GrüVe 2015: Ein Bunter Veltliner im Weinzoo …

Der will nur spielen? Von wegen…

GrüVe

Der GrüVe 2015 - schick, oder?

Also: Über diesen Wein habe ich mich sehr gefreut! Schon vor dem Öffnen. Warum? Ganz einfach: Schaut Euch mal das Etikett an... Da hat sich jemand Mühe gegeben und das unkonventionelle Ergebnis kann sich, wie ich finde, mehr als sehen lassen. Bunt, kreativ, dynamisch, lebendig und verspielt – da bekommt man doch wirklich Lust, den GrüVe 2015 aus dem Hause Jurtschitsch in geselliger Runde zu trinken und den feuchtkalten Winter wenigstens vorübergehend gegen einen feuchtfröhlichen Augen- und Gaumenschmeichler einzutauschen. Das kleine Kunstwerk stammt übrigens von Christian Ludwig Attersee, der seit vielen Jahren schon den jeweils neuen GrüVe bemalt, und trägt den treffenden Titel "Weinzoo" (was hoffentlich nicht auf zu ausgeprägte animalische Noten im Flascheninneren schließen lässt...).

Ja, jetzt werden sicher wieder einige Leute anfangen und über sog. Etikettenkäufer*innen lästern. Diejenigen, die beim (W)Einkauf nach rein optischen Kriterien wählen. Aber wer wills, gerade beim Wein, verübeln? Die Vielfalt ist groß und das Wissen meist klein, also greift man schnell zu den ansprechend präsentierten Flaschen. Ich mache das, ich gebe es gerne zu, auch zuweilen.

JurtschitschAber stimmt schon: Ein Wein sollte in erster Linie gut schmecken und nicht zuvorderst gut aussehen – sonst sollte man sich auch lieber ein Bilderbuch kaufen und Kakao trinken. Aber warum nicht beides verbinden? Wie oft habe ich mich schon gefragt, warum viele Weingüter ihr eigentlich mit viel Leidenschaft und Kompetenz produziertes Nasswerk hinter derart hässlichen oder himmelschreiend langweiligen und nichtssagenden Etiketten verstecken – deren Subtext Unkundigen meist nur eines vermittelt: Kauf mich nicht! Aber solche Exemplare sind ja glücklicherweise immer seltener anzufinden – das Billigregal im Discounter mal ausgenommen. Ist doch schön, wenn uns schon die Flasche gefällt oder erheitert – und gut möglich, dass sich das Weingut einfach im Gesamten Mühe gibt und das Etikett nicht reines Blendwerk ist. Der GrüVe 2015 zeigt eine schöne Spielart, es gibt freilich viele weitere. Und tatsächlich habe ich bei besonders schick gestalteten Etiketten – sicherlich sind hier die Geschmäcker verschieden – selten daneben gegriffen. Sind leider auch meist teurere Weine.

So, jetzt aber mal genug vom Etikett und den ganzen Vorschusslorbeeren....wollen wir doch mal sehen, ob der Inhalt auf harmonische Weise mit der künstlerischen Darbietung korrespondiert – das Design hat diesbezüglich ja schon einiges vorgelegt...

GrüVe 2015: Der will nur spielen... (im Mund)

GrüVe 2015Auch wenn dieser Weißwein ziemlich farbenfroh daherkommt, ist es doch kein Bunter, sondern natürlich ein Grüner Veltliner – die ganze Cleveren werden das schon aus dem Kürzel GrüVe geschlossen haben. Nach eigenen Aussagen handelt es sich um den leichtesten (11,5 Volumenprozent) Grünen Veltliner des Weinguts Jurtschitsch aus dem österreichischen Kamptal. Gehört quasi in die Kategorie Erfrischungsgetränke.

Grüner Veltliner ist – Achtung: Weinwissen – die meistverbreitetste Rebsorte Österreichs – quasi der Riesling der Alpenrepublik. Der GrüVe 2015 ist also einer der frischsten (weil aktueller Jahrgang – viele Winzer*innen lassen sich mit dem Füllen ja noch etwas Zeit) Vertreter dieser Art, der aktuell zu bekommen ist. Und frisch beschreibt seinen Duft außerordentlich gut: spritzig-fruchtig-lecker – oder wie sagte es meine Trinkgesellschaft so schön: megayummie (vulgo: lecker/trinkanimierend)! Ein bunter Aromenmix aus grünem Apfel, Pfirsich, Grapefruit, Karambola, Anona, Honig und was sonst noch bei 3 vom Baum gefallen ist.

Erfreulicherweise nimmt die gute Laune auch nach dem ersten Schluck keinen Abbruch: ein leichtes, erfrischend-spritzig-fruchtiges Trinkvergnügen, wie eine Sommerbrise, die durch unsere Gaumen haucht. Macht wirklich Spaß, was durch den langen Nachklang noch bestärkt wird (falls Du Dich fragst, was da klingt: der Geschmack bleibt lange im Mund erhalten). Beim GrüVe 2015 handelt es sich um einen trockenen Veltliner, der schön fruchtig, dabei aber nicht supersüß ist (sind ja manche trockene Weine trotzdem). Die (Kohlen)Säure ist sehr lebendig und kitzelt den Gaumen, bleibt dabei aber noch mild. Im Mund vollzieht sich eine komplexe Aromenwandlung bis der GrüVe 2015 einen typischen Veltliner-Abgang hinlegt – nicht ganz so scharf, wie manche Kollegen, aber auch hier überlagert die Würze am Ende die Frucht deutlich.

GrüVe 2015: das ...tastes like Wine! Fazit

Mit dem GrüVe 2015 lässt sich bedenkenlos ein Prosecco ersetzen und man erhält zur Einstimmung des Abends ein vielschichtigeres, aber keineswegs unspritzigeres Geschmackserlebnis. Kann man ohne zu Zögern kaufen und wird womöglich sogar Veltliner-Verächter*innen bekehren. Ein schöner Wein, der im Gesamtpaket viel Spaß macht!

Der GrüVe 2015 von Jurtschitsch ist online und in einigen Weinhandlungen für etwa 8,50 Euro erhältlich. Könnt Ihr bspw. hier kaufen.

 

Abschließend noch das Übliche: Wir haben den GrüVe 2015 zum Probieren und Beschreiben zugeschickt bekommen. Weder ist Geld geflossen, noch bestehen irgendwelche Absprachen, die ein günstiges Abschneiden des Weins in unserem Weinmagazin zum Inhalt haben.

Wenn Ihr den Wein kaufen wollt, könnt Ihr das bspw. über den im Fazit gesetzten Link tun, dann verdienen wir ein paar Cent daran.

 

2 Kommentare

  • EC sagt:

    Mit dem GrüVe konnte ich ehrlich gesagt nicht viel anfangen. Das mag aber auch daran liegen, daß die nachfolgend verkosteten Jurtschitsch-Weine der höheren Ligen den GrüVe einfach dermaßen in die Ecke gestellt haben…

    • sb sagt:

      Na, das mag sein, ich kenne die anderen Jurtschitsch-Weine ehrlich gesagt nicht. Die mögen raffinierter sein, aber wenn man einen unkomplizierten (dabei aber nicht langweiligen), spritzig-fruchtigen Weißwein sucht, ist man mit dem GrüVe 2015 meiner Meinung nach sehr gut bedient! Haben die anderen in der Runde genauso gesehen. Vielleicht hast Du ja auch einen anderen Jahrgang getrunken…oder Du stehst auf andere Weine. Ich mag einfach frische Weißweine, die Frucht und Säure haben…nicht nur, aber vor allem.

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