Internationaler Bioweinpreis: Öko-Preisregen macht (fast) alle nass

Internationaler BioweinpreisIn der vergangenen Woche wurden wieder zahlreiche ökologisch erzeugte Weine mit dem Internationalen Bioweinpreis ausgezeichnet. Bereits zum 6. Mal wurde der Internationale Bioweinpreis vergeben – laut Veranstalterin (der WINE System AG) in diesem Jahr mit einer Rekordbeteiligung: 220 Winzer*innen und Händler*innen aus 20 Ländern reichten insgesamt 923 Bioweine ein (davon 417 aus Deutschland). Und die Winzer*innen durften sich freuen: Von den 923 Bioweinen erhielten 815 eine Medaille, dazu kamen 62 „Empfehlungen“. Das bedeutet, nur 46 Bioweine sind bei dem 6. Internationalen Bioweinpreis leer ausgegangen. Ein bisschen lustig sind die drei Preisabstufungen: Großes Gold, Gold und Silber … klar, wer will schon Bronze haben, dann lieber zwei verschiedene Goldvarianten. Die bereits genannten „Empfehlungen“ rangieren unterhalb der Silberkategorie – bewertet wurde nach einem Punktesystem („PAR-Bewertung“).

Wir wollen die Veranstaltung nicht schlecht machen, nicht falsch verstehen (dafür haben wir uns auch nicht eingehend genug damit beschäftigt). Dennoch: Wenn man sich den Rahmen und die Zahlen anschaut, gewinnt man schon den Eindruck, dass es sich bei der Veranstaltung um ein Dienstleistungsevent für Bio-Winzer*innen handelt – und somit letztlich für Augenwischerei, auch wenn es die erwähnten Abstufungen und somit eine kleine Orientierung gibt. Und das ist freilich nicht auf den Internationalen Bioweinpreis beschränkt – mehrfach schon haben uns Winzer*innen bestätigt, dass man mit der Teilnahme an (teils recht kostspieligen) Wein-Prämierungen irgendeine Medaille so gut wie in der Tasche hat – außer der eingereichte Wein ist unterirdisch.

Wie seht Ihr das? Was haltet Ihr von Weinprämierungen und -auszeichnungen?

Wen es interessiert: Insgesamt gab es 59 x Großes Gold, 394 x Gold, 362 x Silber und 62 Empfehlungen. Die Internationaler Bioweinpreis-Liste mit allen prämierten Bioweinen könnt Ihr hier einsehen.

 

Quelle: bioweinpreis.de via wein-inside.de

Bildnachweis: WINE System AG ®

4 Kommentare

  • EC sagt:

    Früher mal habe ich schon des öfteren Weine entsprechend der Bewertungen im Gambero Rosso gekauft, nachdem ich festgestellt habe, daß ich meist auf der gleichen Spur liege, wie die italienischen Tester. Das hat sich allerdings irgendwann auch gewandelt und so manche Bewertung dort kann ich heute beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen.
    Ansonsten sind die ganzen Auszeichnungen, Bepunktelungen, Aufkleberchen und Medallien bei mir nicht kaufentscheidend, es zählt entweder der Geschmack, wenn ich die Chance habe vor dem Kauf zu kosten, oder es sind Beschreibungen oder Empfehlungen von Leuten, bei denen ich das Gefühl habe, daß sie weinmäßig ähnlich ticken wie ich.
    Erstaunlicherweise haben die besten Weine die wenigsten Medallien auf der Flasche draufgepeppt. Bei den wirklich guten Medallienträgern findet man die Plazierung bei den Wettbewerben dann irgendwo auf der Internetseite, aber in den wenigsten Fällen auf der Flasche selbst. Ich habe mal nachgesehen: seit ich mein eigenes Blögchen betreibe, habe ich keinen einzigen Wein mit Medallie (auf der Flasche) getrunken…
    Vielleicht tut man den ganzen Wettbewerben auch ein Stück weit Unrecht, aber ein bißchen habe ich schon den Eindruck, daß der wesentliche Zweck dieser Wettbewerbe der ist, die eingereichten Stöffchen gegen entsprechendes Salär mit einem Preischen in den oft übermäßig vielen Kategorien ein bißchen aufzuhübschen. Beispiel IWC mit immerhin 308 Kategorien. Da ist es wohl auch eher schwierig, keine Medallie zu bekommen. Und es wird dann gleich vom besten Wein der Welt gesprochen. Daß sich das dann nur auf die jeweilige Kategorie und die teilnehmenden Weine bezieht, sagt man allerdings nicht so laut.
    Klar gibt es auch sehr schöne Weine unter den Preisträgern, aber wie gesagt: relevant für meine persönliche Kaufentscheidung ist das nicht.

  • Torsten sagt:

    Das so inflationär mit Medaillen umgegangen wird, sorgt wiedereinmal für eine Abwertung der Bedeutung solcher Weinprämierungen. Aber dieses Beispiel ist ja nur eins von vielen. Als Verbraucher kann man sich bei der Auswahl der Weine anhand von Kammerpreismünzen oder Medaillen etc. eben leider nicht orientieren.

    • sb sagt:

      Stimmt schon. Bezweifle aber, dass die Adressat*innen in der Mehrzahl ein Verständnis von diesem System haben, sodass es wahrscheinlich weiter funktionieren wird.
      Aber ist ja wie bei allem: man sollte immer ein wenig kritisch bleiben. und selbst probieren, besonders den Wein 🙂

  • bremerseefahrer sagt:

    Ja , die Verhältnisse stimmen nicht, wenn nur 5 % der Weine keine Auszeichnung kriegen.
    Und dann diese lächerliche Korrektur mit dem Wegfall der Bronzemedaille + Einführung vom Großen Gold macht die Sache noch mehr zweifelhaft.
    Ich habe mich früher auch gefreut, wenn mir ein Wein mit einer Bronzemedaille geschmeckt hat, oder ich habe ihn deswegen gekauft.
    Vielleicht gibt es im nächsten Jahr auch kein Silber mehr, dann nur noch,
    Ganz Großes Gold, Großes Gold + Gold = das wäre doch noch besser, Toll,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere