Steil(vor)lage, Familienklüngel und Weinbergsrallye: Ein informativer Betriebsausflug an die Mosel

…tastes like Wine! meets Weingut Platz

Mosel WeinWenn man an die Mosel will, sollte man Zeit einplanen. Sicher auch, um einen stressfreien Aufenthalt zu haben. Vor allem aber, um dort hin zu kommen. Denn zwischen den beiden „Moselmetropolen“ Koblenz und Trier gibt es keine Autobahn. Schön eigentlich. So muss man, um an die Mittelmosel zu gelangen, über Bundes- und Landstraßen, durch Wälder und Weinberge tuckern. Und die Mittelmosel war diesmal auch unser Ziel, genauer das südöstlich von Bernkastel-Kues gelegene Veldenz. Hier liegt das Weingut Platz, das wir uns mal genauer anschauen wollten – nicht nur des Namens wegen, der zu zahlreichen Wortspielen animiert (darauf kommen wir später nochmal zurück), sondern v.a. weil wir gehört haben, dass es sich um ein nettes kleines Weingut handelt, das guten Wein hervorbringt.

Weingut Platz Mosel

Die Familien Platz und Kochan: In der Mitte Nicole, links ihr Mann Oliver, rechts ihr Vater Aribert

Nicole Kochan-Platz und ihr Mann Oliver Platz waren denn auch so freundlich, uns in netter, privater Atmosphäre ihre Weine zu präsentieren und dabei ein wenig zu plaudern. Die beiden stammen aus richtigen Winzerfamilien und betreiben selbst seit 2006 Weinbau – anfangs auf überschaubaren 1.000 Quadratmetern. Daraus sind mittlerweile etwa 2,8 Hektar geworden, ein Großteil davon Steillagen. Zwar nicht direkt am Fluss, aber immerhin relativ steil und somit moseltypisch. Ein Teil dieses Flächenzuwachses geht auf das Konto von Olivers Vater, der den Weinbau komplett an den Nagel gehängt hat und sich fortan nur noch um sein Weinhotel in Veldenz kümmert. Und bald steht auch noch eine Fusion mit dem Weingut Kochan von Nicoles Vater Aribert an, der netterweise auch zu unserer Runde gestoßen ist – mit verschmitztem Lächeln, das er den Rest des Tages auch nicht ablegte, Respekt!

Weingüter, Wein-Hotel, Wein-Events – alles dreht sich um Wein

Weingut Platz Weinhotel

Das Weinhotel Platz

Nicole und Oliver haben die Zuständigkeitsbereiche klar verteilt: Während er sich um die Weinberge und den Keller kümmert, ist sie die „Frontfrau“, zuständig für Marketing und Verkauf – was sie unter dem Label „Weinstyle“ zusammengefasst hat. Unter diesem Namen verkauft sie nicht nur die eigenen Weine sowie die ihres Vaters, sondern organisiert auch zahlreiche Veranstaltungen, die sich – nicht schwer zu erraten – alle um das Thema Wein drehen. Genauer gesagt um den Familien-Wein und gutes Essen.

Die Idee, Wein-Events zu veranstalten, wurde quasi aus der Not geboren: Weil das Weingut zu klein war, um über den Handel zu vertreiben, und weil trotzdem ein „Platz“ für die eigene Weinkollektion gefunden werden sollte, musste man sich etwas einfallen lassen. Und offensichtlich wurde damit ein Nerv getroffen: Die regelmäßig stattfinden Veranstaltungen „Schiefer geht’s nicht“ (in Anspielung auf die charakteristischen Schieferböden der Region) und „Schokolinarium“ erfreuen sich laut Nicole großer Beliebtheit und sind stets schnell ausverkauft. Für beide Veranstaltungstypen werden Essen bzw. die eigens von einer Patissière kreierte Schokolade aufeinander abgestimmt: Da geben wir uns viel Mühe, machen Testessen und nehmen bis zuletzt ein Feintuning vor, bis alles optimal zusammen passt, erzählt Nicole.

Weingut: von öde bis faszinierend

Weingut Platz MoselNebenbei erfahren wir, dass Nicole vor rund zehn Jahren Mosel-Weinkönigin und darauf Deutsche Weinprinzessin war – ein „Ehrenamt“ mit über 200 Terminen im Jahr. Von Hongkong über Berlin bis Hintertupfingen. Anstrengend sei es gewesen, aber auch aufregend. Während der Blick auf Wein in Kindheit und Jugend v.a. durch Arbeit geprägt war, hat Nicole während ihrer Zeit als Mosel-Weinkönigin und im Jahr darauf als Deutsche Weinprinzessin die andere Seite kennengelernt: Genuss, Kultur, Leidenschaft…da hat sich der Schalter umgelegt. Als Kind und Jugendliche wollte sie nie in den Weinberg – das fand ich öde. Auch in der Ferienzeit steht auf einem Weingut immer Arbeit an, das ist für ein Kind manchmal nicht so schön. Aber sie musste auch nicht in den Weinberg, nur sonntags schick anziehen, falls noch Kund*innen auftauchen… Er hingegen sei früher von seinem Vater dazu gezwungen worden, schon als Kind richtig im Betrieb mitzuarbeiten, erzählt Aribert. Eine andere Zeit… Heute geht Nicole gerne Trauben lesen, da es eine willkommene Abwechslung zum Büroalltag bietet: Alles ist so schnelllebig heute, da wächst die Sehnsucht nach der Natur.

Welche Mosel-Seite ist die bessere?

Weingut Kochan MoselWie bereits erwähnt, sollen im Juli dieses Jahres beide Familienbetriebe zum Weingut Kochan-Platz zusammengeführt werden – wobei die kleinen Sticheleien, von welcher Mosel-Seite nun die besseren Weine stammen, sicherlich nicht aufhören werden. Welche Weine sind denn nun besser, die von der nördlichen Mosel-Seite (wo das Weingut Kochan in und um Lieser seine Weinberge hat) oder die von der südlichen Mosel-Seite (wo Veldenz liegt), wollen wir wissen? Natürlich in Veldenz, meint Oliver – natürlich in Lieser, hält Nicole entgegen. Aha. Da ist Blut offensichtlich dicker als das angeheiratete Wasser. Bzw. Wein. Egal, beide lachen, kann nicht so schlimm sein. Aber im Ernst, die Moselseite macht sich schon bemerkbar, die Weine schmecken unterschiedlich, obwohl die Lagen eigentlich gleich oder ähnlich ausgerichtet sind, so Oliver, und erklärt: In Veldenz herrschen mineralische Schieferböden vor, während in Lieser eher kräftigere, lehmige Böden zu finden sind. Ist schon interessant. Während des Ausbaus im Keller tauschen wir uns aber regelmäßig aus, probieren gegenseitig und unterstützen uns.

Weingut Platz Veldenz

Oliver Platz bei der Arbeit

„In Veldenz steht irgendwo ein Schild: Bitte hier hageln“

Wobei die Region um Veldenz offenbar klimatische Besonderheiten aufweist: 2014 sei eigentlich ein guter Jahrgang gewesen, nur der viele (Platz-)Regen im Herbst und das damit einhergehende feucht-warme Klima – und dann kam auch noch die ungeliebte Kirschessigfliege – bescherte einen außerordentlich hohen Arbeits- und Zeitaufwand – selektieren, selektieren, selektieren war angesagt. Die letzten Jahre sei wirklich jedes Jahr anders gewesen, Hagel (der teils 50 – 90 Prozent der Ernte vernichtete), Spätfröste, Fäulnis – aber das Gute dabei: Wir haben sehr viel gelernt. Aber trotzdem träumen wir von einem Jahr ohne Extreme, so Nicole. Wegen des unberechenbaren und in der Region scheinbar häufiger auftretenden Hagels, hat das Weingut Platz eine Hagelversicherung – sowas gibt’s und sichert ab, ist aber teuer. Der Hagel ist wirklich ein Problem: nicht nur, dass man mehr oder weniger hohe Ausfälle und Folgeschäden zu verzeichnen hat, auch der nachfolgende Arbeitsaufwand im Weinberg steigt erheblich. Wer einen sicheren, gut kalkulierbaren Job sucht, sollte also nicht Winzer*in werden… Und wenn die Natur mal brav ist, wird anderweitig für Wirbel gesorgt: Letztes Jahr ist in unseren wichtigsten Weinberg, dem Weißburgunder, während der ADAC-Rallye ein Auto reingerast…na klasse, lacht Oliver. Aber durch die vielen Extreme, die wir in den Jahren schon erlebt haben, haben wir uns auch eine gewisse Coolness aufgebaut, meint Nicole. Und gestresst sieht sie wirklich nicht aus.

…endlich Wein!Wein Weingut Platz

Im Schnitt kommt das Weingut auf einen Ertrag von 5.000 – 8.000 Liter pro Hektar – erlaubt sind an der Mosel bis zu 12.500 ha. Also steht auch abgesehen von den klimatischen Widrigkeiten nicht Menge, sondern Qualität im Vordergrund – Zeit, den ersten Wein zu probieren und das Gesagte zu überprüfen. Zunächst wurde ein gut gekühlter Weißburgunder serviert, aktueller Jahrgang, frisch abgefüllt. Oliver erzählt dabei sichtlich stolz, dass der Weißburgunder vor einigen Jahren vom Magazin Stern unter die 25 besten Sommerweine gewählt wurde – seitdem sei ihr Weißburgunder immer schnell ausverkauft. Und tatsächlich: Der Weißburgunder vom Weingut Platz gehört zu den besten, die wir in der letzten Zeit getrunken haben. Frisch und fruchtig, liegt gut im Mund mit angenehmer Säure – und mit 6 Euro noch bezahlbar. Unser Weißburgunder steht auf einer Schiefersteillage – eigentlich eine typische Rieslinglage. Dadurch hat er eine besondere Eleganz, denn normalerweise ist Weißburgunder ja etwas breitschultriger, erklärt Nicole.

Apropos Steillage

Mosel Wein

An der Mosel ist alles steil…

Wer im Zusammenhang mit Wein an die Mosel denkt (in welchen anderen Zusammenhängen sollte man das auch tun?), hat neben Riesling sicher auch gleich die berühmten Steillagen vor Augen. Immer häufiger berichten die Medien in der letzten Zeit, dass viele Weingüter die arbeitsaufwendige Bewirtschaftung ebendieser Lagen eingestellt haben und immer mehr steile Rebflächen brach liegen – die Politik legt bereits Förderprogramme zur Wiederaufnahme der Steillagen-Bewirtschaftung auf. Aber um wieviel höher ist eigentlich der Arbeitsaufwand im Weinberg? Bei einem normalen Weinberg kannst Du im Schnitt etwa 350 Stunden pro Hektar Rebfläche rechnen – bei einem Minimalschnittsystem und kompletter Maschinisierung kannst Du mittlerweile auch auf 200 Stunden kommen – das gibt aber keine guten Weine. Während meiner Ausbildungszeit waren es an den Moselhängen fast 2.000 Stunden pro Hektar, alles von Hand, das war wirklich harte Arbeit, erklärt Aribert. Mittlerweile sind aber auch dort viele Arbeitsvorgänge mit Hilfsmaschinen durchführbar. So gibt es bspw. Anhänger, die oben im Weinberg platziert werden können und die über einen Seilzug eine Raupe für die Bodenarbeiten hoch- und runterfahren lassen können. Dafür musste man sich aber von der traditionellen „Mosel-Herzbindung“ (bei der zwei Reben herzförmig am Stock zusammengebunden werden – kein Maschineneinsatz möglich) verabschieden und sich der modernen „Spaliererziehung“ zuwenden, bei der die Reben am Draht stehen. So ergebe sich mittlerweile ein „nur“ noch um rund 40 Prozent erhöhter Arbeitsaufwand – steilste Steillagen ausgenommen…

Ein Platz an der Sonne…

Bernkastel-Kues Wein

Im unweit von Veldenz und Lieser gelegenen Mittelmosel-Tourimekka Bernkastel-Kues ist man buchstäblich unter alten Freunden und kann sich in gepflegter Heimatfilm-Atmosphäre die Sonne auf den Weinwanst scheinen lassen.

Dann wurde endlich ein Platz an der Sonne eingenommen – zwar war es tatsächlich sonnig an diesem Tag, allerdings handelt es sich in diesem Fall beim „Platz an der Sonne“ um einen frisch abgefüllten, trockenen Rivaner. Bei diesem Weinguts-Namen dränge sich eine solche Namensgebung ja förmlich auf, wie Nicole ausführt: Wenn wir schon einen bildhaften Namen haben, wollten wir auch ein wenig damit spielen. Ich habe mir überlegt, welche Wortspiele am besten zu welchem Wein passen und so ist unsere neue Linie entstanden. Sie sollte ansprechend und fröhlich, aber trotzdem gradlinig sein. …dann schaun wir mal, ob es sich wirklich um einen schönen Sommer-Sonnen-Wein handelt: Auch wenn wir nicht gerade ausgewiesene Rivaner-Freunde sind, dieser hier mundet wirklich. Leicht, rund, fruchtig, aber unaufdringlich, mit vornehm zurückhaltender Säure und einem frischen traubigen Abgang (und nur mal so am Rande, falls Ihr euch das fragt: wir kriegen kein Geld oder sonstige Vergünstigungen vom Weingut) – können wir uns wirklich gut als Sommerwein vorstellen, v.a. auch für Leute, die gerne Weißwein trinken, aber Säureprobleme haben.

„Moselweine sind spritziger“

Und jetzt der Mosel-Klassiker: Riesling – quasi der Platzhirsch… Wir sind gespannt. Die Mosel-Rieslinge sind anders als bspw. Rieslinge aus Rheinhessen: spritziger, meint Aribert und führt das v.a. auf die Schieferböden, die in den Steillagen dominieren, zurück. Und was ist der Unterschied zum ebenfalls berühmten Rheingau-Riesling? Der ist schon ähnlich, so Aribert. Aber im Rheingau sind alle Rieslinge entweder richtig trocken oder edelsüß. Wenn ich davon viele probiere, sehne ich mich irgendwann nach einem leichten, feinfruchtigen Kabinett. Rheingauer Weine haben eine andere Art der Mineralität und sind auch adstringierender. Die sind schon hervorragend, aber im Gesamtprogramm fehlt mir im Rheingau die Leichtigkeit, erzählt Nicole. Apropos Mineralität: kürzlich haben wir in einem kleinen Artikel darüber berichtet, dass Geolog*innen anzweifeln, dass die von den Reben aufgenommenen Mineralstoffe aus dem Boden im Wein geschmacklich wahrnehmbar seien – für das Weingut Platz, ebenso für das Weingut Kochan, steht aber außer Frage, dass die geschmacklich wahrnehmbare Mineralität eines Weines untrennbar mit dem jeweiligen Boden zusammenhängt…wir sollten doch mal in einen Weinberg gehen und an einen Stück Schiefer lecken: der leicht salzige Geschmack lasse sich besonders gut in fruchtigen Rieslingen auf der Zunge wiederentdecken, meint Nicole. Gute Idee, wir beauftragen Lunes für den Feldtest…

Lunes tastes like wine

Für die unkreativen Betrachter*innen: Das ist natürlich ein Stück Schiefer, das Lunes da in der Hand hält…sieht man doch!

„Ob man das analytisch belegen kann, weiß ich nicht. Sensorisch aber auf jeden Fall!“

(Nicole Kochan-Platz)

Riesling Kochan MoselAber zurück zum Wein, der uns gerade vom Tisch aus zuzwinkert. Entsprechend seiner Bedeutung für die Region trägt der Riesling den Namen „Lieblings-Platz“. Wir haben einen 2013er eingeschenkt bekommen, schon etwas gereifter und daher nicht mehr superspritzig, aber trotzdem noch prickelnd mit leichter Zitrusnote. Zum Vergleich wird im Anschluss eine Flasche des Weinguts Kochan geköpft: Riesling trocken, 2014er Jahrgang, Alte Reben (so darf man einen Weinberg nennen, der mindestens 25 Jahre alt ist)… für so etwas kann man im Rheingau locker 15 Euro und mehr hinlegen, Aribert Kochan begnügt sich mit vergleichsweise bescheidenen 6 Euro die Flasche. Der Alte Reben-Riesling ist frischer, kräftiger und überzeugt mit einem langlebigeren Abgang…gefällt uns sehr gut.

Die Mosel und der Riesling

Aribert Kochan: Riesling wird nicht umsonst die Königin der Rebsorten genannt. Diese Frische und Mineralität haben die meisten anderen Rebsorten nicht. Riesling ist schon das Beste – wenn man ihn mag…

Früher durfte vor dem Hintergrund eines Reblaus-Befalls und per Kurfürsten-Dekret an der gesamten Mosel nur noch Riesling angepflanzt werden – alle anderen Rebsorten wurden dem Boden gleich gemacht (wobei ein paar Rebflächen in der Nähe von Trier und Cochem vergessen wurden…). Vor einiger Zeit wurde das wieder gelockert und als erstes hat sich der Müller-Thurgau bzw. Rivaner dazugesellt, als Riesling-Alternative mit weniger Säure. Rotwein-Sorten waren noch lange tabu, erst vor wenigen Jahrzehnten wurden auch sie zugelassen.

So, nächstes Thema…

Schiefer MoselBeim Blick auf die Weinkarte – hier und andernorts – , das dürfte den meisten schon mal aufgefallen sein, fallen die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Weinen ins Auge. Da wird bspw. eine Flasche Rivaner für 5,50 Euro und eine Flasche Weißburgunder für 6 Euro angeboten – wahrscheinlich hat sich schon häufiger mal die Frage gestellt, warum das so ist. Wird da gewürfelt, orientiert sich das an der Nachfrage oder ist das ein exaktes Abbild der jeweils aufgewendeten Arbeit? Das sei ein schwieriges Thema, meint Nicole. Aber die meisten Preise lassen sich doch auf den jeweiligen Arbeitsaufwand zurückführen: Unser Rivaner wächst bspw. auf einer vergleichsweise flachen Lage, da lässt sich viel maschinell machen und entsprechend günstiger können wir ihn anbieten. Bei einer Steillage sieht das schon anders aus. Und schließlich spielt auch die Erntemenge bzw. die Selektion eine Rolle, da stecke ich einfach mehr Zeit rein und hole weniger raus, erklärt Nicole. Aber 1:1 lasse sich das nicht abbilden, führt sie weiter aus, und kommt nochmal auf den gefürchteten Hagel zu sprechen: Wenn dieser einen großen Teil der Ernte zerstöre und der Weinberg entsprechend wenig Ertrag bringe, lasse sich der eigentlich notwendige Preisaufschlag nicht umsetzen, da er gegenüber den Kund*innen nicht vermittelbar sei. Und klar: Bei einigen Weingütern bezahle man auch das Renommée mit.

Cuvée: 1 + 1 = 3?

Weingut Platz CuvéeBevor uns vor lauter Reden die Münder trocken werden, kommt der nächste Wein auf den Tisch: ein 2013er Cuvée feinherb (5,50 €), für den Oliver 80 Prozent Riesling und 20 Prozent Rivaner zusammengeführt hat. Während die kultivierte Seite von …tastes like Wine! den Kenner gibt und – selbstverständlich – die Ursprungsrebsorten dieses Cuvées erkannt hätte (behaupte ich auch nächstes Mal, wenn es mir zuvor schon erzählt wurde), erfreue ich mich einfach des fruchtig-frischen, säurereduzierten Tröpfchens, das mit seiner dezenten, unaufdringlichen Süße sicher einen guten Speisebegleiter abgeben würde. Riesling und Rivaner sind zwei Rebsorten, die sich super verstehen, bekräftigt Nicole. Aber sie muss uns gar nicht überzeugen – schmeckt. Wobei wir solo dann doch zur trockenen Variante greifen würden. Aber, wie gesagt, zum Essen…

So, zum Schluss kommt noch der Rosé auf den Tisch. Der ist immer schnell vergriffen, erzählt Oliver, und Nicole ergänzt: Ein guter Rosé ist ein toller Barbecue-Wein im Sommer. Aha, mal probieren. Der Rosé heißt übrigens „Platz zum Träumen“, schmeckt ganz gut, fruchtig, aber auch ziemlich süß, zumindest wenn man trockene Weine gewohnt ist – muss man mögen. Uns schmeckt er jedenfalls, wobei er die Gefahr in sich birgt, eher wie Limonade getrunken zu werden… Apropos trocken und süß: Der Trend geht ja zu trockenen Weinen. Aber auf den Weinfesten sind die Top-Seller die süßen Weine, erzählen Oliver und Nicole, mit einem trockenen Riesling brauchst Du da nicht kommen.

Und natürlich kommen wir auch irgendwann auf den Weinverschluss zu sprechen. Während für Nicole und Oliver die Sache klar ist – Schraubverschluss! -, erzählt Aribert, dass er schon Sorge hatte, vom klassischen Korken wegzugehen, da er befürchtete, seine alten Stammkund*innen damit zu verprellen. Aber genau das Gegenteil sei eingetreten: Gerade die ältere Kundschaft habe die praktischen Vorzüge der Schrauber zu schätzen gelernt. Umgestellt habe man nicht, um Kosten zu sparen, sondern weil es immer wieder Probleme mit den Korken und entsprechende Beschwerden gab. Irgendwie bedauerlich, dass die meisten Weingüter mittlerweile zur „Schraube“ greifen, andererseits aber auch verständlich – ein komplexes Thema, zu dem Ihr bei Interesse hier mehr erfahren könnt.

Last, but not least: Rotling ist kein Rosé und Winterruhe gibt’s nicht

Druckluft-Kelter

Eine moderne Kelter, die mit Druckluft arbeitet, um die Trauben möglichst schonend zu pressen.

Bei der späteren Führung durch den Keller erzählen Aribert und Oliver, dass sie häufiger gefragt werden, was sie denn eigentlich im Winter so machen – da habe man doch sicher viel Ruhe. Wenn die Leute wüssten… Von Oktober bis April arbeiten wir im Keller am Ausbau des Weines. Zwar nicht jede Minute, aber das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Während der Gärung bist du ständig im Keller, musst alles im Auge behalten, erzählt Oliver. Wenn da was schief laufe, könne man das nicht mehr korrigieren. …

Dann wird noch ein Rotling hervorgeholt…Rotling, was soll das denn sein? Während es sich bei einem Rosé um eine rote Rebsorte handelt, werden für einen Rotling weiße und rote Trauben zusammen gepresst, erklärt Oliver. In Württemberg kennt man den als Schiller-Wein, so Aribert und erzählt, dass diese Weinsorte an der Mosel sehr verbreitet ist. Als im Weinbaugebiet Mosel die ersten roten Rebsorten zugelassen wurden, gab es anfangs einen steten Mangel. Man wollte Rotwein machen, hatte aber nicht so viele Trauben zur Verfügung. Also hat man sich für etwas Rosé-ähnliches, den Rotling, entschieden und er kam gut an. Aha, wieder was gelernt. Und tatsächlich: Der Rotling riecht und schmeckt ganz anders als der Rosé. Spritziger und nicht so süß. Wirklich lecker.

Platz_Weine_draussen

Alle Weine, die wir probiert haben, waren sehr gefällig: spritzig, fruchtig und ohne Ecken – das dürfte vielleicht einige Spezialist*innen stören, aber aus unserer Sicht waren das tolle, runde Trinkweine, die zudem mit Preisen zwischen 5 und 6 Euro bezahlbar sind. Allein der Dornfelder, den wir später zum Essen hatten, hat uns nicht so gut gefallen. Der war auf kräftig und rauchig getrimmt, kam uns jedoch etwas unstrukturiert vor und verursachte eher einen unharmonischen Geschmackseindruck. Dafür kann man mit dem Spätburgunder nix verkehrt machen…

 

Und zuguterletzt: Platzverweis!

 

Also Leute: Kauft nicht nur im Supermarkt, gell…

Kleines Quiz zum Schluss:
Wer alle Wortspiele im Text findet, darf sich auf die Schulter klopfen und einen Moselwein einschenken…

 

Bilder: Weingut Platz, …tastes like Wine!

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