Oktober-Weinquiz: Es war gar nicht so einfach…

Weinberg

Unser letztes Weinquiz war spannend. Obwohl es so einfach schien, war es diesmal offenbar besonders kniffelig: fast alle eingesendeten Antworten waren FALSCH! Schon verrückt. Und das, obwohl es um Sex ging…zumindest im weiteren Sinne.

Wir wollten von Euch wissen, welcher Wein draus wird, wenn ein blühender Spätburgunder-Weinberg mit angewehten Rieslingpollen bestäubt wird (hier kommt Ihr zum kompletten Weinrätsel). Und die Antwort, die uns Norbert Tischelmayer liefert, ist eindeutig:

Natürlich ist das ein Spätburgunder-Wein

Durch die Befruchtung der Spätburgunder-Rebe durch Riesling-Pollen sind die Beeren, die sich bis zum Herbst entwickeln, geschmacklich und eigenschaftsmäßig weiterhin Spätburgunder-Beeren. Der Pollenspender ist völlig egal für die Entwicklung der Beeren. Nur die Kerne dieser Beeren tragen „schlummernd“ die Eigenschaften einer neuen Sorte in sich – nämlich eine Kreuzung Spätburgunder  (die Mutter wird immer zuerst genannt) x Riesling. Erst wenn diese Kerne in den Boden gesetzt werden und zu einer Pflanze auswachsen, werden die „schlummernden“ Gene (die nur potentiell vorhanden sind) realisiert. Denn die Weinrebe ist heterozygot, das heißt „spalterbig“: Sinngemäß wie die Menschen, denn jedes Kind von zwei Eltern kann völlig anders sein – war z. B. unter den Vorfahren von zwei weißhäutigen Europäern irgendwann mal ein dunkelhäutiger Afrikaner, könnte rein theoretisch das Ergebnis ein dunkelhäutiger Nachkomme sein – das gäbe eine Überraschung und die Mutter hätte Erklärungsbedarf. In Zeiten der DNA-Analyse könnte man aber das schnell feststellen, dass sie „unschuldig“ ist – oder auch nicht 🙂

Das ist der Unterschied der Weinrebe zu anderen Pflanzen. Wenn man z. B. einen Erdapfel in die Erde gibt, ist das Ergebnis (der neue Erdapfel) wieder zu 100% identisch. Wäre das anders, würden bei jeder Blüte einer Weinrebe völlig neue Pflanzen entstehen. Erst die in den Boden eingesetzten Beerenkerne würden eine neue Sorte ergeben – so passiert es gezielt bei Neuzüchtungen (bewussten Kreuzungen). Welches Ergebnis das allerdings ist, kann sehr unterschiedlich sein. Nehmen wir an, dass die Weintraube aus 200 Beeren besteht, dann ergibt das bis zu 200 verschiedene Ergebnisse. Genau gesagt, können es sogar 800 bis 1.200 verschiedene Spielarten (nicht Sorten) sein. Denn jede einzelne Beere hat 4 bis 6 Kerne – und selbst diese können unterschiedlich sein. In der Regel schlagen die Eigenschaften der Mutter etwas mehr durch – das muss aber nicht sein.

Die Vermehrung der Weinreben erfolgt nicht genetisch, sondern vegetativ, das heißt, es werden Teile eines Rebstocks (Triebe) in den Boden gesetzt – die ausgewachsenen Pflanzen sind dann völlig identisch mit der Mutterrebe.

 

…so, wieder was gelernt! Einige richtige Antworten gab es natürlich trotzdem und einen glücklichen Gewinner konnten wir auslosen: Andreas aus Weyhe darf sich über den The Station freuen. Glückwunsch und viel Spaß damit.

Im November wird es auch wieder ein Weinrätsel geben…also, wir sehn uns!

 

5 Kommentare

  • Jan sagt:

    Wow, das war lehrreich.

    Danke!

  • Holger Casselmann sagt:

    Es wundert schon, wenn ihr sagt, dass so viele Antworten falsch waren. Wäre es nämlich anders, als es ist, dann würden ja jedes Jahr andere Sorten aus dem selben Weinberg kommen, je nach Bestäuberpollen. Was allerdings die Nachkommen angeht, so ist wie bei Pflanzen und Tieren das bevorzugte Aussehen von dem Mutterteil gesteuert (was sicherlich daran liegt, dass in der Eizelle noch viel mehr Informationen enthalten sind, als vom männlichen Teil beigesteuert werden. Das Maultier sieht aus wie ein Pferd, weil die Mutter eines war und der Vater ein Esel (haha, letzteres ist in vielen Fällen so). Beim Maulesel ist es umgekehrt. Kurz war ich über den Begriff „Erdapfel“ gewundert- ach ja, eine Kartoffel!

  • Holger Casselmann sagt:

    nicht gewundert im letzten Satz, sonder gestolpert..

  • sb sagt:

    Ja, damit habe ich auch nicht gerechnet, aber ich glaube, dass das ein Bereich ist, in dem viele nicht über fundiertes Wissen verfügen – mich eingeschlossen.
    Dazu kommt wahrscheinlich, dass die Frage nicht genau gelesen wurde: nämlich welcher Wein dabei herauskommt und nicht welche Rebsorte. Denn viele Antworten fokussierten auf die Kreuzung neuer Rebsorten. Entsprechend war die häufigste Antwort die Nr. 4: eine neue Rebsorte.

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