Der beliebteste Wein der Welt

Wein Spanien

...kommt aus Spanien. Der Titel ist etwas irreführend, denn offensichtlich ist das kein Grund zur Freude, am wenigsten für die Winzer*innen in Spanien.

Spanien besitzt zwar die weltweit größte Anbaufläche für Wein, liegt aber in der Weinproduktion derzeit hinter Italien und Frankreich auf dem 3. Platz. Dennoch wurde aus keinem anderen Land im vergangenen Jahr so viel Wein exportiert, wie aus Spanien.

2015 sollen nach Medienberichten rekordverdächtige 2,4 Milliarden Liter spanischen Weines exportiert worden sein. Dies ist scheinbar auch auf den Preis zurückzuführen: So sollen die durchschnittlich von spanischen Weinproduzent*innen erzielten Preise nur rund ein Drittel der Exportpreise von bspw. französischen Produzent*innen betragen. Frankreich liegt mit dem Export von rund 2 Milliarden Liter Wein hinter Spanien auf dem zweiten Platz – und erzielt offensichtlich deutlich höhere Erlöse. Während der exportierte Wein in Spanien rund 2,6 Milliarden Euro einbrachte, spülte er den Kolleg*innen aus Frankreich ganze 8 Milliarden Euro in die Kassen.

Dies liegt u.a. daran, dass spanischer Wein in großen Mengen fassweise verkauft wird – und die Preise in diesem Segment weiter sinken. Der Durchschnittspreis für spanischen Wein lag 2015 bei nur 1,10 Euro pro Liter. Das frustriert die Betroffenen natürlich und es wird an Gegenstrategien gearbeitet. Künftig soll weniger billige Massenware exportiert und der Fokus wieder verstärkt auf Qualität und Herkunft gelegt werden.

 

Quelle: independent.co.uk

3 Kommentare

  • EC sagt:

    Ich bin ja mal gespannt, welche Gegenstrategie das dann sein soll. Letztlich kann die doch nur sein, daß der Verbraucher -also wir alle- mehr Geld pro Liter Wein ausgeben als bisher. Ich habe erst vor ein paar Tagen mal nachgesehen, wie sich die Durchschnittspreise so darstellen und bin selbst auf folgende Durchschnittspreise gestoßen (bzw. habe sie mir errechnet):
    4,32 EUR/l für alle Weine 2014
    Hauskonsum beim Stillwein:
    7,37 EUR/l für Weine vom Winzer
    7,65 EUR/l für Weine vom Fachhandel
    3,78 EUR/l für Weine aus dem Supermarkt
    3,14 EUR/l für Weine aus dem Discounter
    ( http://www.deutscheweine.de/fileadmin/user_upload/Website/Service/Downloads/Statistik_2015-2016.pdf )
    Wobei es -natürlich- auch abweichende Zahlen aus anderen Statistiken gibt.
    Man sieht also schon ein bißchen, wo das Preisniveau seinen Ursprung hat. LEH und Discounter sind wohl kaum begeistert, wenn die Preise steigen, zumindest wenn das nicht bei allen gleichmäßig steigt, was wohl eher realitätsfern wäre. Ich habe anhand eines anderen Discounter-Weins eher etwas anderes erkennen müssen: nämlich daß auch hier die Preise für gleiche Qualitäten eher fallen als steigen. Auch wenn das hier nur ein Einzelbeispiel ist:
    https://ec1962.wordpress.com/2016/02/27/ueber-die-vermarktung-von-belanglosigkeiten/
    Um die niedrigen Durchschnittspreise im Massenmarkt halten zu können, ist halt für Extravaganzen nicht mehr viel Spielraum. Auch in Deutschland sind Faßweinpreise deutlich unter 100 EUR/hl Realität. Was soll da noch qualitativ rauskommen? Und solange diese Weine, die beim Winzer jegliche Ambition im Weinbau unmöglich machen, im Weinmarkt den Ton angeben, solange wird im Kampf um den Verbraucher der Preis für die Rohware eben gedrückt bis zum Gehtnichtmehr und dann noch ein Eckchen weiter.
    Man muß da insgesamt einfach auch erkennen, daß die Zahl der Leute, die eher um die o.a. 7,50 EUR/l (oder auch mehr) für den Wein ausgeben, auch irgendwo endlich ist und ich denke nicht, daß das mittelfristig signifikant mehr werden. In unserer Geiz-ist-geil-Zeit ist auch Genuß ein Discount-Artikel geworden, den man sich so billig wie möglich erkaufen will. Bio ist zwar ein Trend, aber auch da geht die Reise aus meiner Sicht eindeutig zu Billig-Bio. Hauptsache, die Trauben stammen aus kontrolliertem Anbau, wie’s schmeckt, ist -nach eigener Erfahrung- vielen dann schon wieder egal, das Zeug wird reichlich kritiklos in den Rachen geschüttet. Oder es wird durch „Verschorlen“ soweit verdünnt, daß man eh‘ keinen Geschmack mehr herausfiltern kann. Diese Minimalst-Qualitäten verschwinden ja auch nicht vom Markt, sondern es wird von der Masse munter weiter gekauft. Da kann man das Zeug so viel testen und ggf. bashen wie man will, die eigentliche Zielgruppe solcher Weine interessiert das nicht und somit wird die auch nicht erreicht.
    Das ist letztlich auch der Grund, warum ich schon aus Prinzip Weine aus dem LEH / Discountern in der Regel meide. Auch wenn ab und zu mal tatsächlich ein eigentlich mit Spaß trinkbares Gewächs dabei ist (wie neulich passiert). Aber wenn ich direkt beim Winzer oder zumindest über den wirklichen Fachhandel einkaufe, dann tue ich damit sicher erheblich mehr für den Erhalt des Kulturguts Weinbau als beim Erwerb der Discounterware, bei der in der Regel auf dem Etikett nur industriell organisierte Massenabfüller oder Zwischenhändler auszumachen sind und der Winzer der ganz weit dahinter steht, in der Regel nur mit Ach und Krach davon (über-) leben kann.

  • sb sagt:

    Danke für den sehr ausführlichen Kommentar.

    Die von Dir aufgeführten Weinpreise sind höher als die mir bekannten Zahlen…interessant. Aber vielleicht sind das die aktuellsten Zahlen und die Durchschnittspreise sind gestiegen, mag sein. Ist ja auch die Entwicklung der vergangenen Jahre, wenngleich der Anstieg sich nur auf geringem Niveau vollzieht.

    Ich denke, Du hast Recht: langfristig wird sich am Preis- und Qualitätsniveau nicht viel ändern – wie auch, wenn immer größere Teile der Bevölkerung immer weniger Geld zur Verfügung haben. Allerdings glaube ich nicht, dass es vielen Leuten „egal“ ist, was sie trinken … ich glaube viele (natürlich nicht alle, viele sparen sicher am falschen Ende) haben diesbezüglich einfach keine große Wahl und entsprechend auch kaum Kenntnisse darüber, wie gut ein Wein eigentlich schmecken kann.

    Letztlich ist das natürlich – sofern man die Wahl hat – ein verantwortungsloser und irgendwie auch respektloser Umgang. Und das bezieht sich natürlich nicht nur auf den Wein, sondern auch auf Kaffee, Essen, Kleidung u.v.m.

    • EC sagt:

      Das mit den Zahlen ist immer so eine Sache. Gerne wird zum Beispiel wiederkehrend ein Wert von unter 3 EUR/l angeführt und meist auf den gesamten Weinumsatz in D bezogen. Diese Zahlen (habe ich auch mal irgendwo im Netz gefunden) beziehen sich aber definitiv nur auf Weine, die über LEH und Discounter verkauft werden. Des Weiteren werden da munter Preise pro Liter und pro (0,75 l-) Flasche durcheinander gewürfelt. Und welche Rohdaten bei den Statistiken zur Verfügung stehen, bleibt eh‘ im Dunkeln.
      Da wird dann zum Beispiel festgestellt, daß die Deutschen im europäischen oder weltweiten Vergleich den billigsten Wein trinken, aber wahrscheinlich werden da Äpfel mit Birnen verglichen. Ich wüßte z.B. nicht, ob die 4+ EUR/l in Norwegen auch nur die LEH- / Discouterweine berücksichtigen. Oder ob das steuerbereinigt ist. Und und und…
      Was die persönlichen Empfindungen beim Weintrinken angeht, habe ich da schon vielfältige Erfahrungen gemacht. Verallgemeinern kann man das sicher nicht. Aber anscheinend ist da auch viel Gewöhnung dabei. Wenn man lange genug „schlechten“ Wein trinkt, schmeckt er anscheinend irgendwann. Ich hatte schon mal einen wunderschönen Fiano im Glas, der von einer anwesenden Bekannten als „anstrengend“ eingestuft wurde. Ok soweit. Sie hat dann einen italienischen Bio-Chardonnay getrunken und war ganz begeistert von dem Wein aus dem Bioladen, für mich war wiederum dieser Wein untrinkbar. Prägung halt.
      Oder wenn man von klein auf mit Matumbo (Gericht aus Pansen und Blättermagen in Kenya) großgezogen wird, dann ist das für viele dort das höchste. Ich würde das niemals runterbringen, schon des Geruchs wegen…
      Das alles zusammengenommen führt bei mir zu der Überzeugung, daß sich da, wenn überhaupt, nur ganz ganz langsam was in Richtung Konsum anspruchsvollerer Weine ändern wird. Es findet da derzeit eher ein Verdrängungswettbewerb statt. Es heißt ja, daß die Qualität der in D produzierten Weine immer besser wird. Das ist wahrscheinlich auch so, aber die Qualität der in D getrunkenen Weine nimmt eher nicht zu, denke ich. Es wird hier halt nur mehr guter Wein aus heimischer Produktion getrunken und andere Länder haben diesbezüglich das Nachsehen. Da brauche ich mich nur selber ansehen. Noch vor 15 Jahren war Wein aus Deutschland bei mir die Ausnahme, heute steht er mengenmäßig an der Spitze. Und da kenne ich einige, bei denen das genauso ist…
      Und was ich auch beobachte: es wird zwar viel z.B. über faire Milchpreise etc. geredet, im Discounter aber dann doch die billigste Milch gekauft. „Nächstes mal nehme ich dann die faire Milch…“

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