Ganz ohne Kochen: Ein fulminantes Wein-Menü aus 4 Gängen

Prosecco Bellenda San FermoWas gibt es schöneres, als einen Abend mit Freunden bei gutem Wein zu verbringen? Solche Abende werfen einen ebenso intensiven wie fragilen Lichtstrahl auf das Leben, wie es sein sollte und in solchen Momenten auch ist. Könnte man solche Momente festhalten und ihnen eine Form verleihen, ein guter Wein käme dem wohl am nächsten. Bevor der Kitsch (oder die fehlende Logik) mir die Tränen in die Augen treibt, möchte ich mich nun der wesentlichen Frage widmen: Was haben wir an diesem Abend getrunken und wie hat es geschmeckt?

Das ist eine durchaus interessante Frage, denn für den Abend hatte ich einige Flaschen ausgewählt, die uns zugeschickt wurden°, damit wir unsere bescheidenen Geschmäcker meinungsstark zum Einsatz bringen. Und es waren mal wieder interessante Exemplare dabei:

  • Prosecco: San Fermo von Bellenda
  • Rosé: Bisanzio Cerasuolo d’Abruzzo DOP 2016
  • Rotwein: Lapostolle Grand Selection Merlot
  • Rotwein: Lapostolle Grand Selection Cabernet Sauvignion 2015

Zwei italienische und zwei chilenische Weine, die wir genau in dieser Reihenfolge geöffnet haben. Wer öfter bei unserem Weinmagazin vorbeischaut, wird bereits wissen: Alle beschriebenen Weine haben uns geschmeckt. Denn Weine, die uns nicht schmecken, besprechen wir gar nicht mehr – außer, sie sind wirklich beeindruckend schlecht oder aus unserer Sicht ungenießbar wie dieser hier.

Die Gesellschaft hat’s jedenfalls gefreut, verhießen die mitgebrachten Flaschen doch ein kleines, aber feines Gelage. Mittlerweile sind viele meiner Bekannten und Freunde ganz scharf drauf, mit uns Weine zu „testen“ und Neues zu entdecken, was mich wiederum sehr freut. Schön zu sehen, wie Begeisterung abfärben kann.

Bellenda San Fermo Prosecco

Zu Beginn wurde freilich unter großem Hallo und einem feierlichen Plopp der Prosecco geöffnet, der wie der Sei Uno, den wir kürzlich probiert hatten, ebenfalls aus dem Hause Bellenda stammt. Korrekt heißt dieser Schaumwein aus Venetien SAN FERMO Conegliano Valdobbiadene DOCG Prosecco Superiore Brut…gut, dass der San Fermo den Anfang machte, am Ende des Abends hätten wir das sicher nicht mehr fehlerfrei aussprechen können. (Übrigens: Was die Bezeichnung Prosecco genau aussagt, erfährst Du hier…)

san fermo bellenda prosecco

Auf jeden Fall ein feiner, hellgoldener Tropfen mit 11,5 Umdrehungen, der alle Anwesenden mit seiner fresh-fruchtigen Art sofort überzeugt hatte: ein gefälliger, recht milder Prosecco mit feinem, sehr präsentem, aber unaufdringlichem Säurespiel, der süßlich prickelt, ohne richtig süß zu sein (7 Gramm Restzucker pro Liter) und mit Aromen, die an Mirabellen und gelbe Früchte erinnern. Lecker! Ich würde sagen, dass ist ein Prosecco der Sorte, den man gefahrlos Gästen mit unbekannten Vorlieben servieren kann.

Bisanzio Cerasuolo d’Abruzzo DOP 2016

Montepulciano d’Abruzzo kennt wohl jede*r, aber was zum Teufel ist Cerasuolo? Eine unbekannte Rebsorte? Nicht ganz: Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Rotwein, der in der Hauptsache aus Montepulciano-Trauben hergestellt wird – in unserem Fall um einen Rosé. Ein typischer Wein aus den Abruzzen, der hierzulande nur nicht so bekannt ist. Der Bisanzio Cerasuolo d’Abruzzo der Kellerei-Kooperative Codice Citra hat eine schöne Farbe, die an Rosenwasser erinnert, aber auch ein wenig künstlich wirkt. Aromatisch wurde diesem Eindruck glücklicherweise nicht entsprochen, wobei dieser Wein schon dick aufträgt. Dieser Rosé hat eine Kaltmazeration durchlaufen (quasi eine gekühlte Maischestandzeit ohne Gärung, währenddessen Farbe, Aromen und Tannine aus den Beerenschalen gelöst werden), was die besondere Farbe erklären könnte und zudem auf einen fruchtbetonten Wein hindeutet, der mit 12 Volumenprozent bereits in mittelschweren Gefilden unterwegs ist. Die Nase stimmt dem sofort zu: fruchtig-frisch und kräftig mit einem Hauch von Erdbeermarmelade oder Sauerkirsche…da waren wir uns in der Runde ausnahmsweise mal nicht einig…

Rosé Bisanzio

Geschmacklich geht es süßlich-fruchtig weiter, rote Beeren lassen grüßen. Die belebende Säure und würzige Akzente machen den Bisanzio Cerasuolo d’Abruzzo 2016 zu einem unkomplizierten Rosé, von dem man kaum annehmen kann, dass er irgendwo mal die Mundwinkel nicht nach oben zieht. Wie Kirsch-Holunder-Limonade…kann man einfach so wegsüffeln lautete ein Kommentar. Wäre der gleichzeitig vorhandene kräftig-würzige Charakter nicht, würde ich dem glatt zustimmen. So oder so: ich steh drauf, schöner Wein mit Top-Trinkfluss.

Lapostolle Grand Selection Merlot 2014

Grand Selection: das soll Wertigkeit demonstrieren und um sicherzugehen, dass die Botschaft ankommt, hat auch das Etikett einen klassischen Anstrich bekommen. Geschadet hat’s dem Wein nicht, aber das war bereits anzunehmen: vor einiger Zeit konnten wir bereits den Carménère aus dieser Linie kosten und der war einfach gut. Das Weingut Lapostolle hat übrigens eine interessante Geschichte: Die Leiterin Alexandra Lapostolle-Marnier ist eine Urenkelin des Grand Marnier-Erfinders Alexandre Lapostolle-Marnier und hat es geschafft, im chilenischen Colchagua Valley in wenigen Jahren ein renommiertes Weingut zu errichten. Dafür hatte sie freilich Geld und fähige Leute, aber das Tempo zeugt von Entschlossenheit. Der Lapostolle Grand Selection Merlot ist kein reinsortiger Merlot, sondern besteht aus 85 Prozent Merlot, 10 Prozent Carménère, 4 Prozent Syrah und 1 Prozent Petit Verdot-Reserva.

Lapostolle Grand Selection Merlot

Das sieht nicht aus wie eine Cuvée, sondern eher wie eine Komposition – die mehr riecht als klingt und zwar dicht und kräftig, würzig und fleischig, kirschig und apfelmostig (gibt’s das Wort?). Eine aus der Runde fühlte sich an Pinienwälder und mediterrane Dünenlandschaften erinnert. Auf jeden Fall was für Leute, die es gerne gehaltvoll haben. Mit 13,5 Umdrehungen sind wir die Leiter auch alkoholtechnisch hochgeklettert. Auch im Geschmack zeigt sich der Lapostolle Grand Selection Merlot nicht gerade zurückhaltend: dieser Rotwein ist voll das Brett. Und zwar im Sinne des Wortes: der Erstkontakt ist sehr holz- und tanninlastig, aber schnell kommt die Frucht (Kirsche) durch, die zusammen mit einer würzigen Note die Geschmacksknospen kitzelt. Insgesamt noch medium-adstringierend, würd ich sagen, aber am oberen Ende. Einer Person war der Lapostolle Grand Selection Merlot zu hart, die anderen fanden’s geil. Schöner Wein für Diskussionen am späten Abend.

Lapostolle Grand Selection Cabernet Sauvignon 2015

Der Letzte macht die Tür zu…an diesem Abend war das der Cabernet Sauvignon aus der Lapostolle Grand Selection Linie. Ebenso wie die Nacht zeichnete sich dieser chilenische Rotwein durch seine Dunkelheit aus – diese Farbe kommt wahrscheinlich dabei raus, wenn man rot, lila und schwarz mischt. In der Nase zeigt er sich wie der vorangegangene Merlot dicht, kräftig und würzig-fleischig, dabei allerdings etwas saftiger und fruchtiger (dunkle Beeren) mit einer leichten Sherry-Note. Im Mund war er auch nicht so rabiat wie der Merlot, sondern etwas verspielter: zu der vergleichsweise feinen Holznote (obwohl er mehr und länger Eichenholz gesehen hat als der Merlot) und den würzig-fleischigen Aromen gesellten sich dunkle Schokolade, Tabak sowie saftig-süße Kirschen und Pflaumen.

Lapostolle Grand Selection Cabernet Sauvignon

Ein dichter, kräftiger, mit der Zeit fast sämiger Rotwein, deutlich adstringierend, dabei aber immer noch vollmundig und anhaltend. Der Cabernet Sauvignon ist eindeutig gefälliger als der Merlot. Ein kurzer Blick ins Internet verrät, dass der Lapostolle Grand Selection Cabernet Sauvignon 2015 bei der Mundus Vini Sommerverkostung 2017 den ersten Platz abgeräumt hat. Nun halte ich nicht so viel von Weinprämierungen, aber diesmal scheint es doch seine Berechtigung gehabt zu haben.

Ein weinreicher Abend, aber sicher kein verschwendeter. Wer auf kräftige, gehaltvolle Rotweine steht, kann gefahrlos zur Lapostolle Grand Selection Linie greifen, die quasi bei gleicher Tonlage unterschiedliche Klänge erzeugen – und das bei 9,99 Euro die Flasche beim Chile-Spezialisten Chilenus. Bei dem Prosecco kann man gar nix falsch machen, nur der Preis von rund 12 Euro ist vielleicht für die ein oder den anderen abschreckend. Der Rosé schließlich ist mit rund 5 Euro ein super Alltagswein, wenn’s mal fruchtig-frisch und nicht zu kompliziert sein soll.

°Wir haben alle Weine zum Probieren und Beschreiben zugeschickt bekommen – die ersten beide aus Italien, die letzten beiden vom Weinversand Chilenus. Weder ist Geld geflossen, noch bestehen irgendwelche Absprachen, die ein günstiges Abschneiden des Weins in unserem Weinmagazin zum Inhalt haben. Der Artikel gibt ausschließlich unsere Meinung wieder.

6 Kommentare

  • Martin sagt:

    Das habt ihr schön beschrieben. Wenn man in einer Runde anstößt, sollte es schon ein ordentlicher Sekt, Prosecco oder Crémant sein. Für künstliches Geprickel ist das Leben einfach zu kurz. Seit vielen Jahren kaufe ich solche Sachen nicht mehr im Supermarkt, sondern im Weinhandel. Wenn es kräftiger zugehen soll, greife ich auch gern zu Wein aus Chile. Ich schätze die Dichte und Konzentriertheit dieser Weine. Ich glaube, dass wir in Zukunft noch viel mehr aus Chile hören werden, die haben in den letzten Jahren enorm zugelegt und machen jetzt oft Weine, die die altehrwürdigen Weinbauländer gerne machen würden. Von dem Weingut Lapostolle habe ich auch schon mal gehört, aber noch nichts getrunken. Das scheint mir auch in diese Richtung zu gehen

  • weinfreund sagt:

    Der Rose klingt klasse! Hört sich nach meiem Geschmack an 🙂
    Wo kann man den kaufen?

  • Svenja sagt:

    Das nenne ich mal ein gelungenes Menü. Vielen Dank für die aufschlussreiche Beschreibung. Und natürlich für euren Einsatz. Wir probieren auch gerne mal weniger Bekannte Weine und erleben immer wieder tolle Überraschungen. Vor kurzem haben wir einen Chardonnay Reserva aus Chile empfohlen bekommen und der war wirklich klasse! Kostete deutlich unter 10 Euro. Weingut weiß ich leider gerade nicht, haben wir aber in unsere „Lieblingsliste“ aufgenommen und notiert. Könnte also nachsehen, falls Interesse besteht. Bei den Rotweinen finden wir auch immer wieder tolle Weine aus Chile. Natürlich auch aus Italien, aber in der letzten Zeit eben mehr aus Chile.

  • Svenja sagt:

    Hi Sascha, war ein paar Tage unterwegs. Sorry. Der Wein heißt Casa Mayor Chardonnay Reserva. Die Empfehlung kam aber von einem Freund aus Holland, wo wir ihn auch her hatten. Sollte aber in Zeiten des www kein Problem darstellen. Jetzt wo ich darüber schreibe, bekomme ich sogar wieder richtig Lust auf den Wein…
    Liebe Grüße, Svenja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.