Wein und Musik = besondere Geschmackserlebnisse?

Wein und Musik

Wein und Musik: wenns passt, dann schmeckts?

…zumindest wenn Wein und Musik optimal aufeinander abgestimmt sind. Das behauptet die Gruppe „voce:divino – Wein und Klassik“, die in Kürze ihren ersten öffentlichen Auftritt in Hamburg hat. Das Konzept: Zu jedem neuen Stück wird ein anderer Wein gereicht, der geschmacklich mit der Musik korrespondieren soll. Und auch während einzelner Musikstücke sollen die Zuhörer*innen auf ihre Sinne achten: verändert sich die Musik, soll sich entsprechend auch die Wahrnehmung des Weines wandeln – sanfte Töne sollen den Weingeschmack bspw. harmonischer werden lassen. Die Gruppe spricht von einem „radikalen“ Erlebnis. Und umgekehrt soll auch der Wein das Hörempfinden beeinflussen, indem der gereichte Tropfen die „Sensibilität für die Nuancen und die Vielschichtigkeit der Musik auf eine andere Stufe hebt“.

Erdacht hat dieses Konzept der Grazer Kunstprofessor Chia Chou, der gemeinsam mit dem „Regisseur“ Georg Rittstieg sowie ausgewählten Musiker*innen und Sommeliers die Gruppe voce:divino bildet. Die zum Konzert gereichten Weine sollen von dem jeweiligen Sommelier „perfekt“ auf die Musik abgestimmt sein – die Gruppe wirbt mit einem „vinophilen Klangerlebnis“. Hört sich alles furchtbar kultiviert an, aber warum nicht. Dass unterschiedliche Situationen ebenso wie innere Zustände die Wahrnehmung und das Geschmacksempfinden beeinflussen können, ist ja bekannt. Den Zusammenhang zwischen Wein und Musik genauer zu ergründen, ist sicher spannend – vielleicht testen wir mal aus, ob sich auch andere Musikrichtungen für vinophile Klangerlebnisse eignen…

Wein und Musik: Uni empfiehlt Jimi Hendrix

sing…und natürlich haben andere das auch schon getan – heutzutage kann man aber auch wirklich kein Neuland mehr betreten. Das Institut für Psychologie der Hariot Watt Universität in Edinburgh hat gemeinsam mit einem chilenischen Weinproduzenten eine Studie mit 250 Student*innen der Uni durchgeführt, die sich bei unterschiedlicher Beschallung durchs chilenische Weinsortiment getrunken haben.

Es kam heraus, dass der Geschmack eines Cabernet Sauvignons umso intensiver empfunden werde, je „schwerer“ die Musik sei (was auch immer damit gemeint ist – siehe die folgenden Beispiele), während ein Chardonnay umso besser bei „schwungvollen“ Melodien geschmeckt hat. Aha. Das Tollste aber: Die Wissenschaftler*innen haben aus dem Projekt sogar Songempfehlungen herausgearbeitet. Zu Cabernet Sauvignon empfehlen sie bspw. „All Along The Watchtower“ von Jimi Hendrix, „Honky Tonk Woman“ von den Rolling Stones, „Won’t Get Fooled Again“ von The Who oder „Live And Let Die“ von Paul McCartney. Klingt auch schwer nach einem besonderen Musikgeschmack, aber wenigstens mal was anderes als Klassik. Wobei: Kennt Ihr die Lieder? „Schwer“ ist was anderes, oder?

Ihr steht eher auf Chardonnay? Dann hoffen wir sehr, dass Ihr „Atomic“ von Blondie, „Rock DJ“ von Robbie Williams, „Spinning Around“ von Kylie Minogue oder „What’s Love Got To Do With It“ von Tina Turner im Plattenregal steht habt – nach Ansicht der Psycholog*innen die beste Wahl.

Musik beeinflusst den Weinkauf im Supermarkt

megaphoneDie schottischen Psycholog*innen erklärten, dass bestimmte Musikarten jeweils bestimmte Hirnareale stimulieren. Dies kann zu einer veränderten Wahrnehmung führen, bspw. beim Weintrinken. Der Studienleiter verwies in diesem Zusammenhang auf eine andere Studie, die ebenfalls untersuchte, wie Musik das Verhalten von Menschen beeinflussen kann – in dem Fall das Kaufverhalten von Leuten in der Weinabteilung eines Supermarkts. Mit Ergebnissen, die sich irgendwo zwischen witzig und beängstigend bewegen: tatsächlich kam heraus, dass die Käufer*innen rund 3 Mal häufiger zu französischen Weinen griffen, wenn französische Akkordeonmusik gespielt wurde und entsprechend häufiger deutsche Weine aus den Regalen fischten, wenn zünftige deutsche Blasmusik aus den Boxen quoll. Wie war das nochmal mit dem eigenen Willen und der Selbstbestimmungsfähigkeit des Menschen?

Last but not least: Wein und Musik im Keller

Wein und Musik zusammenzubringen, ist auch an anderer Stelle keine neue Idee: Manche Winzer*innen beschallen ihre Keller während der Weinherstellung bzw. der Gärung, des Ausbaus oder der Fassreifung mit Musik und sind davon überzeugt, dass die freilich positiven Schwingungen (in den meisten Fällen wird es sich sicher auch um Klassik oder eine dieser Entspannungs-CDs handeln) den Hefen oder dem Wein im Allgemeinen nur Gutes tun. Einige sollen gar schon die Reben mit Musik zu gesundem, besonders qualitätsvollem Wachstum anregen. Hm.

crowEinige Winzer*innen nennen die musikalische Keller-Kur dann „bioenergetische“ Beschallung und offensichtlich kommt das in einigen Kreisen gut an, die Nachfrage nach solchen Weinen scheint hoch zu sein. Angeblich sollen derart mit Klangwellen veredelte Weine bei Blindverkostungen besonders gut abgeschnitten haben – einen wirklichen wissenschaftlichen Beleg gibt es allerdings nicht. Aber den gibt es meines Wissens nach auch nicht für die biodynamische Anbaumethode – interessieren tut das die Wenigsten. Und wenn’s niemandem weh tut, solls uns auch recht sein…

 

Quellen: voce-divino.com via.focus.de, stern.de, welt.de

Bildernachweis: Public Domain/pixabay.com

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