…tastes like Wineprobe kompakt: Lust auf Rosé?

RoséRosé gehört sicher zu den verkanntesten Weinen. Als seichtes Erfrischungsgetränk verschrien, fristet dieser Wein trotz seiner schönen Farbe ein trauriges Schattendasein. Andererseits: Irgendwer muss Roséwein schon trinken, davon zeugt das Angebot im Supermarkt und auf den Weinkarten. Hm, ein interessantes Phänomen...

Zugegeben: Auch wir haben dem Rosé bisher eher wenig Beachtung geschenkt. Zurecht, dachten wir. Bis im vergangenen Jahr dieser eine Nachmittag kam: Ein sonniges Wochenende im Elsass, eines dieser pittoresken Museumsdörfchen, bei denen man sich fragt, ob hier wirklich jemand wohnt (oder wohnen will angesichts der Massen an Tourist*innen), ein nettes Café und dann diese freundliche, redselige Bedienung, die uns allen Ernstes einen Rosé empfahl. Gut, man möchte sich ja aufgeschlossen zeigen und zudem nicht unhöflich sein, also bestellten wir gut gelaunt, aber ohne große Erwartungen zwei Gläser Rosé. Den Rest kann man sich denken: Dieser elsässische Rosé war die Wucht. Unglaublich lecker, fruchtig, dabei aber kräftig und interessant, ohne zu überfordern. Da war nix mit seicht oder so. Der perfekte Drink für diesen Moment. Selbstverständlich haben wir uns nicht gemerkt, mit welchem Wein wir es zu tun hatten. Aber Roséwein war nun auf dem Schirm...

Einige Monate später, es regnet, es ist kalt und ich gehe schlecht gelaunt bei Netto einkaufen. Als ich beim Weinregal vorbeischlurfe (eigentlich wollte ich keinen Wein kaufen), fiel mir dann folgende Flasche ins Auge: ein Rioja Rosado. Nicht gerade first class (2,39 €), aber dieser Rosé hat mich trotzdem neugierig gemacht: Schön trocken sollte er sein und mit 13 Umdrehungen wohl auch recht kräftig. Und schon war wieder alles da: Sonne, Elsass, lecker... Ok, das damalige Setting ist wohl schwer zu toppen und zudem ist die Weinqualität sicher nicht vergleichbar, aber ein kleiner Versuch ist es ja wert und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Also: Flasche eingepackt und betont selbstbewusst zur Kasse geschleppt.

Rebsorte Garnacha

Garnacha-Trauben

Gekeltert wurde dieser Rioja Rosado aus Trauben der Rebsorte Garnacha (in Frankreich, Australien und Kalifornien: Grenache). Diese Rotweinsorte ist laut Wikipedia die vierthäufigst angebaute der Welt...ok, auch noch nicht gewusst bisher. Aber die Garnacha-Trauben werden auch gerne für die Erzeugung von Rosé-Weinen verwendet, weil sie vergleichsweise tannin- und farbarm sein sollen. Aber bevor wir unsere bescheidenen Meinungen zum Besten geben, soll kurz auf die Beschreibung des Rosés verwiesen werden, die Netto auf seiner Webseite veröffentlicht hat (und die wir erst nach dem Trinken gelesen haben):

Die berühmten Rioja Weine werden nach der traditionellen Methode ausgebaut. Dieser Rosado ist besonders frisch und fruchtig und zeichnet sich durch ein einzigartiges feines Säurespiel aus. Sein Duft erinnert an reife Himbeeren und Limetten mit einem zarten Hauch von frischen Kräutern.

So, genug erzählt, hier nun die kleine ...tastes like Wine!-Roséverkostung:

La Feria Rioja Rosado DOCa – 13,0 % Vol – 2,39 € bei Netto

Rioja RosadoGut gekühlt ist er, der Rosé, also Flasche auf (Schraubverschluss) und ab ins Glas. Der erste Geruchseindruck: leicht fruchtig-süßes Bouquet, wenig Säure. Wie so oft bei Roséweinen wirkt auch dieser leicht parfümiert. Trotz seines vergleichsweise hohen Alkoholgehalts hat er eine nur sehr schwach ausgeprägte Alkoholnote. Im Gesamten nicht so geruchsintensiv wie erwartet. Aber zumindest farblich geht er mit seinem hellen Rosa als Rosé durch.

Rioja RosadoNach dem eher unentschiedenen ersten Eindruck folgt der unentschiedene zweite beim ersten Schluck: wenig Säure, dafür eine Ahnung von Aprikose. Ist ja schon mal was. Dennoch etwas zu weich, um bei uns richtig zu punkten - aber gut, das ist Geschmackssache. Was bleibt, ist ein schweres Gefühl auf der Zunge, das zwar nicht unangenehm ist, aber auch nicht nach mehr verlangt. Nicht die Art von kräftig, die uns vorschwebte. Der folgende Satz beschreibts vielleicht am ehesten: Das erste Gläschen war das beste.

Das ...tastes like Wine!-Fazit: Würden wir zwar nicht nochmal kaufen, davon abraten können wir aber auch nicht. Wer einen günstigen trockenen Rosé sucht und nicht den absoluten Burner erwartet, kann den Rioja Rosado ruhig mal probieren. Und uns im Anschluss verraten, ob Ihr Himbeeren oder Aprikosen im Glas hattet...

Was ist ein Rosé?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, eine Rosé zu erzeugen. Manche Roséweine werden aus Rotweintrauben "hell gekeltert", d.h. wie Weißwein hergestellt. Dabei wird die Maische (das Gemisch aus Traubenmost, Beerenschalen und Kernen) meist sofort oder nach sehr kurzer Zeit ausgepresst, sodass der Traubenmost (der ausgepresste Traubensaft) nur eine leichte Färbung erhält. Denn der Rotwein gewinnt seine Farbe aus den Beerenschalen, bei der Erzeugung bleibt der Rotwein entsprechend länger auf der Maische liegen. Manche Roséweine werden etwas länger auf der Maische vergoren, sodass sie eine intensivere Farbe bekommen.

Bei der sog. Saignée-Methode ist die Rosé-Erzeugung ein willkommenes, weil verwertbares "Abfallprodukt" der Rotweinherstellung: Dabei werden aus dem Rotweingärbehälter nach 12–48 Stunden ca. 10–15 Prozent des Mostes abgepumpt und als Rosé weiterverarbeitet. Für die Rotweinherstellung hat das den Vorteil, dass der Schalenanteil infolge des verringerten Saftes nun höher ausfällt und die darin enthaltenen Farb- und Geschmacksstoffe konzentrierter abgegeben werden können.

In der EU verboten, aber außerhalb teilweise praktiziert ist das Vermischen von Rot- und Weißwein zur Erzeugung eines einfachen Rosés. Eine Ausnahme bildet hier die Schaumweinproduktion, bei der Herstellung von Roséchampagner ist dieses Verfahren üblich.

Quellen: netto.de, wikipedia.de

Bildernachweis in tatsächlicher Reihenfolge:

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Josh McFadden/CC BY-SA 2.0 , Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Grenache#mediaviewer/File:Grenache_noir_grapes.jpg

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