebstöcke als auch den Boden belasten – von Insekten und Kleintieren ganz zu schweigen. Auch besser für unsere Gesundheit? Ja und nein, denn angeblich spielt das später für den fertigen Wein keine Rolle, da die Pestizide sich dort (i.d.R.) nicht mehr nachweisen lassen bzw. unter den Grenzwerten liegen. Die meisten Weine sind also schadstofffrei, zumindest bestätigen das die meisten Untersuchungen, die auch ansonsten wenige Unterschiede feststellen können.

Gedüngt wird bei den Bios aber auch, mit organischen Nährstofflieferanten wie bspw. dem guten alten Kompost sowie einigen mineralischen Düngern. Und gespritzt: Da insbesondere Pilzkrankheiten eine Gefahr für die Reben darstellen, greifen auch Bio-Winzer*innen zu ihren Mittelchen. Während Fungizide im Bio-Weinbau verboten sind, ist das Spritzen von Kupfer, Schwefel, Backpulver, Molke und einigen pflanzlichen Mitteln erlaubt. Das ist nicht unumstritten: Zum einen gibt es Leute, die den kategorischen Verzicht auf Fungizide anzweifeln, da einige von diesen Anti-Pilz-Mitteln angeblich ökologisch unbedenklich seien. Zum anderen wird insbesondere der Einsatz des Schwermetalls Kupfer kritisiert, das sich im Boden anreichert und dort durchaus "giftig" wirkt, vor allem wenn es ins Grundwasser gelangt. Nicht nur Greenpeace hat auf diesen Umstand aufwerksam gemacht, viele Bio-Winzer*innen wissen selbst um diesen Widerspruch – und verweisen darauf, dass ohne dieses Mittel Bio-Weinbau in den warmen, feuchten Regionen Deutschlands nur schwer möglich sei. Zudem sei Kupfer weniger effizient als manch synthetisches Mittel, wodurch es viel häufiger gespritzt werden müsse – und verstärkt im Boden lande, auch wenn es für den Einsatz von Kupfer im Weinberg laut Bio-Winzer*innen strenge Vorschriften gebe. Wer das jetzt abschreckend findet, muss aber nicht auf Biowein verzichten – denn es gibt einige Sorten, wie Regent, Solaris oder Monarch, die recht widerstandsfähig gegen Pilzerkrankungen sind und daher nicht oder kaum mit Kupfer behandelt werden. Solche Rebsorten werden auch als Piwi's bezeichnet: Pilzwiderstandsfähig.

Bio-Weinbau setzt auf Artenvielfalt

Ein weiteres Plus des Öko-Weinbaus kann darin liegen, dass verstärkt auf die Aufrechterhaltung oder Wiederbelebung der Artenvielfalt im und um den Weinberg geachtet wird – Stichwort Biodiversität. Hier wird Prävention groß geschrieben: Die Ansiedlung und Bewahrung sog. "Nützlinge" soll vor "Schädlingen" schützen. Im Weinberg können sich, je nach Region, viele spezielle und unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten tummeln – sofern nicht alles umgegraben und plattgewalzt wird, wie es so häufig beim konventionellen Weinbau geschieht. Letzteres kann aber auch beim biologischen Weinbau geschehen, denn der Einsatz von großen Lesemaschinen ist erlaubt und durchaus gebräuchlich.

Gesünder kann Biowein vielleicht aus einem anderen Grunde sein: Da biologische Landwirtschaft meist aufwändiger ist und kleinere Mengen hervorbringt (die Erträge sollen im Vergleich zu konventionell arbeitenden Winzer*innen bis zu 20 Prozent niedriger liegen), sind all die schönen Bio-Sachen teurer als die konventionell produzierten Konkurrenzprodukte. Wenn wir für Biowein tiefer in die Tasche greifen müssen, trinken wir womöglich weniger davon...

Hier ein Video des Deutschen Weininstituts zum Thema Biowein bzw. ökologischer Weinbau, das auf die o.g. Aspekte eingeht

Biowein

Biowein: Der Unterschied im Keller

Im Keller wird der Wein gemacht, heißt es ja immer. Unterscheidet sich nun der "Keller" von Bio-Weingütern in Ausstattung und Methoden von den herkömmlichen Weinkellern? Keine Ahnung. Aber wir haben mal recherchiert: Erst seit Kurzem, nämlich seit 2012, gilt auch für den Biowein-Ausbau im Keller eine EU-Verordnung. Die regelt nun so einiges für die Weinherstellung, was vorher womöglich im Dunkeln blieb (z.B. der Einsatz des Kunststoffs PVPP zur Gerbstoffbindung, der aber zuvor auch schon nicht von überzeugten Bio-Winzer*innen verwendet wurde). So wurde eine Obergrenze für Schwefel festgelegt, die nun etwas unter der für konventionell produzierte Weine liegt. Kein fester Wert, sondern je nach Weinkategorie und Restzuckergehalt unterschiedlich – je trockener, desto weniger, je süßer, desto mehr. Gentechnisch veränderte Hefen und andere Substanzen sind natürlich tabu. Die Anreicherung ist auch bei Weinen aus ökologischem Anbau mit Saccharose, RTK und Traubenmostkonzentrat gestattet – hier ist der entscheidende Unterschied zur konventionellen Weinherstellung, dass die Anreicherungsmittel eben auch aus biologischem Anbau stammen müssen. Viele der gebräuchlicherweise zur Klärung des Weins eingesetzten Substanzen werden auch im Bio-Keller verwendet, so sie denn mehr oder weniger natürlichen Ursprungs sind, bspw. Alginsäure (E400) oder der Stabilisator Gummi arabicum (E414) u.v.m. Andere wiederum, wie PVPP (E1202) , Sorbinsäure (E200) und einige mehr, sind nun für Öko-Weine verboten. Bis ins Detail kann die Ausführung hier nicht gehen, da die unterschiedlichen Bio-Verbände teilweise unterschiedliche Festschreibungen haben.

Für vegan lebende Menschen nicht uninteressant: Auch bei Weinen aus biologischem Anbau ist die Zugabe von Gelatine zur sog. Schönung des Weins gestattet, Hühnereieiweiß, Kasein und Hausenblase ebenso – auf dem Etikett steht das alles i.d.R. nicht. Wer einen veganen Wein sucht, sollte danach fragen oder in spezialisierten Shops einkaufen.

Schließlich strebt der biologische Weinbau an, auch beim kellertechnischen Ausbau grundsätzlich rohstoff- und energieintensive Methoden möglichst zu vermeiden.

Biowein: Der Unterschied im Glas

Bio-Wein Unterschied

Preisfrage: Welches der beiden Gläser enthält Biowein?

Aber wie siehts eigentlich geschmacklich aus? Gibt es da tatsächlich Unterschiede? Anhänger*innen der biologischen Landwirtschaft wünschen sich das natürlich (micheingeschlossen): die richtige Sache soll auch besser schmecken. Aber im Ernst: Selbst solche Profis wie wir (...hüstel...) können da geschmacklich keine Unterschiede ausmachen. Andererseits: Unser liebes Gehirn ist ja den halben Tag damit beschäftigt, uns zu täuschen, dies können wir auch wunderbar für den Genuss von Bioweinen nutzen. Wenn wir uns mit Überzeugung eine schöne Flasche Biowein kaufen und sie mit Freude öffnen, wird sie sicher besser schmecken...

Die Bio-Winzer*innen sind natürlich fest davon überzeugt, dass im ökologischen Weinbau ein enormes Qualitätspotenzial steckt. Neben der weitgehenden Bewahrung der Natur ist in diesem Zusammenhang viel von "Terroir" die Rede – beides gehört demnach zusammen. Terroir (französisch für Boden) bezeichnet in der Weinsprache die natürlichen Faktoren der einzelnen Rebfläche, also, etwas verkürzt formuliert, quasi den besonderen "Geschmack" des speziellen Bodens. Terroir schreiben sich mittlerweile aber auch viele andere Winzer*innen auf ihre Fahnen. Ansonsten ist der geschmackliche Unterschied zwischen Bio- und konventionellem Wein aber nicht sehr groß, was auch der Bundeverband Ökologischer Weinbau Ecovin, der größte deutsche Biowein-Zusammenschluss, gar nicht erst versucht zu behaupten: "In der Regel schmecken ECOVIN Weine nicht anders als qualitativ gleichwertige Weine aus konventionellem Anbau. ECOVIN Weine überraschen allerdings häufig durch ihre Vielfalt an Aromen und Inhaltsstoffen, in denen sich ihre Herkunft, der Boden und ihre Lage widerspiegeln." (ecovin.de)

Nebenbei: Nicht zu unterschätzen ist übrigens die Zahl der Winzer*innen, die weitgehend nach ökologischen Prinzipien arbeitet, ohne sich ein Bio-Label auf die Stirn bzw. die Weinflasche zu kleben. Denn eine Zertifizierung ist teuer und bedeutet mehr Bürokratie. Fragt doch einfach mal nach, wenn Ihr vor Ort seid...

Bildernachweis in tatsächlicher Reihenfolge:

marya/CC BY 2.0 , Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Aroma_of_wine#mediaviewer/File:Bee_and_grape_cluster.jpg

Tournesol/CC BY-SA 3.0 , Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:High_contrast_wine_glasses.jpeg