Kangaroo Ridge Shiraz: Ein Rewe-Rotwein-Test

Kangaroo Ridge Shiraz aus dem Rewe

Kangaroo Ridge Shiraz aus dem Rewe

Rotwein Rewe: Ein Super(?)markt-Wein für unter 4 Euro

Natürlich wollen wir unseren Wein am liebsten direkt vom Weingut kaufen, ebenso wie unser Gemüse und andere schöne Sachen auf dem Markt direkt von Erzeuger*innen aus unserer Nähe. Und natürlich sieht die Realität häufig ganz anders aus: Keine Zeit, kein Weingut in der Nähe, kein Geld im Portemonnaie…es gibt genug Ausreden und wirkliche Gründe, im Supermarkt bzw. Discounter einkaufen zu gehen. Z.B. Wein. Da können wir uns gar nicht ausnehmen…und außerdem stehen da immer so viele schöne, bunte Flaschen im Regal – da muss man doch stehen bleiben und mal schauen. So geschehen vor Kurzem im Rewe vor dem Rotwein-Sortiment. Es dürstete nach etwas Kräftigem, möglichst nicht so teuer. Entschieden haben wir uns für einen Shiraz aus Australien und die Antwort auf die spannende Frage, ob der wohl geschmeckt hat, wollen wir freilich nicht für uns behalten.

Rotwein Rewe: Kangaroo Ridge, Shiraz, South Eastern Australia, 2013 für 3,99 Euro – 13,5 Umdrehungen inklusive

Auf dem Etikett des Kangaroo Ridge Shiraz ist ein Känguru, genau genommen sogar zwei – wie schön, das Klischee lässt grüßen (ehrlich gesagt, haben wir ihn u.a. deswegen ausgewählt…). Welches Bild mag wohl die Etiketten von Weinen aus Deutschland, sagen wir mal einem typischen Riesling, zieren, die in Australien oder sonstwo feilgeboten werden? Ein deutscher Schäferhund? Naja, sei’s drum… Tiere gehen immer, auch wenn bei der Etikettengestaltung diesmal offensichtlich nicht so viel Zeit und Phantasie eingeplant wurden. Aber hey, dafür will Rewe für diesen Rotwein auch nur 3,99 € haben, also wollen wir uns nicht beschweren. (wenn Du wissen willst, wie Rotwein hergestellt wird…dann geht’s hier lang)

Kangaroo Ridge Shiraz

Hüpf, hüpf…der Kangaroo Ridge Shiraz kommt aus Australien…

Bevor wir am Glas schnuppern und uns einen ersten Schluck genehmigen, ist das Kangaroo Ridge-Etikett nochmal kurz Gesprächsthema in der Runde – und wird durchaus unterschiedlich beurteilt: Während eine Freundin meinte, dass genau so Billig-Weine aussähen, kam von anderer Seite der Einwand, dass das schwarze Etikett mit den goldenen Kängurus doch optisch etwas hermache auf einer Flasche Rotwein. Und ich persönlich mag einfach Kängurus…so einfach kann es sein.

Aber genug der Oberflächlichkeiten, widmen wir uns endlich dem australischen Shiraz aus dem Rewe. Die Nase zeigt sich auch gleich erfreut (auch wenn eine anwesende Gelegenheitsweintrinkerin einen leichten Essiggeruch ausgemacht haben will): Ein süßlich-beeriger Duft steigt aus dem Glas, fruchtig und eher leicht, wobei nach und nach auch eine Alkoholnote durchschimmert – korrekte Antwort auf diesen Kommentar: „…da ist ja auch Alkohol drin!“ Stimmt auch wieder. Es ist immer wieder erfrischend, im Beisein von Menschen Wein zu trinken, die im Alltag andere Getränke bevorzugen…

Ganz ähnlich wie bei unserem letzten Supermarkt-Shiraz – dem Wolf Blass Heritage Release Shiraz 2013 aus dem Aldi und ebenfalls aus Süd-Ost-Australien – kam ein Erdbeerduft zum Vorschein, der an die Soße von Spaghetti-Eis erinnert. Nur, dass dieses Aroma beim Kangaroo Ridge Shiraz aus dem Rewe nicht ganz so ausgeprägt ist. Zeit, den ersten Schluck zu nehmen…

Die Shiraz-Kängurus hüpfen durch den Mund – und bleiben in den Backen kleben…

…woraufhin sich ein süßlich-schwerer und zugleich süffiger Rotwein im Mund präsentiert, der für ein warmes Gefühl im Rachen sorgt. Fruchtmäßig geht’s in Richtung Johannisbeere. „Läuft“, ist die einhellige Meinung, wenngleich dieser australische Shiraz schon ziemlich gerbstoffbetont rüberkommt. Nicht wirklich bitter, aber eben sehr gerbig. Macht sich auch durch das pelzige Gefühl auf der Zunge bemerkbar. Aber in die andere Waagschale wirft sich eine fruchtige Note, sodass dieser Rewe Rotwein noch gut trinkbar bleibt. Dennoch könnten sich wegen der doch deutlich präsenten Gerbstoffe an dem Kangaroo Ridge Shiraz die Geschmacksgeister scheiden.

Noch eine Sache, die sehr auffällig ist: Dieser australische Shiraz hat was Öliges und bleibt im Rachen und v.a. zwischen den Backen richtig kleben und macht dabei auch keine Anstalten, auf absehbare Zeit wieder zu verschwinden. Aber gut: Was bei Menschen doch eher aufdringlich und unverschämt ist, verzeiht man einem Känguru schon eher. Ansonsten lässt sich zu diesem Rotwein auch gar nicht mehr viel sagen.Kangaroo Ridge Shiraz

Fazit: „Nicht spektakulär, aber auch nicht schlecht“ – darauf konnten wir uns schnell einigen. Für den Preis in Ordnung, zu bestimmten Anlässen erfüllt der Kangaroo Ridge Shiraz sicher seinen Zweck (bspw. eine Party, wo größere Mengen hermüssen). Zu einem Mousse au Chocolat könnte der auch ganz gut passen, haben wir aber nicht ausprobiert. Die Frage, ob wir ihn nochmal kaufen würden, konnte nicht einhellig beantwortet werden. Hat uns auf jeden Fall besser geschmeckt als der teurere Shiraz aus dem Aldi (s.o.)….

Und schließlich der obligatorische Blick ins Internet: Während wir an der Kasse für diesen Rewe Rotwein 3,99 € hinlegen mussten, gibt’s den Kangaroo Ridge Shiraz online schon ab 2,99 € … Frechheit!

Nachtrag: Da wir gleich zwei Flaschen Kangaroo Ridge Shiraz gekauft haben, war auch einen Tag später noch was über. Hat noch geschmeckt, war sogar etwas weicher und fruchtiger als am Vortag.

 

Bilder: …tastes like Wine!

3 Kommentare

  • EC sagt:

    Auch wenn ich jetzt sicher eine Minderheitenmeinung aus dem großen Feld ALLER Weintrinker vertrete: Ich kaufe keine Weine beim Discounter. Ich kaufe beim Winzer oder Fachhändler. Einzige, allerdings seltene Ausnahme: ich habe auch schon mal bei der Metro was aus dem Wein-Humidor mitgenommen, zuletzt einen Riesling von BattenfeldSpanier, den es so nur exclusiv dort gibt.
    Das mache ich zum einen so, weil ich nicht möchte, daß den Fachhändlern mehr und mehr das Wasser abgegraben wird, zum anderen, weil ich der Überzeugung bin, daß Wein zum Genießen da ist, und ein „Na ja, geht so“ ist ja -was das Genießen angeht- schon ein no go. Für mich jedenfalls. Entweder ganz oder gar nicht. Zugegeben: ich kann es mir leisten, anstatt der Deutschland-durchschnittlich etwas unter 3 EUR pro Liter (nicht pro 750 ml Flasche!) eher im Schnitt ca. 15 EUR/l auszugeben, aber wenn ich es nicht könnte, dann würde ich mir lieber eine Flasche kaufen, die richtig Spaß macht, als 5, bei denen jedes Mal nur ein „na ja“ rauskommt.
    Und beim Discounter (oder LEH) gibt es eben -das liegt in der Natur der Sache- nur massengängige Ware, eigenständige Sachen (die vielleicht auch mal jemanden verschrecken) gibt es da schon systembedingt nicht.
    Ist natürlich letztlich Geschmackssache und aufhalten werde ich diese Entwicklung wohl auch nicht, aber ich tue meinen kleinen Teil dazu, daß die derzeit so schön vielfältige Weinlandschaft in meiner erreichbaren Umgebung auch so vielfältig bleibt und nicht im Discounter-Einerlei untergeht.

  • sb sagt:

    Ja, so sollte es auch sein. Aber es gibt ja viele Lebensrealitäten und entsprechend viele Gründe, Wein im Supermarkt zu kaufen – oder auch eben nicht.
    Und das mit dem „Naja, geht so“ finde ich gar nicht so schlimm…wenn man gerne rumprobiert und nicht so viel Geld hat, kommt man um diese Situationen wohl nicht herum – und auch bei teureren Weinen habe ich das öfters. Und manchmal findet man durchaus angenehme Tropfen für vergleichsweise wenig Geld. Schließlich gibts noch hin und wieder Gelegenheiten, wo der „reine Genuss“ nicht so sehr im Vordergrund steht als eine gesellige Runde (die womöglich nicht nur aus geübten Weintrinker*innen besteht) und da kann so ein Wein wie der Kangaroo Ridge Shiraz durchaus bestehen… und nach dem zweiten Glas ists meist eh egal 🙂
    Aber grundsätzlich gebe ich Dir vollkommen Recht und wer das kann, sollte häufiger mal zum Erhalt der vielfältigen Weinlandschaft beitragen – by the way: Beim Weingut oder Fachhandel zu kaufen ist auch die beste Gelegenheit, vorher zu probieren und mehr über Wein zu erfahren.

  • EC sagt:

    Ja, es gibt unbestritten viele gute Gründe, das auch anders zu sehen und das soll von mir auch gar nicht kritisiert oder negativ gewertet werden. Ich habe auch viele Leute in meinem Bekanntenkreis, die sich nicht so nerd-mäßig wie ich mit Wein beschäftigen und dann immer den gleichen anspruchslosen Wein vom Discounter trinken und sich gut damit fühlen. Den Leuten sind dann halt einfach andere Dinge wichtig.
    Aber da ich doch ein bißchen mehr mit dem Weingenuß verbinde, sind die Discounter für mich nicht (mehr) die richtige Anlaufstelle.
    Mein billigster „Hammerwein“, an den ich mich erinnern kann, kostete übrigens 5,20 EUR / Flasche und war ein Grauburgunder aus Rheinhessen, den ich aber auch direkt beim Winzer gekauft habe. Der Nachfolgejahrgang hat dann allerdings keine Euphorie mehr verbreitet.
    Und wenn ich beim Winzer probiere und mit den günstigen Flaschen anfange, dann hängen die edleren (und dann meist auch hochpreisigeren) Tröpfchen die Basisweine in der Regel so weit ab, daß mir diese dann meist keinen Spaß mehr machen. Erfahrungsgemäß wird es für meinen Geschmack erst ab 8 EUR/Fl. interessant, darunter finde ich (leider) ganz selten mal was…

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