Weingut Deppisch: ein relaxter Dornfelder und ein widerborstiger Josecco…

Weingut Deppisch

Heute auf der Weinkarte: Wein vom Weingut Deppisch aus Franken

Da hat die Post uns doch wieder mal was Feines vor die Tür gestellt: ein Weinpaket aus Franken, vom Weingut Deppisch genaugenommen. Das Weingut & Privatkellerei Johannes Deppisch in Erlenbach bei Marktheidenfeld dürfte vielleicht noch von unserem Interview in Erinnerung geblieben sein, dass wir mit Winzer Johannes über das Weinbaugebiet Franken und speziell den Bocksbeutel geführt haben ( > hier gehts zum Interview). Aber vielleicht kennt der ein oder die andere das fränkische Weingut ohnehin schon...

Die Weinberge des Weinguts werden naturnah bewirtschaftet, was u.a. breite Rebzeilen, (überwiegend) natürliche Dünger, Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungemaßnahmen beinhaltet – das ist ja schon mal zu begrüßen! So wurde das Weingut Deppisch auch als einziges im Main-Spessart-Kreis in den Umweltpakt Bayern aufgenommen, wie auf der Webseite zu lesen ist.

Winzer Johannes Deppisch weiß, im Gegensatz zu manch anderen Kolleg_innen, seine Weine zu vermarkten: so wird der Prosecco ganz selbstbewußt Josecco genannt und als Marke eingetragen, ebenso wie der Golf-Wein, der speziell für Anhänger*innen dieser Sportart kreiert wurde. Schließlich veranstaltet das Weingut Deppisch ein Mal im Jahr ein Oldtimer-Weinfestival, bei dem es weniger um historische Tropfen, denn um historische Fahrzeuge geht – bei deren Bestaunen man freilich ein Gläschen Wein trinken kann und wahrscheinlich auch sollte. (Ich verkneife mir hier mal einen naheliegenden, aber wahrscheinlich ziemlich schlechten Witz mit dem Golf-Wein...) Ob man das gut oder schlecht findet, ist die eine Sache, die andere: Das Weingut Deppisch bringt sich ins Gespräch. Aber letztlich kommt's ja auf den Inhalt an und da wollen wir doch mal sehen, ob dieser Inhalt unsere Zungen zum Tanzen bringt.

Weingut Deppisch

Weingut Deppisch: Josecco meets Rivaner meets Dornfelder

Wie immer bei ...tastes like Wineproben! haben wir uns ein paar Leute zum Mittrinken eingeladen – zum einen, weils lustiger ist, zum anderen, um zu sehen, wie die Weine ankommen. Freilich alle ausgebildete Nichtexpert*innen, dafür aber unkundige Weintrinker*innen – es muss halt schmecken!

Weingut Deppisch

Der Josecco vom Weingut Deppisch: Der schöne Verschluss bereitete uns Verdruss...

Weingut Deppisch

...geschafft!

Das erste Mal auch, dass wir für unser Weinmagazin Bocksbeutel antesten. Aber die beiden Beutel mussten warten, denn zuerst wurde der Josecco geöffnet – so zumindest der Plan, der sich dann als schwieriger herausstellte als gedacht... Wie auf dem Bild zu sehen ist, ist der Josecco des Weinguts Deppisch hübsch mit einer Art Sektkorken und Schnur verschlossen, allerdings lugt aus dem Flaschenhals nur ein dünnes Korkplättchen heraus, das man weder gescheit greifen noch sonstwie bearbeiten kann. Mit Sicherheit gibt es eine einfache Methode, solche Flaschen zu öffnen (Schütteln wahrscheinlich...), nur ist sie uns akademisierten, lebensfernen Narren nicht in den Sinn gekommen (und wenn man ein Weinmagazin betreibt, muss man sowas ja auch nicht wissen...). Als schlaue Einfallspinsel (sic!) haben wir dann einfach zum Korkenzieher gegriffen... ein Hoch auf den – bedauerlicherweise umweltschädlichen – Schraubverschluss!

Nach getaner Arbeit hatten wir uns wahrlich einen Schluck verdient und der trockene Josecco zeigte sich zwar im Geruch dezent und im Geschmack relativ mild und medium-spritzig, aber dennoch erfrischend, nicht zu süß und durstbeschleunigend. Hatte was von frisch geschnittenem Gras, etwas Honig, Zitrus und vielleicht Sternfrucht und entfaltete eine "leichte Schwere" im Mund. Keine Begeisterungsstürme, aber zufriedene Gesichter – ist ja auch ein Prosecco und nicht der Spitzensekt des Weinguts. Unaufregend lecker trifft die Mehrheitsmeinung ganz gut und der Josecco ist eindeutig günstigem Supermarktblubberwein vorzuziehen – kostet dann aber eben auch 7,50 €.

Rivaner

Der Rivaner vom Weingut Deppisch

Die Flasche war schnell geleert und der Rivaner trocken 2014 vom Weingut Deppisch war dran – im klassischen Bocksbeutel und dank Schraubverschluss im Nu geöffnet. Das Nasenerlebnis war deutlich fruchtiger (Pfirsisch, Zitrone, Melone) und spritziger, ein wenig Honig und frisch gesägtes Holz haben die Sache abgerundet. Allerdings gibts auch ne leicht säuerliche Komponente. Irgendwer hatte Assoziationen von einer warmen Höhle ... ähm, ja. Im Mund zeigte sich der Rivaner dann etwas weniger spritzig, als der Geruch es erwarten ließ – und gar nicht so leicht: Für einen Rivaner war er doch recht mächtig und fast schon laugig mit deutlicher Alkoholnote sowie vereinzelt wahrgenommenem animalischem Touch. Hört sich jetzt vielleicht strange an, schmeckt aber durchaus interessant. Dazu kamen angenehme Fruchtaromen (Zitrone, Apfel und Kirsche waren im Rennen) sowie eine spürbare, aber dezente Säure, die für die Balance sorgten. Irgendwer meinte, dass man zu diesem Rivaner nichts essen müsse, da er als eigenständiges Gericht durchgehe – was nicht negativ gemeint war, die meisten fanden ihn lecker. 7,50 € kostet der Spaß.

Weingut Deppisch

Was für ne Flasche: der Dornfelder des Weingut Deppisch wirkt ziemlich relaxed...

Last, but not least der Dornfelder. Diesmal ein Lagenwein: Dornfelder Erlenbacher Krähenschnabel trocken 2009. Dieser fränkische Rotwein hatte also schon ein paar Jahre auf dem Buckel und präsentierte sich entsprechend: beerig, ledrig und würzig im Geruch, insgesamt schwer zu greifen, fanden wir. Manche fanden die Aromen, die ihren Weg in die Nase fanden, aber auch etwas streng: muffig, alter Käse, nasser Hund. Das änderte sich aber, als wir mal probierten: Der Dornfelder des Weinguts Deppisch machte einen zitrusfruchtig-beerigen Eindruck und schmeckt deutlich besser als er riecht. Sehr weich und rund sowie leicht gerbig, aber ohne adstringierend zu sein oder alkoholisch zu wirken - insgesamt mundig. Ein guter Alltagswein, meinte jemand und das trifft es wohl auch ganz gut. Das Weingut Deppisch ruft für den Dornfelder Erlenbacher Krähenschnabel trocken 2009 8,50 € ab.

...tastes like Wine!-Fazit:

Während der Josecco allen gleichermaßen geschmeckt hat, verteilten sich die Trinkpräferenzen eher auf den Rivaner, als auf den Dornfelder. Meinem persönlichen Geschmack kam auch der Rivaner am nächsten, den ich auf jeden Fall nochmal trinken würde.

Das Weingut Deppisch hat uns da 3 interessante Weine geschickt, die sich deutlich voneinander unterschieden haben – bei einem Prosecco, einem Weißwein und einem Rotwein freilich auch nicht so schwer. Darüber hinaus hat Winzer Johannes Deppisch natürlich noch weitere Rebsorten im Anbau bzw. Weine im Programm, die wir nicht kennen, aber durchaus probieren würden.

Wenn Du mehr über das Weingut Deppisch erfahren willst - hier gehts zur Webseite.

 

Abschließend noch das Übliche: Wir haben die Weine zum Probieren und Beschreiben zugeschickt bekommen. Weder ist Geld geflossen, noch bestehen irgendwelche Absprachen, die ein günstiges Abschneiden der Weine in unserem Weinmagazin zum Inhalt haben.

1 Kommentar

  • Hallo liebe Tester,

    das Ding mit dem JOSECCO® …..
    Der JOSECCO ist ja ein Edelperlwein und hat deshalb nicht soviel So2 wie ein Sekt oder Champagner, deshalb funktioniert das mit dem schütteln nicht so.
    Also das mit dem schütteln geht schon, aber die Flasche geht davon nicht auf.

    Ganz früher……..hatten wir mal einen Kronkorken, das fanden unsere Fans aber nicht so schick, so daß wir auf den Korkverschluß zurück kamen.

    Diesen muß man mittels eines selten gewordenen Korkenzieher entfernen. Ein traditionelles Werkzeug aus dem letzten Jahrhundert.
    So schnell darf die Flasche auch gar nicht geöffnet werden, sonst ist das Getränk im Nu fort…. ohne das man den edlen Tropfen gebührend gewürdigt hat.

    Wir sind gerne bereit, bei uns vor Ort im Weingut nochmal einen zertifizierten Flaschenöffnungslehrgang mit anschließender Verkostung durchzuführen.
    Wir freuen uns auf die nächste Rückmeldung…

    PS: Der JOSECCO® BLANC hat jetzt auch bei der Berliner Wine Trophy eine Silbermedaille bekommen……und der JOSECCO® PINK eine Silbermedaille mit 3 Sternen für internationale Weine unter 10 Euro bei der Zeitschrift Selektion

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