Weintrends 2018: So schmeckt das neue Jahr

weintrends 2018

Das neue Jahr ist angebrochen und ich muss mich immer noch konzentrieren, um nicht mehr 2017 zu schreiben... Nein, das liegt nicht am Wein, das ist immer so. Wahrscheinlich ist das normal, wenn man nicht mehr 20 ist...so ähnlich wie bei den alten Leuten, die immer noch von DM sprechen, nur nicht ganz so extrem. Ein paar Tage noch, dann ist das auch drin. 2018 also. Neues Jahr, neues Glück, und Wein ist stets mit von der Partie. Für Weinfreund*innen ist ein neues Jahr auch immer ein neuer Weinjahrgang. Bis der in Gänze ausgekostet werden kann, wird es mitunter noch etwas dauern. Aber bis dahin können wir uns mit einer weiteren interessanten Frage beschäftigen: der nach den Weintrends 2018. Was das neue Jahr aus Weinsicht zu bieten hat bzw. vielleicht bieten wird, wollen wir uns hier einmal genauer anschauen.

Weintrends 2018

Das mit den Trends ist ja so eine Sache: die kann man behaupten (und dann hoffen, dass sie eintreten bzw. selbst forcieren) oder feststellen, wenn sie schon im Gange sind. Oder aber ein Trend ist einer schlichten Notwendigkeit oder unvermeidbaren Entwicklung geschuldet. So ähnlich verhält es sich bei unserem ersten Weintrend 2018 in Deutschland, der da heißt:

Weniger ist mehr!

Weniger bezieht sich hier nicht auf die Menge (wo kämen wir da hin?), sondern auf den Alkohol. Ausgangspunkt ist die Zunahme des Alkoholgehalts im Wein. Das liegt zum einen an der klimawandelnden Erderwärmung, die auch vor den hiesigen Weinbaugebieten nicht halt macht (die übrigens immer weiter gen Norden wandern: vor kurzem hat sich die "Erste Ostfriesische Winzergenossenschaft eG" gegründet...kein Witz). Die Trauben reifen früher und erreichen höhere Mostgewichte, die sich in einem höheren Alkoholgehalt niederschlagen. Dem soll nun etwas entgegengesetzt werden, indem die Weinbereitung angepasst wird. Dieser Trend ist freilich nicht auf 2018 beschränkt, sondern wird die nächsten Jahre sicher ein Dauerbrenner sein.

wine trends 2018

Wobei diese Entwicklung nicht allein dem Klimawandel geschuldet ist, sondern, zum anderen, auch einem neuen Weinstil in Deutschland entspricht, der Schluss machen will mit der weit verbreiteten Überzeugung, dass viel Alkohol viel Geschmack bedeutet. Mit dazu beigetragen hatte auch das Weingesetz aus dem Jahre 1969, das die Güteklassen mit dem Mostgewicht der Trauben verband. Mit einer Reduzierung des Alkoholgehalts bei vollem Geschmack könne vielmehr dem Charakter kühlerer Weinbauzonen entsprochen werden, so die Überzeugung. Zudem bestehe bei hohem Alkoholgehalt die Gefahr, dass das Terroir und der eigenständige Charakter des Weins überdeckt werden könne. Manche beschreiben den Trend, dem noch lange nicht alle Weingüter folgen, auch mit "Mehr Frische statt Kraft." Nun, das kann jede*r für sich selbst entscheiden....eine Vielfalt der Stile ist m. E. auf jeden Fall zu begrüßen. Hier lassen sich Stuart Pigott und Paula Sidore ausführlich über die "Neue Frische" aus, die mittlerweile sogar in Spanien Anhänger*innen gefunden hat...

Weintrend Regionalisierung

Ein mittlerweile nicht mehr nur urbaner Weintrend besteht in dem Zurechtmachen von alten Paletten als Sitzmöglichkeit und dem Ausschenken von Riesling, Weißburgunder und Scheurebe aus Rheinhessen und der Pfalz. Gut, das geht nun schon das eine oder andere Jahr so, aber wenn man sich in den Innenstädten so umschaut, ist ein Ende nicht absehbar, im Gegenteil. Das Positive daran ist, dass man an immer mehr Stellen guten Wein bekommt. Und dass einige Rebsorten, wie die bereits genannte Scheurebe, ein verdientes Revival feiern. Es soll sogar Menschen geben, die dem Müller-Thurgau wieder eine Zukunft jenseits der unteren Supermarktregale prophezeien 🙂

Ein Trend im Trend ist sicher die "Mikro-Regionalisierung": Stadtweingüter bzw. -kellereien, urban wineries, die in New York und Co fast schon ein alter Hut sind. Mit Berlin und Köln und vielleicht auch einigen anderen Städten soll es die ersten nun auch in Deutschland geben. Was beim Craft Beer funktioniert hat, wird, womöglich in kleinerem Maßstab, da aufwendiger, auch beim Wein hinhauen.

Wer es sich leisten kann, will Qualität und die braucht eine Adresse und ein Gesicht. Wein ist längst nicht mehr nur ein Getränk, sondern ein Lifestyle, ein facettenreicher obendrein. Mit der neuen Sicht auf die Dinge rücken die Produzent*innen, die Anbaubedingungen und persönliche Geschichten immer mehr in den Vordergrund. Wenn es dabei nicht allein um die Bestätigung des eigenen Geschmacks geht, ist es eine interessante Entwicklung, die 2018 sicher in verstärktem Maße stattfindet. Die zunehmende Zahl an Weinbars – eigentlich auch ein Trend für sich – unterstützt diesen Weintrend! Andererseits darf nicht unerwähnt bleiben, dass dieser Trend nicht die Masse beschreibt: Die meisten Weine sind unhipper Provenienz und werden nach wie vor zu günstigen Preisen im Supermarkt verkauft.

Weintrend Bio, Natur, Orange

Wie nennt man einen Trend, der es geschafft hat, sich zu etablieren? Genau: auf keinen Fall mehr Trend. Egal. Was auf die Regionalisierung fast schon zutrifft, gilt ebenso für Bioweine, ungeschwefelte Weine, Naturweine, Orange Wines und wie sie alle heißen. Bioweine sind mittlerweile sogar mehr als etabliert und man muss schon die letzten Jahre in einer komatösen Umnachtung verbracht haben, um immer noch irgend etwas gegen ökologischen Weinbau vorzubringen (eine kalifornische Studie behauptet sogar, den wissenschaftlichen Beweis erbracht zu haben, dass Bioweine besser schmecken). In den letzten 10 Jahren haben sich die Rebflächen, auf denen ökologisch gewirtschaftet wird, verdreifacht und Bioweine gehören zur anerkannten Spitze. Etabliert zumindest unter Weinfreaks sind auch die radikaleren Konzepte, sie haben ihre Daseinsberechtigung, die Suche nach dem Neuen, Einzigartigen und Authentischen wurde vom Zeitgeist geheiligt. Ob der Wein dann schmeckt, ist eine andere Frage, die stets aufs Neue entschieden wird. Aber das ist ja auch gut so. Als Weintrend 2018 könnte man vielleicht die weitere Ausbreitung all der genannten Weinstile nehmen, die auf den Weinkarten der neuen Weinbars nicht fehlen werden – in Deutschland wie in anderen Ländern

Wein t(r)endiert zu höheren Preisen

Die Preise für Wein und Sekt könnten im neuen Jahr ansteigen. Das behauptet zumindest der MDR, der sich auf die Sektkellerei Rotkäppchen-Mumm beruft.

weintrends 2018

Der Grund liegt natürlich in der vergleichsweise niedrigen Weinernte 2017. Das betrifft nicht nur Deutschland, sondern bspw. auch Spanien, für spanischen Wein wird ebenfalls ein Preisanstieg erwartet. Viele Weingüter dürften indes ihre Preise nicht sonderlich anheben, da die Preise pro Flasche ohnehin gute und schlechte Jahre einkalkulieren (sollten) – wer will und kann schon jedes Jahr neue Preise machen?

Weintrend 2018: Think out of the box!

Ob innovative Ideen sich zu Trends auswachsen, ist im Bereich Wein, der das Klassische und Traditionelle liebt, nicht immer ausgemacht. Aber manche Ideen sind zu gut oder pfiffig, um unerwähnt zu bleiben. Wie die von Thomas Lutz, der ein rechteckiges, zerlegbares Barrique erfunden hat. Super! Aber wenn da mal die Traditionalisten nicht auf die Barriquaden gehen...

weinbau trends

Auch an der Monopolstellung der Flasche wird gekratzt. Nachdem sich in den vergangenen Jahren auch in Deutschland immer mehr sog. Bag-in-Box-Weine (die bspw. in Frankreich oder Skandinavien schon viel verbreiteter sind) bemerkbar gemacht haben, kommt nun auch Wein in Dosen auf den Markt – in anderen Ländern aktuell noch mehr als hierzulande. Die Vorteile liegen auf der Hand: kleine Portion, gut zu transportieren und die Umweltbilanz ist im Vergleich zu einer Glasflasche auch nicht schlechter (nicht gleichbedeutend mit gut). 

Weintrend 2018: Brot und Wein. Ehrlich...

Das Deutsche Weininstitut (DWI) hat für 2018 u.a. folgenden Weintrend ausgemacht: Brot und Wein. Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber bei mir hat dieser Trend schon Jahre früher eingesetzt...kenn ich also schon. Sogar die Kirche hat schon davon Wind bekommen.

Brot und Wein

Aber zugegeben: schlecht ist er nicht, mancher Hochgenuss stammt schließlich von einer prickelnden Brotzeit mit deftigem Wein. Und hier will das DWI weiter forschen, denn: "Brot und Wein passen bestens zusammen, doch welche deutschen Weine mit welchen Brotsorten optimal kombinierbar sind, ist noch nicht ausreichend untersucht worden." Ja! Diese Aufgabe soll 2018 ein neues, aus Wein- und Brotsommeliers bestehendes Expertenpanel des Deutschen Brotinstituts und des DWI nachgehen und eine entsprechende Broschüre erstellen. Brotsommeliers gibts also auch schon... Spannend!

So, das waren einige Weintrends 2018. Wahrscheinlich oder ziemlich sicher haben wir den einen oder anderen Trend vergessen. Andere, wie Smarte Weinberge und Weinkeller, haben wir mal ausgelassen. Aber Ihr dürft uns gerne auf spannende Neuheiten aufmerksam machen, wir freuen uns über Kommentare!

Wer wissen will, dass Chardonnay wieder im Kommen ist und englischer Schaumwein weiter wächst, kann mal hier nachschlagen. Oder hier, wer sich für den wachsenden Absatz von Magnumflaschen und anderen Großformatern interessiert. Ansonsten sei der Besuch der ProWein im März empfohlen, der größten Weinmesse Deutschlands. Dort ist in puncto Weintrends 2018 sicher ein Erkenntnisgewinn zu erwarten...

Bis dahin genehmigen wir uns noch ein Gläschen, bevor der Wein wieder teurer wird... Cheers!

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