Band-Wein: Musik in der Flasche?

ACDCGestern hatten wir es ja schon mit Musik und Wein. Wer da auch nur kurz die Fühler ausstreckt, bekommt sogleich mit, dass es jenseits der Wahrnehmungsebene vielfältige weitere Berührungsebenen gibt. Mittlerweile vermarkten zahlreiche Musiker*innen oder ganze Bands ihren eigenen Wein – und die treuen Fans kaufen die teuren Tropfen sicher ergeben. Band-Wein – ein neues kulinarisches Genre?

Die, die es wirklich „geschafft“ haben, kaufen sich natürlich gleich ihr eigenes Weingut – Sting oder Cliff Richards sind da prominente Beispiele. Wirklich groß aber ist mittlerweile die Anzahl der Bands, die zusammen mit einem Weingut einen eigenen Wein kreieren oder vielleicht auch nur ihr Logo draufpappen, wer weiß? Was dabei auffällt: Interessanterweise sind darunter überdurchschnittlich viele Rock- und Metal-Bands – das war doch mal ein Gegenpart zum Exklusivem und Kultiviertem, das dem Wein (wenn auch abnehmend) immer noch anhaftet. Vielleicht liegt aber auch gerade darin die Erklärung: Wenn Du den Olymp erklommen hast, kommst du eben auf extravagante Ideen. Oder die Leute werden einfach alt…

Metal-Wein: Rot wie Blut

Die Vielzahl der Metal-Bands ist schon auffällig. Nun, ich bin kein großer Freund dieser Musikrichtung, aber die Kreationen sind wirklich erheiternd: Die Weine heißen bspw. „Reign in Blood“ (ein Cabernet Sauvignon von Slayer – gibt’s auf Wunsch auch stilecht im „Weinsarg“ geliefert… und als merchandiseerprobte Musikikone beschränkt sich Slayer freilich nicht auf Wein, sondern hat auch gleich die passenden, teuren Weingläser dazu) oder „Demon prince“ (ein sizilianischer Inzolia von Kreator). Die Liste der Bands ließe sich fortführen: Iron Maiden, Blind Guardian, Grave Digger, Motörhead usw. Alles natürlich reichlich mit Totenköpfen und anderem morbidem Zeug geschmückt. Ob da die Phantasie dahintersteckt, Blut zu trinken? Man weiß es nicht…aber ein netter Kontrast zu dem Gros der gesetzten Aufmachungen ist es allemal. Auch für die älteren Semester ist übrigens gesorgt (wobei die genannten Bands mittlerweile auch schon recht alt sind): Natürlich haben auch die Rolling Stones (Forty Licks, ein kalifornischer Merlot), Kiss (Zin Fire, ein kalifornischer Zinfandel), Pink Floyd (The Dark Side of the Moon, ein kalifornischer Cabernet Sauvignon) oder AC/DC eigene Weine. AC/DC hat sogar in Zusammenarbeit mit einem australischen Weingut gleich eine ganze Wein-Kollektion auf den Markt gebracht: von süß bis staubtrocken, für jede*n was dabei. Die Weine heißen bspw. „Back in Black Shiraz“ oder „Highway to Hell Cabernet Sauvignon“.

Steckt da nun billiger Wein in der verzierten Flasche, die teuer verkauft wird? Im Internet ist keine Flasche unter 10 Euro zu finden, die meisten liegen weit darüber. Tatsächlich ist es so, dass sich die meisten Bands mit renommierten Winzer*innen bzw. bekannten Weingütern zusammengetan haben. Wahrscheinlich sind die Weine sogar gut trinkbar. Auf jeden Fall scheint es ein Geschäft zu sein: Es gibt sogar spezialisierte Webseiten bzw. Onlineshop (bspw. „Metal and Wine“ oder Rock Drinks“), die nur Wein und Spirituosen von Metal- oder Rock-Bands verkaufen. Na sowas.

Motörhead

Lemmy von Motörhead

Ein weiteres, bekanntes Beispiel wurde noch nicht genannte: Die Toten Hosen. In diesem Fall kam die Band nicht auf die Idee, sondern wurde von einem Nahe-Winzer angefragt, ob Interesse an einer Kooperation bestehe – und bekanntlich ist er auf offene Ohren gestoßen. Der erste Wein „Machmalriesling“ ging weg wie warme Semmeln, sodass darauf der zweite Bandwein folgte: „Weißes Rauschen“, benannt – na klar – nach einem Song der Band. Mittlerweile sind schon mehrere Jahrgänge draussen.

Gerade im Rock’n’Roll-Bereich werden die Fans ja auch nicht jünger…da kann man schon mal einen Wein auf den Markt bringen. Gespannt darf man sein, was in 10 Jahren von Toten Hosen, Slayer und Co zu erwarten ist: der Blood Racer-Rollator? Oder ein Rotten Eggs-Eierlikör? Dann doch lieber der Wein, oder?

Wie auch immer: ob es sich beim Band-Wein um eine reine Erweiterung der Merchandise-Palette handelt oder darin die im Alter gewachsene Leidenschaft zum Wein (sind ja alles alte Leute mittlerweile, wurde das schon erwähnt?) zum Ausdruck kommt, mag von Band zu Band unterschiedlich sein – und ich kann das aus der Ferne nicht beurteilen. Kenn die ja gar nicht persönlich.

Probieren würde ich die Weine aber natürlich gerne mal, am besten alle zusammen – ob sich da die unterschiedlichen musikalischen Charaktere widerspiegeln?

Quellen: handelsblatt.de, wanted.de, metal-and-wine.com, rock-drinks.de, dietotenhosen.de, n-tv.de

Bildernachweis in auftretender Reihenfolge:

clpanaza/CC BY 3.0 , Quelle: http://clpanaza.deviantart.com/art/Portfolio-y-Hoja-de-Vida-291375686

Rama/Cc-by-sa-2.0-fr , Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/25/Motorhead-IMG_6383.jpg

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