Ein Pfingstwochenende beim Demeter-Weingut Fuchs-Jacobus

– – – Ein Gastartikel unseres Lesers und bekennenden Demeter-Fans „bremerseefahrer“ – – –

Weinberg Fuchs-Jacobus

Es ist Freitagmorgen. Wollen wir uns das wirklich antun: Fast 1.000 Kilometer für 3 Tage und eine Weinprobe an der Nahe? Egal, wir haben versprochen, dass wir kommen, die Ferienwohnung ist auch gebucht, also los. Nach 4 staufreien Stunden kommen wir an und können gleich die Wohnung beziehen. Zum Mittagessen gibt es schon ein Glas Riesling, trocken und natürlich Demeter.

Nach der Mittagsruhe fahren wir zum Schweppenhausener Weingut Fuchs-Jacobus auf den Steyerberg, dem Ziel unserer Reise. Einen frisch gebackenen Käsekuchen haben wir mitgebracht, bestimmt freuen sich Marlene und Wilfried (wir sind schon seit 37 Jahren Kunde bei Fuchs-Jacobus und duzen uns natürlich). Auch die Hunde begrüßen uns, sie haben uns wiedererkannt.

Zwischen den Rebstöcken blüht das Leben, die Weinberge sind pestizidfrei. Hier wurde das biologisch-dynamische Spritzpräparat in den Boden eingebracht. So werden die Rebstöcke gestärkt, sie können mit den natürlichen Bedingungen besser zu recht kommen. Schon vor 25 Jahren wurde auf Demeter umgestellt, Wilfried Jacobus kennt sich also aus mit dem biologisch-dynamischen Weinanbau.

Alle haben viel zu tun, aber für Kaffee und Kuchen muss Zeit sein. Anschließend müssen unsere Winzerfreunde gleich wieder arbeiten, es gibt noch viel zu tun bis zur Weinprobe. Wir verabreden uns für den nächsten Vormittag, wir wollen mithelfen. Wir machen noch eine Runde über den Weinberg, nebenan auf der anderen Seite der Straße hat ein „normaler“ Winzer gerade Gift gespritzt zur „Unkrautbekämpfung“. Den Unterschied kann Jeder sehen: Hier links alles gelb und tot mit verzinkten Stahlpfählen, rechts sind die Reben von Blüten umgeben, von Insekten umschwärmt und vom Duft der Flora begleitet – und von Holzpfählen gestützt. Hier lebt der Weinberg.

Samstag sind wir früh aufgestanden, gut ausgeruht fahren wir zum Weingut, um bei den Vorbereitungen zur Weinprobe zu helfen: Kartoffelsalat, Spargelsalat und Co mussten fertig gemacht werden. Mittags nahmen wir in unserer Wohnung Sauerbraten mit Rotkohl und Klöße zu uns – gut Essen hält Leib und Seele zusammen. Natürlich gab es auch wieder ein Glas Riesling dazu, Spätburgunder hätte zwar besser gepasst, hatten wir aber nicht dabei.

Nachmittags waren wir mit den beiden Hof-Hunden verabredet. Es war schwierig mit den beiden, Spaziergänge am Tage waren sie nicht gewöhnt. Nachts halten sie Wache auf dem Gelände und können sich dann frei bewegen.

Am Sonntagmorgen mussten wir früh hoch, wir wollten zu Fuß zum Weingut Fuchs-Jacobus, nach der Weinprobe sollte man ja nicht mehr Auto fahren. Abseits der Straße fanden wir einen herrlichen Weg ins Tal und weiter zum Steyerberg (ca.5 km sind wir wohl gelaufen). Aber es hat sich gelohnt, viele herrliche Blumen, Mohn- und Kornblumen, eine wohltuende Ruhe lag über dem Tal. Viele noch nie gehörte Gesänge von uns unbekannten Singvögeln begleiteten uns auf dem Weg zum Weingut. Hier ist die Natur noch in Ordnung.

Endlich hatten wir den Steyerberg erreicht, das letzte Ende war das steilste. Wir kamen nun nach 5 km doch noch ins Schwitzen, da wir die Abkürzung zum Weingut über die Steillagen nahmen. Vor dem Gut wurden wir schon erwartet mit einem Rosé-Sekt zur Begrüßung. Der jüngste Sohn der Fam. Jacobus war dabei, den Grill vorzubereiten, der besondere Geschmack sollte auch durch das Feuer mit alten Rebstöcken kommen. Nach der Genossenschaftssitzung wurde gespeist, alles was vom Grill kam, war hervorragend gewürzt, dazu gab es neben dem Kartoffel- und grünen Salat auch einen ganz leckeren Spargelsalat mit zarten Spargelspitzen, Ananas und feinen Gewürzen. Jetzt war die Zeit, um den neuen Wein zu entdecken, zum Essen suchte sich jeder seinen Favoriten, ein trockener Weißburgunder schmeckte mir am besten zum gegrillten Nackensteak.

Nach dem Essen war man für die Weinprobe gut gerüstet: Angefangen beim trockenen Grauburgunder, der nach Grapefruit und Mandel schmeckte, durften wir uns über den Riesling (Pfirsich-Apfel-Quitte) und den Weißburgunder ( Birne-Stachelbeere) bis zu den Kabinett und Spätlesen durchkämpfen. Die ganz milden und lieblichen Sorten und Auslesen habe ich mir erspart, einige Reben wie die Faberrebe oder der Gewürztraminer sind nicht nach meinem Geschmack.

Dafür mussten aber auch noch die neuen Rotweine probiert werden, trockene und halbtrockene Spätburgunder- und Regent-Trauben schmeckten nach Holunder, Kirsche, Brombeere und Pflaume – ein Wein besser als der Andere. Wie sagte der Winzer: Im Wein ist die Poesie sonniger Tage. Man schmeckt die schonende Handlese, die viele Arbeit, die der Winzer geleistet hat, kann man nur erahnen. Wir haben am Steilhang schon mit gelesen und wissen was hier für eine anstrengende Arbeit hier geleistet wird. Eine Trauben-Lesemaschine kommt auf dem Demeter-Weingut Fuchs-Jacobus ebenso wenig zum Einsatz, wie jegliche Pestizide und chemischen Spritzmittel. Nur die selbst angerichteten biologisch-dynamischen Spritzpräparate werden verwendet, kein Gift wird hier auf dem Weinberg ausgebracht. Darum lebt der Weinberg und rundherum gibt es Wälder und Wiesen, Hecken und Brachflächen, Obst- und Nussbäume.

Die natürliche Vielfalt sorgt für eine artenreiche Tierwelt. Auch der Abstand der Rebstock-Reihen am Steilhang ist größer als normal, dadurch gibt es mehr Thermik und weniger Krankheiten. Das alles zusammen macht das Gefühl aus, bei einem Demeter-Weingut einen reinen und sauberen Wein zu trinken, ohne Pestizide, wie bei so vielen anderen Winzern.

Das Besondere bei dem Demeter Weingut Fuchs-Jacobus ist, dass alle Weine mit den natürlichen, auf der Traube vorkommenden Hefen vergoren werden. Die Gärung beginnt bereits in der Maische. Mit großer Sorgfalt und ständiger Kontrolle wird der Reife- und Gärprozess überwacht, denn bei der Gärung wird die geschmackliche Qualität des Weines bestimmt.

Als Abschluss der Weinprobe gönnte ich mir noch ein kleines Gläschen Wein-Destillat, ein 45% Weinhefebrannt, weich, mit einem feinen Duft nach Holztönen und Karamell, im kleinen Holzfass gereift – ein absoluter Hochgenuss.

Nach der Weinprobe wurden die Gäste zu einem Weinbergs-Rundgang eingeladen. Beim Spaziergang durch die herrliche Natur, bei frischer Luft und lebendiger Ruhe, konnte man die Artenvielfalt des Steyerbergs bestaunen, fernab von Hektik und Verkehr wähnte man sich hier in einer anderen Welt. Nach der Rückkehr zum Weingut wurden wir auch noch zu einer Kellerbesichtigung eingeladen, der Winzer wollte uns voller Stolz seine neuen Hochtanks aus V2A und V4A zeigen. Mit einem großen Kapitaleinsatz hat er sich zusätzliche Kapazitäten geschaffen.

Nachmittags gab auch noch Kaffee und Kuchen, aber mehr als ein Stück Käsekuchen konnten wir nicht essen. Damit nicht genug, jetzt wollte uns der neue Imker seine Demeter Bienenstöcke zeigen und auf die dramatische Notlage der Bienen, Hummeln und Schmetterlinge hinweisen. Die Biene wird durch den Einsatz von Pestiziden und Gentechnik in ihrem Lebensraum bedroht, Mensch und Natur müssen geschützt werden. Dafür wurde auch das Netzwerk Blühende Landschaften gegründet, Flugblätter wurden an alle Gäste verteilt, man sollte sich über das Bienensterben doch mal Gedanken machen. Wir hatten als langjährige Demeter Weinkunden in dieser Beziehung ein gutes Gewissen, keine Pestizide – kein Bienensterben.

Danach war für uns ältere Gäste die Weinprobe bei Fuchs-Jacobus vorbei, wir mussten uns verabschieden. Alle anderen Gäste wurde noch zu einem Winzerteller eingeladen, wobei nach Bedarf auch weiter Wein probiert wurde.

Am nächsten Morgen holten wir unseren bestellten Sekt Pinot Meunier brut ab, diese feine Flaschengärung mit Johannis- und Erdbeergeschmack soll bei uns zu Hause bei besonderen Gelegenheiten gereicht werden. Wir verabschiedeten uns vom Weingut und waren im frühen Nachmittag wieder zu Hause. Ein gelungenes Pfingstwochenende – oder in den Worten des Winzers Wilfried Jacobus: Es war ein sinnliches Gaumenfest, das Gold der Sonne war wieder nach einem Jahr Arbeit erfolgreich eingefangen worden. Vielen Dank!

Demeter-Weingut Fuchs-Jacobus

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Alle Bilder: bremerseefahrer

 

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4 Kommentare

  • EC sagt:

    Sehr schöner Artikel, der die Begeisterung des Autors gut ‚rüber bringt!
    Ich habe mir mal die Website des Weinguts angesehen, könnten echt ein paar interessante Sachen dabei sein.

    Erst gestern hatte ich jedoch wieder so ein Erlebnis mit einem Biowein, der hauptsächlich bio war und sonst nichts. Das schadet der ganzen Bewegung in meinen Augen leider. Meine persönliche -ganz platte- Erfahrung dabei ist: je größer das Bio-Siegel auf der Flasche prangt, desto schlechter der Wein. Dabei gibt es ausnehmend gute Bio- bzw. auch Demeter-Weine (meiner Meinung nach vor allem auch in A), bei denen ist das Bio-Siegel aber auch ganz unauffällig angebracht.
    Mir persönlich ist immer der Geschmack am wichtigsten. Wenn’s dann auch noch naturnah produziert wurde, umso besser!

    • sb sagt:

      Ja, das freut mich auch immer, wenn man etwas aus ganzem Herzen vertreten kann. Finde auch, dass sich das Weingut gut anhört…bin auch bald mal in der Nähe, vielleicht fahr ich dann vorbei.
      Du hast natürlich Recht: Nicht überall wo Bio draufsteht ist auch Geschmack drin – manchmal ist Bio das einzige Argument, das bei einem Genussmittel wie Wein dann nicht sonderlich überzeugend ist. Wie Du gesagt hast: Es ist schon lustig, dass je günstiger der Wein ist, desto größer das Bio-Logo ausfällt. Hatten das auch mal bei einer Bioweinprobe: Die günstigen Netto-Bioweine haben mindestens 4x Bio auf dem Etikett stehen… 🙂

    • bremerseefahrer sagt:

      Hallo EC, vielen Dank für das Lob, dabei bin ich gar nicht so geübt, etwas gut rüber zu bringen.
      Auf den Weinflaschen von unserem Demeter Weingut kommt das Wort Bio gar nicht vor, nur auf der Rückseite ganz klein Demeter.
      Ihr redet wohl mehr von den Billig-Bio-Weinen vom Discounter+ wer den trinkt hat selber schuld. Also ich hab mir so was noch nicht mal angesehen, geschweige denn getrunken
      Zum Schluss muss ich sagen, das mir die Gesundheit am Wichtigsten ist, wenn es nur um den Geschmack geht, Pestizide schmeckt man nicht, dann wäre es schade um den schönen Demeter Wein!!!! Dann mal Prost

  • Ein schöner Erlebnisbericht. Nicht nur Spaß haben, sondern auch noch gesunde Weine trinken. Mehr kann man nicht verlangen!

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