Schön war’s und so gar nicht scheu! 100 Jahre Scheurebe

Scheurebe

Die Gastgeberin Eva Vollmer

Ein Geburtstagsdinner der scheuen Art mit Stuart Pigott, Winzern*innen aus Rheinhessen und der Pfalz und vielen Leckereien.

Uns ereilte eine kurzfristige Einladung des Weinguts Eva Vollmer zu einem besonderen Event, das sich folgendermaßen ankündigte:

„Feiern Sie mit uns den Geburtstag der Scheurebe beim großen und deutschlandweit einzigartigen „Flying-Winzer-Dinner“. Freuen Sie sich auf den berühmten Weinkritiker Stuart Pigott, der für den Abend exklusiv aus New York anreist, Winzerin Eva und viele gar nicht scheue Bühnengäste – alles Berühmtheiten der Weinszene. Außerdem gibt`s Livemusik und überhaupt einen unvergesslichen Abend, der nur alle 100 Jahre vorkommt!“

Alle 100 Jahre? Wie bitte? Da konnten wir natürlich nicht fehlen und sagten ebenso kurzerhand zu. Eins vorweg – die Ankündigung kann man 100 Prozent (oder Jahre) so stehen lassen…mit etwas Verspätung hier unser Erlebnisbericht:

Empfangen wurden wir auf dem schönen Südzipfel der Stadt Mainz, in Mainz-Ebersheim. Sonnenverwöhnt wurden die zahlreichen Gäste mit prickelndem Sekt empfangen und erhielten Ihre Platzanweisung. So weit, so gut. Einmal anstoßen mit dem überhaupt nicht so scheuen Stuart Pigott und der leckere Scheurebe-Sekt, das scheue Wort wird heute noch einige Male fallen, kühlte die ca. 30 Grad gefühlt etwas runter.

Als sich alle Gäste eingefunden und Platz genommen hatten, gab es ein paar einleitende Worte der Gastgeberin Eva Vollmer, die das Geburtstagsfest der Scheurebe mit weiteren Winzer*innen in Kooperation mit Rheinhessenwein vorbereitet hat. Es gab auch einen kurzen Einblick in den Kelleralltag, als Eva ihre im Vergleich zu den Armen weißen Beine mit den Worten begründete, dass nun mal im Keller keine Sonne schiene. Wie die Beine von Stuart aussahen, können wir nicht sagen, da er sich stylish der bunten und vielfältigen Rebsorte Scheurebe angepasst hatte und eine farbenfrohe Kombination trug. Aber nun zum eigentlichen Star des Abends.

Scheurebe

Auch wenn Stuart Pigott zweifelsohne ein absolutes Unikat ist, gemeint war das Geburtstagskind: Die Scheurebe. 100 Jahre ist es nun her, dass ein Herr Georg Scheu eine Kreuzung von Riesling und Bukettraube kreierte, die später zur Scheurebe wurde. Warum erst später, hat mit der Zeit zwischen 1916 bis 1945 und den damaligen Irrungen und Wirrungen zu tun.

Über den Abend verteilt gab es kleine Leckereien, die vom bekannten Fernsehkoch Frank Brunswik im Flaschenlager zubereitet, auf 15 Tischen kunstvoll angerichtet und im Anschluss von 14 fleißigen Helfer*innen serviert wurden. Das Essen war jedoch nur die Beilage, denn der Wein stand ja im Vordergrund. Ebenso exponiert saßen Eva und Stuart den Abend hinweg mit wechselnden Winzerkolleg*innen auf oder im Palettenwohnzimmer und plauderten, teils im schönsten Rhoihessisch, über den An- und Ausbau der jeweiligen Weingüter (Bild unten), die alle auf ihre persönliche Weise die Scheurebe einzigartig präsentierten. Dazu gesellten sich ein paar Geschichten aus dem Weinleben des Stuart Pigott, begleitet von lobenden sowie amüsanten Worten zu den getrunkenen Weinen. Stuart hatte bereits früh das immense Potential der Region erkannt und sich als Förderer junger, weniger bekannter Winzer*innen betätigt. Seine Berichterstattung hatte den Fokus auf dem hervorragenden Preis-Genussverhältnis und er gab unvoreingenommen jeder Rebsorte eine faire Chance. So auch der (trockenen) Scheurebe, die es ihm sichtlich angetan hat. Aus diesem Grund bereicherte er stilsicher als menschliches Scheurebenpendant den Abend und verhalf der Scheurebe zu weiterem Aufwind.

Begonnen wurde klassisch mit trockenen Weinen und mu(e)ndete mit süßlichem Abgang im sechsten Gang. Bis auf den fünften flüssigen Gang, der unseren Geschmack nicht ganz traf, passten die vorgestellten Weine hervorragend zum Essen – oder andersherum.

Scheurebe

Überrascht waren wir, das heißt die insgesamt 150 Gäste, meine sehr netten Mittrinker am Tisch und mich inbegriffen, von der Vielfalt der Rebsorte. Mal hatte man einen satten klassischen Riesling im Glas, dann einen ausdrucksstarken Sauvignon Blanc und auf einmal einen tollen Dessertwein. Doch immer war es „nur“ die Scheurebe, die sich auf vielseitige Art mal sehr mineralisch, fruchtig frisch oder mit sehr reifen hellen Früchten präsentierte. Da es den Umfang sprengen würde und die Rebsorte unser Interesse geweckt hat, haben wir uns entschieden, einen Teil der getrunkenen Weine wie auch ihre Schöpfer*innen in einem separaten kleinen Tasting nochmals zu „analysieren“ und nach weiteren Antworten zu suchen. Oder wie es Eva formulierte: „Scheu ist nicht die Antwort – sie hat vielmehr die Frage gestellt!“

Es gab sogar nicht nur Kunst im Glas, sondern auch neben der Bühne, wo ein farbenfrohes Bild einer Frau der Scheurebe schmeichelte.

Kunstfertig wurde der Abend auch vom Trio reLounge begleitet, das während der (Trink-)Pausen spielte und die schöne Atmosphäre nochmals anhob. Später am Abend wurde stimmungsvoll, nicht nur aufgrund des farbenfrohen Lichtspektakels im Genussgarten, über Wein, Leben und manches mehr philosophiert und der Abend (ent-)spannte sich bis weit nach Mitternacht und hinterließ viele zufriedene Gesichter.

Unser Fazit? Ein Hammer-Event! Kann man nicht anders sagen. Die meisten Weine haben uns sehr gut geschmeckt und das Essen war erste Sahne. Das Ganze gepaart mit wunderbarem Wetter auf einem schönen Fleckchen Erde. Was will man mehr? Um auf die Event-Ankündigung zu Beginn nochmal zurück zu kommen. Ein rundes Fest zum runden Geburtstag. Passt!

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