…tastes like Wineprobe: Riesling aus dem Penny

Penny Riesling

Die zwei Riesling Weine aus dem Penny.

In Deutschland ist Riesling ja fast schon ein Synonym für Weißwein. Auch wenn die Auswahl freilich bedeutend größer ist, wird keine andere weiße Rebsorte hierzulande so häufig angebaut und so viel getrunken. Auch international erfreut sich der Riesling eines Top-Images. Aber wie sieht’s mit günstigem Riesling aus dem Supermarkt aus: kann man den auch trinken? Wir sind mal zum Penny gegangen und haben uns umgesehen…

Riesling Trauben Rheingau

Riesling Trauben

Im Gegensatz zu vielen anderen Discountern besitzt Penny nicht gerade eine ansehnliche Weinauswahl – hier wird v.a. das Billig-Segment bedient, mit dem sich freilich das meiste Geld verdienen lässt. Tatsächlich befinden sich auch nur – oder: immerhin – zwei Riesling-Weine im Regal, beides Qualitätswein aus Rheinhessen: ein trockener Riesling für 2,99 € und ein halbtrockener Riesling in der Literflasche für 2,59 €. Kann man natürlich wunderbar vergleichen (bzw. nicht), also haben wir uns die beiden mal mitgenommen, um sie uns später unter die Nase zu halten und unsere Gaumen ein wenig damit zu befeuchten.

Riesling aus dem Penny: Gaumen oder Gulli – wer macht das Rennen?

Bei beiden Penny-Rieslingen handelt es sich mit Preisen unter 3 Euro um günstige Qualitätsweine, wobei auf den Literpreis gerechnet der trockene Riesling einen guten Euro teurer ist. Dennoch haben sie sich bei der Gestaltung der günstigeren Literflasche deutlich mehr Mühe gegeben, deren Etikett fast schon ein gewisser Bio-Style anhaftet – rein optisch wirkt der trockene Riesling billiger. Zudem wurde noch ein nettes Ringelnatz-Sprüchlein platziert: „Die besten Vergrößerungsgläser für die Freuden dieser Welt sind jene, aus denen man trinkt.“ Na, ob wir dem nach dem ersten Schluck immer noch zustimmen werden, zweifeln wir zu Beginn doch etwas an.

Beide Flaschen stehen gut gekühlt auf dem Tisch und warten darauf, dass ihre Schraubverschlüsse gelockert werden, damit der Inhalt endlich seiner Bestimmung zugeführt wird. Macht man Weißweine eigentlich auch schon ne Zeit vorher auf, damit sie atmen können? CB: Nicht wirklich… ah, da spricht der Experte! Grimmiger Blick: Nein, macht man nicht! Gut, nachdem wir auch das geklärt haben, schenken wir uns ein und beginnen mit dem trockenen Riesling. (Da wir die Farbe nicht so gut beurteilen können, tun wir jetzt auch nicht so als ob. Sieht aus wie ein Riesling…)

Riesling Penny trocken

Weinfels: Der trockene Riesling aus dem Penny.

Weinfels Riesling Rheinhessen 2014 Trocken Qualitätswein – für 2,99 € bei Penny

Vorsichtig und etwas ängstlich tasten wir uns mit der Nase zum Glas vor und schnuppern: gar nicht so schlecht. Eine deutlich ausgeprägte Fruchtnote…Pfirsich. Vielleicht sogar Aprikose? Da ich mir nicht sicher bin, ob ich den Geruch eines Pfirsiches von dem einer Aprikose unterscheiden könnte, schaue ich konzentriert ins Glas und tue so, als hätte ich seine Bemerkung nicht gehört. Dieser trockene Penny-Riesling hat auf jeden Fall einen dichten, angenehmen Geruch. Wüßte ich nicht, dass es ein Riesling ist, hätte ich ihn für einen Grauburgunder gehalten (sagt er und schaut nachdenklich in die Ferne). Ähm, ja. Wird Zeit, dass wir einen ersten Schluck nehmen…

Zack, schon wieder der Pfirsich, zu dem sich noch eine saure, aber nicht unangenehme Apfelnote gesellt. Spritzig, hat eine entspannte Säure-Note. Stimmt, ist wirklich ganz lecker. Die Säure-Note setzt sich am Gaumen fest und breitet sich aus, vielleicht vergleichbar mit Mentholgeschichten, also vom Effekt her. Irgendwie klebt das am Gaumen, aber nicht schlimm. Hm, finde ich nicht. Aber grundsätzlich ist der in Ordnung, ein schöner leichter Wein. Das wär was für ne sommerliche Gartenparty. Yep, kann ich mir auch gut vorstellen. Auch wenn das gewisse Etwas fehlt, sind wir beide doch überrascht, wie trinkbar dieser günstige Riesling aus dem Penny ist. Für einen Massenwein zu einem massenkompatiblen Preis ist der gar nicht schlecht.

Penny Riesling halbtrocken

Der halbtrockene Riesling aus dem Penny.

Riesling Rheinhessen 2013 Halbtrocken Qualitätswein – für 2,59 € bei Penny

Da der erste Wein positiv überraschte, sehen wir schon deutlich entspannter dem zweiten entgegen. Aber es machen sich gleich deutliche Unterschiede bemerkbar. Im Glas präsentiert sich (oh mein Gott, jetzt fangen wir auch schon an, so zu reden…) der halbtrockene Riesling aus dem Penny doch um einiges zurückhaltender als sein Vorgänger. Zwar steigt eine leicht fruchtige Säure in die Nase, auch ein kleiner Pfirsich macht sich bemerkbar, doch insgesamt ist das Bouquet weniger intensiv und dicht. Eher nichtssagend…aber wird mit der Zeit besser. Irgendwie auch ein bisschen wässrig. Und leicht muffig. Während ich letzteres nicht so deutlich wahrnehme, stimme ich dem Rest zu: Sehr kurzlebiger Geruchseindruck. Der trockene Penny-Riesling macht da mit seinem tieferen, dichteren Bouquet schon mehr Eindruck.

Mit dem ersten Schluck setzt sich gleich eine süße Note unter der Zunge fest. Erinnert ein wenig an einen süßen Apfel sowie Pfirsich. Dieser halbtrockene Penny-Riesling hat eher wenig Säure. Ich finde, der schmeckt so wie ein mit wenig Kohlensäure versetzter Pfirsich-Eistee. Ist aber auf jeden Fall trinkbar. Ne leichte, runde Geschichte. Nichts Spektakuläres, aber kann man trinken. Ja, sag ich doch. Im direkten Vergleich hat der Halbtrockene etwas Samtiges, Leichtes. Den könnte man gut als Mixwein nehmen – eher ein Wein, der ergänzt und nicht im Vordergrund steht. Wie ein Schoppenwein – nur ohne Schoppen. Perfekt für eine Bowle. Der trockene Riesling vom Penny ist schon deutlich komplexer. Und der Halbtrockene schmeckt nach einigen Augenblicken im Glas wie ein etwas abgestandener, nicht brutal trockener Sekt. Der halbtrockene Riesling ist im Mund ne angenehme Geschichte, aber in der Nase gefällt er mir weiterhin nicht. Da punktet der trockene Riesling vom Penny eindeutig. Kann ich nur zustimmen!

Auf einmal kippt er beide zusammen… Der Trockene ist kräftig und säurebetonter, der andere zurückhaltender und samtig weich, die könnten sich gut ergänzen. What? Probier mal, man darf nie aufhören, neue Wege zu beschreiten. Bevor er weiter philosophiert, versuche ich ihn zu bremsen, indem ich es ihm gleichtue. Hm, mein Gemisch schmeckt wie der halbtrockene Riesling zuvor… 2/3 trocken, 1/3 halbtrocken schmeckt glaube ich besser als jeder der beiden Weine für sich. Ich schaue ihn mitleidig an, spare mir aber einen Kommentar. Das habe ich vor einiger Zeit auch mit einem befreundeten Winzer gemacht. Wir waren essen und hatten zwei Weine, die nicht besonders doll waren. Also haben wir sie gemischt. Denn es ist durchaus möglich, aus zwei mäßigen Weinen, einen etwas besseren zu kreieren. Ja, kann ja sein. Die Idee eines Cuvée ist mir bekannt…

Riesling aus dem Penny: das …tastes like Wine!-Fazit

Der Weinfels-Riesling hat eine richtig freshe Note im Glas und ist beim Trinken angenehm kräftig ohne schwer zu sein. Beide Riesling aus dem Penny sind bei Weitem nicht so schlimm, wie wir befürchtet haben. Ja, das ist ein schönes Fazit! Wer keinen Super-Wein erwartet: Für den Preis kann man eigentlich nichts falsch machen.

Die Moral von der Geschicht: auch für kleines Geld bekommt man schon was Trinkbares. Und wenn man beim Trockenen beim Geschmack etwas Feintuning vornehmen würde, könnte man ihn auf eine höhere Stufe heben. Der könnte mehr, wenn er denn mehr können sollte! Schön gesagt – nichts mehr hinzuzufügen!

 

Bildernachweis:

Riesling Trauben: Tom Maack/CC BY-SA 3.0, Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Riesling_grapes_leaves.jpg

Rest: …tastes like Wine!

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