Rotwein-Doppel: Choco Shiraz vs. tight Tempranillo

Chocolate ShirazNoch ist ja Sommer. Da trinken wir – es bietet sich an – überwiegend Weißwein. Gut gekühlt, verspricht Weißwein doch die angenehmste Vereinigung von Genuss und Erfrischung. Aber da bekanntlich – die Touareg wissen, wie's läuft – lauwarme Getränke dem Kreislauf bei großer Hitze am zuträglichsten sind, wollten wir unsere Körper nicht allzusehr strapazieren und zur Abwechslung mal mit Rotwein versorgen. Tee war gerade nicht zur Hand. Da kam es wie gerufen, dass uns Vineshop24 mit zwei Vertretern ebendieser ungekühlt zu genießenden Weinvariante beglückt hat: einem Diemersfontein Chocolate Shiraz und einem Cantania Roble des Weinguts Viñedos y Bodegas Gormaz.

Ein südafrikanischer Shiraz und ein spanischer Tempranillo also. Wir waren gespannt! Erst kürzlich durften wir den ebenfalls von Vineshop24 vertriebenen MED Rosé probieren, ein gehaltvoller Roséwein aus der Provence. Der mundete auf jeden Fall - hier gehts zum Artikel.

Der Titel täuscht mit seinem kompetitiven Charakter ein wenig: wir haben die beiden Weine nicht vergleichend getrunken, sondern nacheinander. Dennoch kommt man dabei nicht umhin, einen persönlichen Favoriten zu küren. Aber mehr dazu später. Nun erstmal zu den Weinen, die wir wohl temperiert und entsprechend belüftet ihrer Bestimmung zugeführt haben.

Diemersfontein Chocolate Shiraz 2012

Chocolate Shiraz

Dieser Shiraz mit dem ansprechenden Namen stammt aus der kleinen südafrikanischen Weinregion Wellington vom Weingut Diemersfontein Wine, das sich v.a. mit Rotweinen aus der Rebsorte Pinotage (Kreuzung aus Cinsault und Spätburgunder) einen Namen gemacht hat. Hier aber ein Shiraz, aus dem man bekanntlich auch etwas Feines machen kann.

Mit seinem Namen ist der Chocolate Shiraz eindeutig an Schokoladenliebhaber*innen adressiert, das klare, unprätentiöse Design lässt den Schriftzug im Mittelpunkt stehen. Mal schaun, was es mit der Schokolade des Choco Shiraz auf sich hat...

Das Bouquet ist schon mal vielversprechend: Sehr dicht und weich, dabei aber spürbar kräftig und rund – kein Wunder, denn die Geschmacksmaschine des Chocolate Shiraz von Diemersfontein läuft auch mit 14 PS. Zu den sanften Tanninen gesellt sich auch ein leichtes Vanillearoma sowie Röstnoten – dieser Rotwein hat Holz gesehen (amerikanisches Eichenholz, um genau zu sein). Und tatsächlich: dunkle Schokolade findet auch den Weg in die Nase. Nicht total dominant, aber als gut integrierter Bestandteil des Aromencocktails. Die Fruchtnote wird in der Runde lustigerweise komplett unterschiedlich wahrgenommen: Von Stachelbeere und Johannisbeere ist die Rede, wohingegen andere vehement auf Brombeere pochen. Eine weitere Mittrinkerin beschrieb es als "Schokokirschdessert-Wolke". Auch schön. Trifft auf jeden Fall den marmeladigen, tendenziell süßen Charakter des Chocolate Shiraz, der freilich als trocken gelabelt ist. Einigen wir uns mal auf beerig, das ist der Wein sicher. Schließlich komplettieren würzige und leicht nussige Aromen den reichhaltigen Duft dieses Weines. Insgesamt: sehr gefällig und nicht herausfordernd.

Chocolate ShirazDer Geschmackseindruck spiegelt im Wesentlichen das gerade Beschriebene: vollmundig, weich, marmeladig, breitet sich dieser südafrikanische Shiraz gleichmäßig im Mundraum aus. Ein "megalecker" ist schon zu vernehmen, als die anderen noch konzentriert ins Nichts starren. Rasch entwickelt sich ein fruchtig-süßer Beerengeschmack, der an Kirschen, Erdbeeren und Pflaumen erinnert (diesmal sind wir uns einig). Zumindest das Kirscharoma ist transformationsfreudig: anfangs eher Süßkirsche, später Sauerkirsche. Zu den schön eingebundenen Röstaromen gesellt sich die dunkle Schokolade als passende Begleiterin. Der Diemersfontein Chocolate Shiraz ist zwar kräftig, liegt aber nicht schwer auf der Zunge, die Tannine sorgen für ein recht angenehm-samtiges, medium-adstringierendes Gefühl. Der Abgang ist dennoch leicht alkoholisch, was in dem Fall aber eher ein wohlig-warmes Gefühl auslöst. Dieser Wein ist einfach lecker und macht gute Laune. Auch wenn er einige Aromen vorhält, kommt uns der Chocolate Shiraz nicht superkomplex vor. Das macht aber gar nichts, denn hier ist alles stimmig und wir sind sicher, dass dieser Rotwein den meisten Menschen schmecken wird. Nur wer "absolut trocken" als persönliches Weinmotto ausgerufen hat, dürfte evtl. angesichts des schon süßen Charakters etwas zu mosern haben. Wir haben es nicht.

Viñedos y Bodegas Gormaz Cantania Roble 2012

Cantania Roble

Dieser reinsortige Tempranillo mit ebenfalls 14 Volumenprozent stammt aus dem kleinen, aber bekannten spanischen Weinbaugebiet Ribera del Duero im zentralen Norden des Landes. Die Weinberge des Weinguts Viñedos y Bodegas Gormaz liegen auf über 800 Meter und die Reben, aus deren Trauben der Catania Roble hergestellt wurde, sollen älter als 60 Jahre sein. In Deutschland sind ja "Alte Reben"-Weine beliebt - ich glaube, die dürfen so bezeichnet werden, wenn der Weinberg mindestens 25 oder 30 Jahre als ist. Dann wären wir mit diesem Spanischen Rotwein in der Kategorie "Uralte Reben"...

Wie auch immer: Wein ins Glas und Nase rein... im Vergleich zum Chocolate Shiraz ist das Bouquet des Cantania Roble eher dezent. Leicht fruchtig, etwas würzig und vanillig, macht auch einen runden, cremigen Marmeladeneindruck – na, vielleicht triffts leicht vergorene Erdbeeren am besten. Schließlich noch eine interessante Note, die an Leder erinnert, das lange in einer Erdbeermarinade gezogen ist. Klingt alles vielversprechend.

Cantania RobleDer erste Schluck jedoch lässt uns erstmal große Augen machen – bereitete das Bouquet doch nicht wirklich darauf vor, was danach kommt... Würzig, starke Röstaromen und Anklänge an einen starken Espressosatz. Dieser spanische Rotwein ist nicht auf gefällig getrimmt, sondern mächtig kräftig inklusive Bitter- und leicht wässriger Sherrynote und findet daher sicher Anhänger und Kostverächter gleichermaßen. Stark adstringierend sorgt er für einen ziemlich trockenen Mund – "schlecht zum Knutschen, dafür macht er wach" lautete eine Einschätzung. Hm, also vielleicht eher was für ein Essen mit Freund*innen oder Kolleg*innen – oder für Elternbesuch...

Etwas Kirsche, vielleicht auch Erdbeere, und Vanille sind auch mit von der Partie. Der Cantania Roble hat dabei eine interessante Konsistenz: sehr sämig, fast schon dickflüssig. Mit der Zeit wird er etwas runder und beeriger – wir würden dafür plädieren, diesem Tempranillo ausreichend Zeit an der Luft zu geben, bevor er ausgeschenkt wird.

Das ...tastes like Wine!-Fazit

Der Diemersfontein Chocolate Shiraz hat uns durch die Bank gut gefallen: Lecker! Kann man nix verkehrt machen. Erhältlich ist dieser Choco Shiraz zu Staffelpreisen ab 10,50 Euro und das ist er unseres Erachtens auch wert. In dieser Aufmachung gibts den Wein nur bei Vineshop24.

Nach dem Chocolate Shiraz kommt der Cantania Roble schon ziemlich crass... Hier war das Urteil nicht ganz so einhellig: Während einige schon Gefallen an dem herausfordernden Charakter des Cantania Roble fanden, kam er bei anderen nicht ganz so gut an wie der südafrikanische Shiraz. Dieser Tempranillo ist eher was für Leute, die sich schon an gefälligen Rotweinen abgearbeitet haben und auf der Suche nach interessanten Neuentdeckungen sind und dabei auch kräftige Noten wegstecken können. Könnten wir uns auch gut zu kräftigen Speisen vorstellen. Kostenpunkt: 8 Euro.

Wer neugierig geworden ist, kann hier einen Blick in den Weinshop werfen.

 

Alle Bilder: ...tastes like Wine!

 

Abschließend noch das Übliche: Wir haben die beiden Weine zum Probieren und Beschreiben zugeschickt bekommen. Weder ist Geld geflossen, noch bestehen irgendwelche Absprachen, die ein günstiges Abschneiden der Weine in unserem Weinmagazin zum Inhalt haben.

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