Einmal Rot-Weiß bitte: Trebbiano d’Abruzzo und chilenischer Carménère

Bisanzio Trebbiano d'Abruzzo 2016

Es war einer der gefühlt wenigen Tagen, die mit Sonne und hohen Temperaturen den Anschein von Sommer erweckten. Also schnell zur bereits gekühlten Flasche Weißwein gegriffen und ab auf die Terrasse. Ins Glas kam ein Bisanzio Trebbiano d’Abruzzo 2016 der Kellerei-Kooperative Citra, von der wir erst kürzlich den Bisanzio Montepulciano gekostet hatten…

Nun also ein trockener Weißwein aus der mittelitalienischen Region, die in jüngster Zeit v.a. wegen verheerender Erdbeben in den Schlagzeilen war. Ansonsten dürfte der Wein das Aushängeschild der Abruzzen sein. Der Bisanzio Trebbiano d’Abruzzo riecht frisch, wenngleich eher dezent spritzig, und fruchtig…geht in Richtung Stachelbeere. Insgesamt zeigt sich das Bouquet eher zurückhaltend, was aber auch an der in diesem Fall auch von uns gepflegten Unsitte gelegen haben könnte, den Wein zu lange im Kühlschrank aufbewahrt zu haben… (zu kalter Weißwein schmeckt nicht schlecht, nur häufig deutlich flacher. Die Aromen kommen bei den meisten Weißweinen am besten bei 10-12 Grad zur Geltung, daher sollte ein Weißwein optimalerweise – wenn der Lagerort nicht zufälliger eben diese Temperatur aufweist – nur für etwa 20 – 30 Minuten kalt gestellt werden.)

Bisanzio Trebbiano d'Abruzzo_Lunes_Glas voll

Typisch: er hat uns mal wieder kaum etwas übergelassen…

Weißwein Abruzzen Italien

…dafür hatten wir dann den Roten für uns allein.

Geschmacklich kommt dann die lebendige Seite des Bisanzio Trebbiano d’Abruzzo zum Vorschein: eine animierende Säure bei wenig Kohlensäure macht Appetit auf mehr. Der 12 Volumenprozent schwere Weißwein schmeckt deutlich knackiger als er riecht. An Fruchtaromen hält er Zitrus und Melone parat, in der Mitte entwickelt sich eine feine Süße und am Ende gesellt sich etwas Süßholz dazu. Ein leichter, aber nicht simpler Weißwein, der Spaß macht. Unkompliziert und lecker, ideal für sonnige Abendstunden bei einem kleinen Snack.

Nun, im fortgeschrittenen Abend, ein Roter im klassisch edlen Look aus Chile: Lapostolle Grand Selection Carmenère 2013 aus dem Anbaugebiet Valle del Rapel.

Der Carménère ist eine alte Rebsorte, die ursprünglich aus Bordeaux stammt. Dort wurde er durch die große Reblausplage Ende des 19. Jahrhunderts fast völlig ausgerottet – aber in Chile, wo der Carménère zuvor eingeführt wurde und das von der Reblausplage verschont blieb, überlebte die Rebsorte, wenn auch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts unerkannt. Nachdem die Herkunft mittels DNA-Tests geklärt wurde, erlebt der würzige Carménère wieder eine Renaissance…was sich nicht zuletzt dadurch äußert, dass er den Weg in unsere Gläser gefunden hat.

Lapostolle Carmenère

Die Nase betört der Lapostolle Grand Selection Carmenère 2013 mit einem dichten Strauß an weichen, beerigen, fleischig-würzigen Aromen. Riecht irgendwie nach Grillparty. Lecker, kann man nicht anders sagen. Mit 13,5 Umdrehungen bewegt sich dieser Rotwein, der zu 20 Prozent auch 4 Monate in Eichenfässern verbracht hat, alkoholmäßig in erwarteten Gefilden.

Geschmacklich legt der Lapostolle Carménère einen herben Start hin, worauf eine reizvolle Wandlung folgt: auf die würzige Note folgt dunkle Schokolade, die von breitschultrigen Tanninen beiseitegedrängt wird, die sich kurzzeitig den Platz im Mund mit Lakritze teilen, um in einem kitschig-kirschigen Finale die weiche Seite hervorzukehren. Das mag sicher auch daran liegen, dass wir dem weitgereisten Rotwein keine Zeit zum Luft holen gegönnt haben (an dem Tag haben wir aber auch alles falsch gemacht…), denn nach einiger Zeit schwächte sich v.a. der tanninherb-würzige Anfangseindruck ab. Der Lapostolle Carmenère, bei dem es sich tatsächlich um ein Cuvée aus 85 % Carménère, 6 % Petit Verdot, 5 % Merlot, 4 % Syrah-Reserva handelt, ist kräftig und weich zugleich, schön voll und raumnehmend. Lecker und ausreichend komplex, um interessant zu sein, wenngleich das Zeug zu Everybodys Darling gerbstoffbedingt fehlt. Aber das macht nix, denn das ist bekanntlich Geschmackssache. Uns hat’s geschmeckt.

Den Bisanzio Trebbiano d’Abruzzo 2016 gibt’s bei diversen Online-Händlern für erfreuliche 5 – 6 Euro zu kaufen. Den Lapostolle Grand Selection Carmenère 2013 gibt’s für rund 10 Euro bspw. beim Chile-Spezialisten Chilenus.

 

Wir haben die beiden Weine zum Probieren und Beschreiben zugeschickt bekommen. Weder ist Geld geflossen, noch bestehen irgendwelche Absprachen, die ein günstiges Abschneiden des Weins in unserem Weinmagazin zum Inhalt haben. Der Artikel gibt ausschließlich unsere Meinung wieder.

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