Weinüberwachung 2014: „Redliche Winzer und schwarze Schafe“

Weinüberwachung 2014

Dank sensibler Technik wie der Hochdruckflüssigkeitschromatographie ist es möglich, Weinzusätze selbst in geringsten Mengen nachzuweisen – Quelle und Copyright: Landesuntersuchungsamt RLP

Künstliche Fruchtaromen, Vanillezucker aus dem Supermarkt…was manche Winzer*innen in Ihren Wein kippen, will man gar nicht so genau wissen. Bzw. eigentlich doch. Hat sich auch das Landesuntersuchungsamt (LUA) in Rheinland-Pfalz gedacht und den guten Rebensaft in Deutschlands bedeutendstem Weinbundesland kontrolliert…und u.a. die eingangs erwähnten, freilich illegalen Substanzen gefunden. Insgesamt habe es bei der Weinüberwachung 2014 viele kleine Beanstandungen sowie einige schwerwiegende Täuschungen und Verfälschungen gegeben, so die LUA – Gesundheitsgefahren konnten nach Angaben der Behörde nicht festgestellt werden.

Fast jede 8. Probe wurde beanstandet

„Die Arbeit der Weinkontrolleure und der Weinchemiker des Landesuntersuchungsamts dient vor allem der Qualitätssicherung des rheinland-pfälzischen Vorzeigeprodukts Wein“, betonte Weinbauministerin Ulrike Höfken bei der Vorstellung des Berichts. Insgesamt führten die Weinkontrolleur*innen im vergangenen Jahr über 6.000 Kontrollen vor Ort durch und analysierten mehr als 4.000 Proben von Weinen aus Rheinland-Pfalz sowie Importweinen. Ergebnis der Weinüberwachung 2014: Knapp jede 8. Probe musste beanstandet werden, bei den meisten lagen Kennzeichnungsfehler vor. Bei 4,2 Prozent der Proben wurden allerdings auch Grenzwertverstöße und unzulässige Behandlungsmethoden bzw. -mittel festgestellt. „Bei den unzulässigen Behandlungen handelt es sich um vorsätzliche Verfälschungen, die der gesamten Branche schaden“, erklärt Ministerin Höfken.

Größtes Problem: illegale Aromazusätze

Vor allem illegale Aromazusätze stellen nach Angaben der LUA ein kontinuierliches Problem dar. Ein Beispiel: Der oben erwähnte Vanillezucker – ein Standardprodukt aus dem Supermarkt – wurde in einem rheinland-pfälzischen Barrique-Weißwein gefunden. Dieser hat allerdings, wie die Weinüberwachung 2014 aufdeckte, gar kein Barrique gesehen, nicht einmal Holzspäne. Um das typische Vanillearoma zu erzeugen, hat der Winzer einfach mit dem Vanillezucker nachgeholfen.

Weitere Beispiele findet Ihr unter dem unten gesetzten Link.

Aber es habe auch „erfreuliche Nachrichten“ gegeben: So soll die Weinüberwachung 2014 keine Schwermetalle und Pflanzenschutzmittel im Wein gefunden bzw. keine Überschreitung der Grenzwerte festgestellt haben. Zitat: „In allen 49 auf Aluminium, Arsen, Blei, Cadmium, Kupfer, Mangan und Thallium untersuchten Weinen aus überwiegend rheinland-pfälzischem Anbau seien die von der Weinordnung festgelegten Grenzwerte deutlich unterschritten worden. Insgesamt 50 Proben wurden auf ihre Gehalte an Pflanzenschutzmittelrückständen untersucht, darunter 9 Proben Federweißer. Bei keiner Probe waren die gesetzlichen Grenzwerte überschritten.“

Weitere Infos sowie eine kostenlose Download-Möglichkeit des Berichts gibts auf den Seiten der LUA.

 

Quelle: lua.rlp.de

3 Kommentare

  • bremerseefahrer sagt:

    Moin Sascha,
    Immer wieder werden wir für Dumm verkauft, wenn offizielle Stellen behaupten, das keine Gesundheitsgefahren bestehen, weil die Grenzwerte nicht überschritten werden.:
    Durch den Einsatz von verschiedenen Pestiziden mit gleicher Wirkung durch den Erzeuger wird die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung des zulässigen Rückstandshöchstgehaltes vermieden, ohne dass er Häufigkeit oder Intensität der Behandlung einschränken muss.
    Das heißt doch nichts anderes, das der Verbraucher bzw. hier der Weintrinker getäuscht wird wird, weil er den Grenzwerten immer noch traut, obwohl schon viel mehr Gift drin ist, wie es eigentlich sein dürfte. Begreift das denn keiner???
    Das ist doch richtig, 5 bis 10 verschiedene Pestizide, die alle den Grenzwert einhalten, aber nicht zusammen bewertet werden.
    Der Kombinations-Grenzwert fehlt also immer noch, deshalb ist alles in Ordnung+ die Erzeuger freuen sich, sie können weiter ungestraft ihren Pestizid-Cocktail ausbringen.
    Die Welt ist doch i.O.+ alle können beruhigt weiter schlafen!!!
    Die Lobbyisten haben ganze Arbeit geleistet, auch unser Online Magazin weist nicht gesondert darauf hin!! Schade, Sascha, ich hätte mehr erwartet

    • EC sagt:

      Na ja, man kann sich bezüglich der Gesundheitsgefahren von Lebens- und Genußmitteln auch schön in was reinsteigern. Mir ist es auch sympathischer, wenn die Trauben (und alles andere auch) nach Möglichkeit ohne unnatürliche Hilfsmittel reif werden. Aber die Realität sieht nun mal weltweit aus den verschiedensten Gründen anders aus.
      Das LUA hat nun Weine geprüft. Und deren Maßstab sind nun mal die Regeln, die vom Gesetzgeber aufgestellt wurden. Und diesem Prüfauftrag ist das LUA gefolgt. Nicht mehr und anscheinend auch nicht weniger.
      Man kann jetzt die Grenzwerte in Frage stellen und darauf hinwirken, daß diese ergänzt und / oder verschärft werden. Oder eine Initiative starten, um Produkte verbieten lassen. Dafür gibt es Wege in unserer Gesellschaft, in der niemand alleine ist und somit auch andere Meinungen und Interessen vorherrschen. Ob sie einem nun passen oder nicht. Dennoch gelingt es immer wieder, die Regeln dem fortschreitenden Kenntnisstand anzupassen.
      Somit ist jede Initiative in Richtung auf die Produktion möglichst risikofreier Lebensmittel wünschenswert. Aber das beutet aus meiner Sicht nicht, daß nun z.B. dieser -neutral gehaltene- Beitrag, der einfach auf eine sachliche Untersuchung hinweist, bezüglich vermeintlich fehlender Inhalte kritikwürdig wäre…

      • sb sagt:

        @bremerseefahrer: Naja, dann müsste ich ja in jedem Weinbericht darauf eingehen…hab es diesmal einfach neutral gehalten, was EC dankenswerterweise registriert hat. Aber grundsätzlich gebe ich Dir Recht, dass die Geschichte mit den kombinierten Grenzwerten durchaus beachtenswert ist. Werden wir sicher nochmal drauf eingehen.

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