Pestizide im Wein – ein Dauerbrenner

– Ein Gastartikel von Dr. Reinhard-Holger Casselmann –

 

Pestizide Weinbau

Bewusste Ernährung, besonders auch der Kauf von biologisch angebauten Lebensmitteln, sind heute für viele Konsumenten die richtige Wahl, wenn es um die Gesundheit geht. Auch der Weingenießer wird mit der nicht erfreulichen Tatsache konfrontiert, dass in Weinen regelmäßig Rückstände von chemischen Pflanzenschutzmitteln (Pestizide) gefunden werden. Gibt es also Grund zur Beunruhigung und wie verhält es sich bei konventionell angebauten Weinen im Gegensatz zu Öko-Weinen?

Warum werden Pestizide verwendet und wieviel?

In der Landwirtschaft, aber auch in Privatgärten werden sie eingesetzt: als vorsorgliche Maßnahme gegen mögliche Schädlinge und Krankheiten und auch zur Vernichtung derselben, wenn bereits ein Befall vorliegt. Der eigentliche Zweck ist die Sicherstellung und Steigerung des Ernteertrags.

Pestizid, aus dem Lateinischen abgeleitet, heißt so viel wie „tötet die Pest“, ist ein Oberbegriff, der sich jeweils nach Einsatzgebiet unterteilen lässt. Die wichtigsten für den Weinbau, auch Rebschutzmittel genannt, sind: 

Fungizide  -> töten Pilze

Akarizide   -> töten Milben

Insektizide -> töten Insekten

Herbizide   -> töten Pflanzen 

Laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) wurden in Deutschland im Jahr 2008 ca. 35.000 Tonnen (!) Pestizide auf Feldern, Gärten und Weinbergen angewendet [1]. Etwa 600 verschiedene Wirkstoffe/Zubereitungen mit knapp 1.100 Handelsnamen sind in Deutschland zugelassen. Hinter diesen Produktnamen stehen etwa 250 aktive, zugelassene Substanzen. Der Industrieverband Agrar (IVA) gibt ein Umsatzvolumen von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland von 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2012 an, sowie eine Steigerung der verbrachten Mengen in den letzten Jahren auf über 45.500 Tonnen (!!). In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass üblicherweise Zubereitungen angewendet werden, d. h. die eigentlichen Wirkstoffe sind verdünnt und damit in der Menge geringer als die genannten Tonnagen. Bei einer Analyse auf Rückstände werden jedoch die reinen Substanzen gemessen.

Der Weinbau ist eine Intensivlandwirtschaft mit entsprechend wertvollen Produkten: Obwohl die Weinanbauflächen in Europa nur  ca. 3 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Flächen ausmachen, werden laut PAN (European Pesticide Action Network) dort 20 % aller Pestizide versprüht. Dagegen gibt es viele Flächen wie Wiesen und Weiden, die nicht behandelt werden.

Warum sind Pestizide bedenklich? 

Pestizide sind für Organismen, gegen die sie eingesetzt werden, extrem giftig. Leider ist eine differenzierte Wirkung gegen Nützlinge und Schädlinge aus der gleichen Zielgruppe, z. B. Insekten, schwer zu realisieren. Ein Rundumschlag, der eigentlich nicht gewünscht ist. Auch andere Tiere wie Amphibien reagieren teilweise extrem empfindlich und werden u. U. mit vernichtet. Die vielen, unterschiedlichen Pestizide spiegeln nicht nur die unzähligen Anwendungen wider, sondern sind auch eine Folge der Anpassungen und Resistenzen der Schädlinge, vergleichbar mit der Antibiotika-Resistenz von Krankheitskeimen. Es müssen immer neue Mittel erfunden werden, weil die alten wirkungslos geworden sind oder inzwischen verboten wurden.

Moderne Mittel bauen sich schneller ab und zeichnen sich durch kürzere Wartezeiten bis zur Ernte aus. Rückstände in unserer Nahrung sind dennoch bei Anwendung praktisch unvermeidlich. Daher gibt es Grenzwerte für die einzelnen Pestizide in Lebensmitteln, da es sich schließlich um Gifte handelt. Da sie sich inzwischen in fast allen Nahrungsmitteln befinden, ist schwer bestimmbar, welchen langfristigen Einfluss sie auf die Gesundheit haben. Gefährlich können die Pflanzenschutzmittel besonders für den Landwirt werden, der mit ihnen im direkten Kontakt arbeitet.

Die Grenzwerte gelten allerdings nur so lange als unbedenklich, bis neue Erkenntnisse zum Handeln zwingen. Immer wieder werden Pestizide aus dem Verkehr gezogen, weil die Belastungen für Mensch und Natur unerträglich waren. Das wird auch in Zukunft sicherlich so weiter gehen. Ein Beispiel, noch gar nicht so lange her: HCH (Hexachlorcyclohexan, Handelsname Lindan, schwer abbaubar, nervenschädigend und mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung) wurde 1977 in der BRD als Insektizid verboten und war in der DDR noch bis zur Wende zum Einsatz. Eine Studie des Bundesumweltamtes im Jahr 2005, also 15 Jahre nach der Wende, zeigte, dass Fische in dem Fluss Mulde noch massiv verseucht waren und nicht verzehrt werden durften [2]. In einer nachfolgenden Untersuchung des Bundesumweltamtes im Jahr 2010 wurde endlich festgestellt, dass die Belastung der Fische deutlich zurückgegangen war [3]. Es gibt Schätzungen, dass in den über 60 Jahren der Anwendung weltweit zwischen 4 und 7 Million Tonnen HCH-Abfälle (unerwünschte, unwirksame Isomerengemische) aus den Produktionen auf Deponien gelandet sind. Nach der EU-Verordnung 850/2004 war Lindan nur noch bis Ende 2007 in Europa zugelassen.

Eine Biodiversität auf den meisten Feldern, bestehend aus Mikroorganismen, Wildkräutern, Spinnen, Insekten und die darauf fußenden Nahrungsketten (einschließlich Singvögel) besteht heute praktisch nicht mehr. Mit den Herbiziden, die häufig selektiver als Insektizide wirken, wurde alles lästige Beiwerk entfernt. Außerdem können sich die Pestizide im Boden anreichern und diesen über Jahre belasten.

Ist heute alles besser? Problematisch: der Verbrauch an Pestiziden steigt ungebremst an. Die Pestizide sollen idealerweise zum Erntezeitpunkt abgebaut sein. Das funktioniert leider selten. Dass Grenzwerte eingehalten werden, muss nicht unbedingt den Verbraucher beruhigen, denn Grenzwerte und Verbote sind länderabhängig und passen sich auch den Machbarkeiten und der Art der Produkte an. Aktuell ist die Diskussion über das weltweit eingesetzte Herbizid Glyphosat, welches auch in Weinbergen zur Beseitigung des Unterwuchses verwendet wird. Die WHO hat es kürzlich verdächtigt, Krebs auszulösen, was das BfR bisher noch nicht nachvollziehen konnte [4]. Die EU steht vor der Entscheidung, es weitere 10 Jahre zuzulassen.

Weingenuss – ohne Reue? 

Etwa 21 kg Fungizide werden pro Hektar Rebfläche aufgebracht, wobei anorganischer Schwefel allerdings den Großteil ausmacht. Umgerechnet wäre das 1 Teelöffel pro Flasche erzeugten Wein [5]. Anhaftende Rückstände von Pflanzenschutzmitteln an den Trauben sind im Wein später zu etwa 30 % wiederzufinden, wie eine französische Studie aus dem Jahr 2005 belegte. Weitere Beispiele:

Im Jahr 2008 initiierte PAN eine Untersuchung von 40 Weinen (34 konventionell und 6 biologisch angebaute) mit Schwerpunkt aus europäischen Herkunftsländern neben einigen Weinen aus Übersee. Das Ergebnis hat einen gewissen Aufruhr in der Fachwelt und bei den Verbrauchern erzeugt: alle 34 konventionell angebauten Weine, also Pestizid-behandelt, zeigten 1 bis 10 nachweisbare Pestizide pro Wein, während von den 6 Bioweinen nur einer geringe Mengen eines Mittels aufwies. Insgesamt wurden 20 verschiedene Pestizide identifiziert. Es wurde festgestellt, dass keine der einzelnen Substanzen den eigenen Grenzwert überschritt und auch deutlich darunter blieb.  

Das Chemische Veterinär Untersuchungsamt Stuttgart untersuchte 2010/11 insgesamt 21 deutsche Weine aus konventionellem Anbau. Laut WDR-Report [6] fanden sich bei 18 Proben Rückstände von Pestizidwirkstoffen. In 15 Flaschen wurden gleichzeitig mehrere Wirkstoffe identifiziert. Keines der einzelnen Pestizide überschritt dabei den Grenzwert.

Die Zeitschrift Sommelier Magazin brachte einen Artikel nach der PAN-Studie heraus („Die Pestizid-Hysterie“) und stellte fest, dass auch die Fachleute des PAN sich nicht zu einer Empfehlung durchringen konnten, konventionelle Weine nicht zu trinken. Die gefunden Mengen waren zu deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Der Autor merkte jedoch an, dass sich der Einsatz von Pestiziden in dem Zeitraum von 10 Jahren vor dem Artikel auf 200.000 Tonnen (!) in Europa verdoppelt hatte. und ging am Ende auf den ökologischen Weinbau als Alternative ein. Im selbigen Artikel sind auch von einigen üblichen Pestiziden die gesundheitlich unbedenklichen, täglichen Aufnahmemengen (ADI-Wert der WHO) aufgeführt, mit etwa von 0,02 bis 0,4 mg/kg Körpergewicht, je nach Wirkstofftyp [7]. Rechnet man diese Mengen auf ein ganzes Jahr für einen Menschen mit 75 kg Gewicht um, dann ergeben sich daraus 0,14 Gramm bis sagenhafte 11 Gramm je Pestizid. Dabei sollte man sich vor Augen führen, dass manche Pestizide im Verdacht stehen, ernsthafte und chronische Krankheiten zu verursachen und dazu Hunderte von Wirkstoffen im Einsatz sind. 

Wer Pestizide in den Nahrungsmitteln auch unterhalb der Grenzwerte nicht bedenkenlos hinnehmen möchte, kann heute wenigstens wählen.

Pestizide Wein

Völlig kahler Weinberg im Bordeaux-Gebiet


Biologischer / ökologischer Anbau als greifbare Alternative

Es geht ja nicht nur um die Rückstände im Wein selbst. Die landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen verarmen an Arten und werden letztlich vergiftet. Auch die Arbeit mit Pestiziden im Weinberg ist mit Risiken verbunden.

Der biologisch richtige Anbau setzt primär auf naturgemäße Bodenpflege sowie Förderung von Nützlingen in einem stabilen, wenn auch künstlichen Ökosystem. Schädlinge werden nicht versuchsweise ausgerottet, sondern sind im Idealfall durch kräftige und gesunde Pflanzen zurückgedrängt. Die auf einer gesunden Phyllosphäre (die gesamte Blattfläche) eines Hektars Rebfläche wachsenden Mikroorganismen machen etwa 30 kg aus [8].

Künstliche Düngemittel und chemische Pflanzenschutzmittel sind verboten. Dem Bio-Winzer stehen jedoch zur Bekämpfung von Pilzbefall anorganischer Schwefel und Kupfersalze als erlaubte Mittel zur Verfügung. Schwefel scheint problemlos zu sein, Kupfer kann sich im Boden anreichern und sollte mit Bedacht eingesetzt werden. Im Wein selbst jedoch, ist Kupfer kein Thema, da es im Wein unlösliche Sulfide bildet. Ein typischer Wert für Kupfer im Wein ist 0,5 mg/l, wobei der Tagesbedarf eines Menschen bei 1-3 mg/Tag liegt.

Die folgende Feststellung in dem zuvor genannten BfR-Report aus einer amerikanischen Studie zu Rückständen in Obst und Gemüsen im Jahr 2009, mit Unterstützung des Ökomonitoring Baden-Württemberg, liest sich in freier Übersetzung etwa so: „Früchte und Gemüse aus organischem Anbau enthalten seltener Reste von Pestiziden und dazu in geringeren Mengen als konventionell angebaute Produkte“. Von 1541 „aus organischem Anbau“ deklarierten Produkten waren 83 % ohne nachweisbare Rückstände und in nur 1 % wurden die Grenzwerte überschritten.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) untersuchte im Jahr 2014 ebenfalls Obst und Gemüse aus aller Welt. Von 2.390 Proben waren 423 als Bio-Produkt ausgewiesen. Bei den konventionellen Lebensmitteln wurden in nur 24 % der Fälle keine Rückstände nachgewiesen. Dagegen waren 90 % der Produkte aus ökologischem Anbau rückstandsfrei [9].

Das klingt ermutigend. Wie sieht es jetzt bei den Weinen aus?

Weinanbau

In einer anderen Untersuchung [10] hat das LGL aus konventionellem Anbau 18 Weine (8 rote, 10 weiße) und 23 als ökologisch bezeichnete Weine geprüft. Bei den konventionellen Weinen war nur einer aus Südafrika ohne nachweisbare Rückstände. Dafür gab eine Weinprobe aus Spanien, die nicht nur bei einem Fungizid den zulässigen Höchstwert überschritt, sondern darüber hinaus noch 10 (!) weitere Pestizide enthielt. Im Durchschnitt wurden etwa 6 verschiedene Pestizide pro Wein gefunden. Die Gesamtmenge an Rückständen betrug im Durchschnitt bei den Weißweinen 0,20 mg/kg und bei Rotweinen 0,06 mg/kg.

Bei den 23 als ökologisch deklarierten Weinen ergab es sich, dass nur 39 % dieser Weine (insgesamt 9 rote, 14 weiße) vollständig rückstandsfrei waren. Bei 63 % aller Rückstände lagen die Gehalte allerdings unter 0,01 mg/kg und damit 100 bis 500 mal geringer als die zulässigen Grenzwerte und genügten damit den ökologischen Anforderungen, s. u. Bei 5 Weinen aber wurde festgestellt, dass diese irreführend als ökologische Weine gekennzeichnet waren (2 von 8 aus Deutschland, 2 von 11 aus Italien, 1 von 3 aus Spanien), da die Gehalte nur den Schluss zuließen, dass Pestizide eingesetzt wurden. In einer der Proben aus Deutschland wurden 9 Fungizide nachgewiesen mit Gehalten zwischen 0,01 bis 0,18 mg/kg pro Mittel, in Summe sogar 0,63 mg/kg und damit mehr als in dem am höchsten belasteten konventionellen Muster aus Spanien (0,51 mg/kg). Der wachsende Markt für Bioweine ist wohl leider nicht vor schwarzen Schafen sicher.

Wie hoch sind die Grenzwerte im Wein?

Der o. g. LGL-Bericht zu den Weinen gibt folgende, zulässige Höchstmengen im Wein am Beispiel ausgewählter Pflanzenschutzmittel an: 

Insektizide 

Methoxyfenozid       1 mg/kg

Tebufenozid            3 mg/kg

Fungizide 

Metalaxyl                 1 mg/kg

Iprovalicarb             2 mg/kg

Dimethomorph        3 mg/kg

Boscalid                  5 mg/kg

Pyrimethanil            5 mg/kg

Fenhexamid            5 mg/kg

Für die Summe aus verschiedenen Pestiziden in einem Produkt gibt es keinen Grenzwert.

Die Bezeichnungen „ökologisch“ und „biologisch“ dürfen nach der EU-Öko-Erzeugnisse-Verordnung nur dann verwendet werden, wenn der Hersteller keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel angewendet hat. Als Orientierungswert für den Beleg einer unzulässigen Anwendung von Pestiziden bei Bioweinen gilt ein Richtwert von 0,01 mg/kg pro Pestizid. Es können geringe Restwerte vorliegen, z. B. verursacht durch Abdrift aus benachbarten Feldern oder durch Lagerung des Lesegutes auf kontaminierten Flächen. In den meisten Fällen werden hiermit geringe Rückstände bei ökologisch erzeugten Weinen erklärt.

Zitat aus der selbigen Studie zum Rechtlichen:

„In § 13 (2) Nr. 1 der Weinverordnung (WeinV) wird genauer bestimmt, dass die Gehalte der in Anlage 7a WeinV genannten Stoffe nicht überschritten werden dürfen. Bei in Anlage 7a Abschnitt 1 WeinV genannten Stoffen ist eine durch die Herstellung eingetretene Erhöhung bzw. Verringerung zu berücksichtigen, bei in Anlage 7a Abschnitt 2 WeinV genannten Stoffen gelten die Höchstmengen unverändert.
Dementsprechend sind bei den Stoffen der Anlage 7a WeinV die Höchstmengen der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 ggf. unter Berücksichtigung der durch die Herstellung eingetretenen Erhöhung bzw. Verringerung heranzuziehen. Alle dort nicht genannten Stoffe haben keine Höchstmenge für Wein, auch wenn in der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 ein Grenzwert explizit für Trauben festgelegt ist.“

Zusammenfassung

Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft scheint leider ungebremst anzusteigen. 

Ökologisch erzeugte Weine (genauso wie Obst und Gemüse) enthalten gar keine oder nur sehr geringe Rückstände an Pflanzenschutzmitteln in den meisten der untersuchten Proben und sind deutlich weniger belastet als konventionell angebaute. Leider gibt es schon Ausnahmen, die offensichtlich mit Falschdeklarierungen („Biowein“) vorgehen und nicht nur in Italien, Spanien, sondern auch in Deutschland. 

In der LGL-Studie wurden andererseits einige Weine aus konventionellem Anbau gefunden, die ebenfalls keine bzw. kaum Rückstände aufwiesen. Diese Betriebe arbeiten ganz offensichtlich ohne chemische Pflanzenschutzmittel, deklarieren aber ihre Produkte nicht als „Bio“. Dafür mag es diverse Gründe geben: Kosten der Zertifizierung, Zeitrahmen bei Umstellung auf ökologischen Anbau oder einfach nur das eigene Selbstverständnis.

Der gesundheitsbewusste Weintrinker kann durch Auswahl von Bioweinen oder bei Weinen vom geeigneten konventionellen Winzer die Belastung mit Pflanzenschutzmitteln nachweislich und auch deutlich senken. Auch der Umweltschutz wird damit gefördert.

Wie kann man sicher sein, rückstandsfreie Weine zu erwerben? Es gibt keine Garantie, wenn jemand bewusst täuschen will. Statistisch gesehen, ist man beim Kauf eines Bioweines bei den Rückständen besser dran. Es gibt auch verschiedene Bio-Label, über die man sich informieren sollte. Aber auch konventionelle Winzer können rückstandsfreie Weine produzieren. Wenn möglich, kann man auch Informationen im Internet über den Winzer einholen oder direkt kontaktieren und nachfragen. Letztlich ist es eine Frage des Vertrauens.

Zum Autor:

Holger Casselmann, geboren 1956, stammt aus Vlotho in Ostwestfalen und hat an der Universität Hannover in Fach Chemie promoviert. Nach 26 Jahren beruflicher Tätigkeit als Manager in einem chemischen Großunternehmen mit Tätigkeiten im In- und Ausland hat er die berufliche Veränderung gesucht und 2014 den Online-Shop RHC-Weinkontor e.K. in Odenthal gegründet mit Angeboten von Weinen und Speiseölen ausgewählter Länder – hier geht’s zum Shop:

RHC Weinkontor

Quellen

[1] http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/pestizide-4718.html

[2] Umweltbundesamt, Hintergrundpapier Oktober 2006 (Mulde-Fische)

[3] Umweltbundesamt, Hintergrundpapier Oktober 2010 (Fische)

[4] http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-18709-2015-03-26.html

[5] www.ithaka-journal.net Der Tod aus dem Weinberg – ein Teelöffel Pestizide, 2009

[6] WDR-Report vom 20. Dezember 2014

[7] Die Pestizid-Hysterie SOMMELIER MAGAZIN 3|08

[8] www.ithaka-journal.net Vielfältiges Leben in und auf den Blättern der Rebe, 2011

[9] http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/pflanzenschutzmittel/pestizide_pflanzlich_lm/ue_2014_obst_gemuese.htm

[10] http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/warengruppen/wc_33_weine/ue_2010_pflanzenschutzmittel_wein.htm

Weitere Quellen:

http://www.falstaff.de/weinartikel/studie-pestizide-in-90-prozent-der-weine-5635.html 

http://www.pan-europe.info

Bildnachweise:

Spritzgerät. Bauer Karl CC-BY-SA-3.0 Wikimedia Commons

Weinberg Bordeaux: Berndt Fenow CC-BY-SA-2.5 Wikimedia Commons

9 Kommentare

  • bremerseefahrer sagt:

    Lieber Sascha,
    Schön das ihr dieses Thema endlich aufgegriffen habt, wobei ihr aber eine wichtige Zahl vergessen habt, den Grenzwert von Trinkwasser, der als das sauberste Lebensmittel in unserem Land gilt+ Maßstab sein sollte
    Im Verhältnis zum Trinkwasser liegt nämlich der Grenzwert der Pestizide um 10.000 fach höher.
    Diese Zahl macht erst deutlich, wie viel Gift dann im Wein enthalten ist.
    Auch die Krankheiten wie Demenz, Alzheimer+ Parkinson wurden nicht bei ihrem Namen genannt, obwohl sie nachgewiesen Folge von zu viel Pestiziden im Wein, Obst oder Gemüse sind.
    Es wird auch nicht besser, wenn man die Gifte verharmlost+ beschönigt, im Gegenteil, man muss die Dinge beim Namen nennen+ die Menschen aufklären.
    So lieber Sascha, das musste gesagt werden. Dein bremerseefahrer

    • sb sagt:

      Moin. Dieser gut recherchierte Beitrag von Herrn Dr. Casselmann gibt einen umfassenden Einblick in das Thema Pestizide im Weinbau. Die Tatsache, dass viele verwandte Themen oder irgendwelche Vergleiche darin nicht vorkommen (können – das sprengt ja auch irgendwann den Rahmen), nimmt dem Beitrag nichts von seiner Aussagekraft. Aber natürlich hast Du grundsätzlich Recht, dass es viele Bereiche gibt, die unserer Aufmerksamkeit bedürfen – und der Vergleich mit dem Trinkwasser ist auf den ersten Blick natürlich beeindruckend, das stimmt. M. E. verharmlost und beschönigt dieser Text gar nichts – eher im Gegenteil. Ich denke, diese Krankheiten sind, wenn es diese Kausalkette gibt, v.a. auf den Cocktail zurückzuführen, den wir tagtäglich zu uns nehmen. Aber es ist sicher ein erster Schritt, darauf aufmerksam zu machen und bewußt möglichst unbelastete Lebensmittel zu sich zu nehmen.
      Beste Grüße, SB

  • EC sagt:

    Hoch interessanter Artikel!
    Die Kernfrage, ob Weingenuß hinsichtlich der unerwünschten Inhaltsstoffe denn nun schädlich ist oder nicht, beantworte ich für mich selbst eher pragmatisch. Zum einen ist wohl die mit dem Wein aufgenommene Menge gegenüber dem, was man sich sonst noch zuführt, eher vernachlässigbar. Insgesamt versuche ich generell, also bei allem Eß- und Trinkbaren, offensichtlich industriell hergestellte Erzeugnisse zu vermeiden. Bei diesen ist der Druck zur Effizienz für die Erzeuger am höchsten, somit gehe ich davon aus, daß hier auch am meisten Chemie eingesetzt wird. Bei „Bio“ wird im Zweifelsfall auch weniger drin sein als bei „nicht Bio“, aber ich weiß auch, daß es nicht wenige Winzer gibt, die aus vielerlei Gründen nicht offiziell „Bio“ sind, aber trotzdem keine oder fast keine Chemie einsetzen. Bei manchen Weingütern weiß ich das sicher, bei manchen nehme ich es an. Wenn es geht, schaue ich mir auch mal die Weingärten der Winzer an. Wenn’s dann recht grün zwischen den Rebstöcken ist, dann ist das schon mal ein gutes Zeichen. Insgesamt hoffe ich, so einen einigermaßen unbelasteten Mix hinzubekommen.

    • sb sagt:

      Ich sehe das ähnlich. Angesichts der vielfältigen Umweltbelastungen ist es sicher eine Illusion, sich da komplett herausnehmen zu wollen. Aber bewußter Kauf und bewußte Ernährung halte ich auch für mehr als sinnvoll – ob zertifiziert oder nicht.

  • Als Autor des Artikels möchte ich noch eine wichtige Ergänzung hinzufügen: Das Spritzen von Kupfer(-Ionen) ist nicht das unausweichliche Schicksal der Bio-Winzer, sonders es gibt die Möglichkeit, alternativ – und erfolgreich- mit Backpulver zu behandeln:

    http://www.enoworldwine.de/aktuell/news/backpulver-und-salbei-statt-kupfer-und-schwefel

  • Hallo Holger

    Lange ist es her seit unserem letzten Kontakt. Dein Balkon ging in die Luft… vor ungefähr 50 Jahren. Bin deine Cousine im 2.Grad, Tochter von Käthe Trieloff-Casselmann
    Bitte sende mir deine Koordinaten.

    Besten Dank und viele Grüsse aus der Schweiz.
    Gudrun Lipp-Trieloff

  • Pestizide im Wein – ein Dauerbrenner nicht nur das Permanent mit Spritzmittel, Pestizide und Kunstdünger die Umwelt verpestet wird, auch die Lärmbelästigung ist nicht mehr hinnehmbar, zumal die Winzer Schaft weder Sonntag, Feiertag noch die Nachtruhe einhalten. Es wird so viel von Lärmemissionen gesprochen, aber die neuen Maschinen werden immer lauter. Der Industrie muss man den Vorwurf machen, was wird hier für ein Müll produziert. Die alten Maschinen waren weitaus leiser.
    Mehr unter: Urlausimpressionen vom Castelhof über Wein u. Erholungsort Ballrechten-Dottingen wenn Sie Ruhe u. Entspannung brauchen sind Sie bei uns genau richtig.

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